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Sie wollten das Würmtal zu einer namhaften Marke machen: Die Bürgermeister (von links) Harald Zipfel (Neuried), Christine Borst (Krailling), Uta Wüst (Gräfelfing), Brigitte Kössinger (Gauting) und Heinrich Hofmann (Planegg) besprachen das Projekt in mehreren Arbeitstreffen. 

Nach Kraillinger Ausstieg

Gemeinden begraben die Marke Würmtal

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Würmtal - Nachdem der Kraillinger Gemeinderat weiteres Geld für die Schaffung einer regionalen Marke Würmtal verweigerte, verkünden jetzt die übrigen Gemeinden das Ende des Markenbildungsprozesses.

Welche Ziele können fünf kleine Gemeinden im Großraum München gemeinsam erreichen, die sie alleine nicht erreichen würden? Eine ganze Menge, glaubt Kraillings Bürgermeisterin Christine Borst. Sie hatte deshalb 2015 angeregt, die Zusammenarbeit auszubauen und für das Würmtal eine Markenstrategie zu entwickeln. Ihre Amtskollegen in Gauting, Planegg, Neuried und Gräfelfing konnte sie überzeugen, jedoch nicht den eigenen Gemeinderat. Umsonst sei der Vorstoß aber nicht gewesen, glaubt Borst.

Der Kraillinger Rat hatte kürzlich gegen die Fortsetzung des Markenbildungsprozesses gestimmt (wir berichteten). Inzwischen haben deshalb auch Gauting, Gräfelfing, Neuried und Planegg erklärt, nicht weiterzumachen. An einem schicken Logo oder einen knackigen Werbespruch für das Würmtal arbeitet man vorerst nicht. „Da haben wir einen klaren Ratsbeschluss“, sagt Borst. Darum sei es bisher aber auch noch gar nicht gegangen, beteuern die Beteiligten nach der für manche überraschenden Ablehnung, sondern um einen geeigneten Rahmen, in dem man sich mit fachlicher Begleitung Gedanken über gemeinsame Ziele machen könne. Diese Erkenntnisse wolle man nun nutzen. „Es wäre sonst auch schade um das bisher Erreichte“, sagt Borst. In der Zusammenarbeit gebe es „noch viel Luft nach oben.“ Man habe jetzt aber schon mal erreicht, dass darüber geredet werde.

Gemeinsame Projekte der Würmtalgemeinden gibt es auf vielen Ebenen: Wasserversorgung, Schulzweckverbände, Lehrstellenvermittlung. Auch die Wirtschaftsförderer sprechen sich bisweilen ab, wenn Unternehmen Räume suchen. In Zukunft könnte es gemeinsame Fuhrparks beim Winterdienst oder eine gemeinsame 24-Stunden-Kindertagesstätte geben. Warum man aber für eine Vertiefung der Zusammenarbeit die Regionsbezeichnung Würmtal zu einer Marke erheben sollte, blieb vielen Gemeinderäten ein Rätsel.

„Regionen, die sich zu Marken entwickeln wollen, richten ihre Aufmerksamkeit zuallererst nach innen, auf ihre Leistungen, und entwickeln diese auf der Grundlage ihrer Werte und ihrem Alleinstellungsmerkmal weiter“, versucht Alois Dorfner, zuständiger Projektleiter bei der Beraterfirma Brand Trust die Vorteile eines Markenbildungsprozesses zu erklären. So entstehe „im Laufe der Zeit ein klares Bild in den Köpfen von Bürgern, Unternehmen und Kunden darüber, wie sich die Region als Marke von seinem Wettbewerb abgrenzt“.

Doch vor allem an den Begriffen, die Brand Trust mit Bürgermeistern und Wirtschaftsförderern in mehreren Treffen erarbeitet hatten, stießen sich viele Gemeinderäte. Erstklassig sei das Würmtal demnach, stolz und geistreich. Dadurch und durch seine privilegierte Lage zwischen Natur und Großstadt sei es der „zukunftsweisendste Lebens- und Technologiestandort in der Region München“. Das klinge zu arrogant, zu schwammig, zu kompliziert, fanden viele.

Das Ziel sei gewesen, das besondere, das jede Gemeinde zu bieten habe, also „die Vielfalt von Spitzenleistungen auf wenige Worte zu verdichten“, sagt Dorfner. Doch verfestigte sich offenbar nach und nach der Eindruck, dass sich ein echtes Alleinstellungsmerkmal, durch das sich das Würmtal von anderen Regionen abgrenze, nicht finden ließ. Und letztlich geht es in einem Markenprozess vorrangig um die Außendarstellung.

Der Neurieder Gemeinderat hatte im Oktober noch einstimmig Mittel bewilligt, um die Beraterfirma auch 2017 zu beschäftigen. Um 10 000 Euro je Gemeinde ging es, selbst im klammen Gauting wurde die Summe mit breiter Mehrheit bewilligt. Planegg und Gräfelfing folgten, doch häuften sich kritische Äußerungen. Dann lehnte Anfang Dezember im Kraillinger Gemeinderat eine Mehrheit die weitere Beteiligung am Markenprozess ab.

Jetzt sollen die fünf gemeindlichen Wirtschaftsförderer ein konkretes Projekt suchen, das sich eignen könnte als Paradebeispiel für interkommunale Zusammenarbeit, und in dem sich die jetzt definierten Werte und Ziele wiederfinden. Und in ein paar Jahren, vielleicht mit positiven Beispielen vor Augen, könnte sich die Sichtweise der Skeptiker auf den Markenbildungsprozess doch noch ändern, hofft Borst.

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