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Jugendliche des Kurt-Huber-Gymnasiums sind morgens ehrenamtlich als Schulweghelfer im Einsatz. Hier hilft Sophia (15) Kindern über den Zebrastreifen in der Adalbert-Stifter-Straße in Lochham.

Ehrenamt

Schulweghelfer suchen dringend Verstärkung

Würmtal  Die Schulweghelfer im Würmtal brauchen vielerorts Verstärkung, um alle Schichten besetzen zu können. Vor allem die veränderten Schulzeiten stellen die Ehrenamtlichen vor eine Herausforderung.

Gegen Ende des vergangenen Schuljahres sah es noch recht duster aus in Neuried. Etliche Schulweghelfer hatten angekündigt, sich zurückzuziehen. Zum Teil aus beruflichen Gründen, weil sie den Wohnort wechselten, weil die eigenen Kinder nun nicht mehr die Grundschule besuchen oder weil sie nach jahrelangem Einsatz auch einfach mal eine Pause wollten. Corinna und Martin Pflästerer, die im Sommer 2015 die Koordination übernommen hatten, starteten einen Aufruf im Gemeindeblatt und verbreiteten über die ortsansässigen Vereine, dass neue Schulweghelfer gesucht würden. Das half, zwölf bis 15 Bürger, schätzt Corinna Pflästerer, sind bereit, sich morgens von 7.30 bis 8 Uhr beziehungsweise um die Mittagszeit an einem von vier Standorten darum zu kümmern, dass die Grundschüler sicher über die Straße kommen. „Wir haben noch nicht genug. Wir können nicht alle Schichten besetzen“, sagt Corinna Pflästerer. Zwei bis drei weitere Schulweghelfer seien das Minimum, „drei bis fünf Leute wären ganz toll“. Dann könnte man sich den Luxus leisten, Springer zu haben, die zur Stelle sind, wenn einem anderen etwas dazwischenkommt.

Während die Neurieder morgens nur eine Schicht haben, sind es am Nachmittag mehrere. Denn immer weniger Kinder machen sich pünktlich mit dem Gong auf den Heimweg. Pflästerer hat es überschlagen und stellt fest: „Drei Viertel der Grundschulkinder gehen mittags nicht nach Hause.“ Ganztagsklasse, Hort und Mittagsbetreuung sorgen dafür, dass zu ganz unterschiedlichen Zeiten Arbeit für die Schulweghelfer anfällt. „Man kann die Helfer nicht so gut motivieren, wenn nur ein, zwei Kinder kommen“, sagt Pflästerer. Es gebe Überlegungen, nur noch morgens eine halbe Stunde vor Ort zu sein.

In Martinsried ist das bereits der Fall. Dort sorgen Helfer an drei Standorten dafür, dass die Kinder zwischen 7.30 und 8 Uhr sicher in die Grundschule kommen. Den Heimweg müssen die Mädchen und Buben alleine bewältigen oder sich abholen lassen. Silke Wilke kümmert sich um die Organisation der Schulweghelfer. Zu Beginn der Sommerferien war sie noch auf der Suche nach Verstärkung. Inzwischen kommt sie auf 13 Helfer und kann damit alle Schichten besetzten.

Eleonore Spinner ist zuständig für die Volksschule Lochham. Ihr stehen im nun beginnenden Schuljahr knapp 50 Helfer zur Verfügung, verteilt auf sieben Standorte. Seit zwei Jahren bekommt Spinner Unterstützung von Schülern des Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasiums, die sich an dem Projekt „SoMit“, was für soziales Miteinander steht, beteiligen und von der Mittelschule Lochham. 22 Schüler unterstützen heuer das Schulweghelfer-Team. „Sie sind sehr engagiert und machen das gerne. Wir haben schon einige, die Wiederholungstäter sind“, sagt Spinner.

An der Grundschule Gräfelfing sind aktuell 38 Schulweghelfer im Einsatz. Werbung hat man am ersten Schultag bei den Erstklässlern gemacht. Vier Eltern meldeten sich – allerdings haben auch vier Helfer aufgehört. Bedarf ist weiter da, zumal man an der Kreuzung Rottenbucher-/Bahnhofstraße eine weitere Stelle besetzt hat, wie Koordinatorin Monika Schlosser berichtet. Jetzt will man einen Aufruf über den Elternbeirat starten.

Anett Prenzlow, die die Dienste in Planegg koordiniert, würde sich über drei zusätzliche Helfer freuen. Manche ihrer 18 Ehrenamtlichen würden Doppelschichten einlegen, um die Termine bedienen zu können. Im Moment sucht Prenzlow dringend Freiwillige, die sich mittags an der Kreuzung Germeringer Straße/Georgenstraße positionieren.

In Krailling haben sich aktuell rund 20 Freiwillige bereit erklärt, den Schulweg sicherer zu gestalten. Trotzdem gebe es noch kleine Lücken. „Wir können nicht alle Übergänge bedienen“, sagt Koordinatorin Silke Bürkle-Schiffbauer. So sind die Kinder direkt vor der Schule auf sich allein gestellt. Auf die meisten Eltern würde dieser Übergang ungefährlich wirken, weshalb entsprechende Angebote ausblieben.

Dafür ist es gelungen, vier weitere Standorte zu besetzen. Geplant war eigentlich, den Kindern zu fünf verschiedenen Zeiten zur Verfügung zu stehen. Doch während der Mittagszeit sei es schwierig, jemanden zu finden. Denn auch in Krailling sorgen Hort und Ganztagesklasse für einen späteren Schulschluss. „Ich bin der Meinung, dass gerade dann ein Helfer nötig wäre“, so Bürkle-Schiffbauer. Denn ein einzelnes Kind werde viel leichter übersehen.

Dafür verlässt gegen 15.30 Uhr, wenn beispielsweise der Hort endet, ein ganzer Schwung die Schule. Weil dann bereits der Feierabendverkehr eingesetzt hat, sei es besonders wichtig, dass Helfer vor Ort sind, um einen sicheren Heimweg zu ermöglichen.

Schulweghelfer erhalten in den Würmtalgemeinden fünf Euro pro halbstündigem Einsatz. Bevor neue Helfer eine Kreuzung beziehungsweise stark befahrene Straße übernehmen, erhalten sie eine eineinhalbstündige Einführung durch Beamte der Planegger Polizeiinspektion. Neurieds Koordinatorin Corinna Pflästerer hat mit den scheidenden Helfern vereinbart, dass sie noch bis Ende September Dienst tun. Ab Oktober ist dann das neue, frisch angelernte Team im Einsatz.

Wer Interesse hat sich als Schulweghelfer einzubringen, findet auf der Homepage des Sozialnetzes Würmtal-Insel Informationen und Kontaktdaten: http://www.wuermtal-insel.de/einsatzmoeglichkeiten.html.

Nicole Kalenda
Katrin Priehler

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