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Im Kraillinger Bürgerbüro  kümmert sich Karin Greber mit detektivischem Spürsinn darum, die Besitzer von Handys ausfindig zu machen.

Wenig Nachfragen im Verlustfall

Rathäuser bleiben auf Fundsachen sitzen

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Ein Gebiss, ein Hörgerät, unzählige Handys, Schlüssel, Brillen und Fahrräder: Die Fundbüros im Würmtal haben im vergangenen Jahr wieder einiges angesammelt – und kaum einer kommt die Sachen abholen.

Würmtal – Der eine lässt seine Gitarre im Edeka stehen, andere vergessen nach dem Weinfest ihre Fahrradhelme. Ein Ring findet sich auf einer Mülltonne und eine Brille in der Wahlkabine. Die Fundbüros in den Würmtaler Rathäusern häufen jedes Jahr viel an.

Karin Greber vom Kraillinger Fundbüro freut sich über die zahlreichen Fundsachen, die bei ihr im Rathaus abgegeben werden: „Wir haben wahnsinnig ehrliche Bürger“, sagt sie. Schon mehrfach sei auch Bargeld abgegeben worden. „Das finde ich richtig toll.“ Doch das Kuriose: Auf den meisten Sachen bleiben die Rathäuser sitzen. Wer etwas verliert, hat es eigentlich leicht, zu erfahren, ob das Vermisste irgendwo aufgetaucht ist.

Was in Gräfelfing, Neuried und Planegg an Fundsachen in den Rathäusern abgegeben wird, ist sogar ohne großen Aufwand im gemeinsamen „FundPortal“ im Internet zu finden. Im Kraillinger Rathaus ist Geschäftsleiter Franz Wolfrum von dieser Idee angetan und will sich der Technik ebenfalls schon bald bedienen.

Gauting ist noch nicht in dem Portal vertreten. Aber auch im dortigen Rathaus haben die Mitarbeiter einen guten Überblick über die Fundsachen. Dennoch bleibt in den Rathäusern viel liegen. „Bei uns fragen oft jene Verlierer nach, von denen wir nichts da haben“, sagt Greber ein wenig frustriert. Und Gautings Sprecherin Patricia Fritsch-Lange erklärt: „Nur sehr wenige Fundsachen werden von den Verlierern abgeholt.“ „Es werden ständig Fahrräder abgegeben, und da gibt es keine Nachfrage“, wundert sich Manja Pappenheim vom Fundbüro im Neurieder Rathaus. Greber sagt: „Wir haben so viele Schlüssel hier, darunter auch Sicherheitsschlüssel, und es fragt kein Mensch nach.“ Und auch Kathrin Dörzbach vom Planegger Fundbüro bestätigt den Eindruck. Sie übergebe zwar immer wieder Fundsachen an Eigentümer, „aber es bleibt auch sehr viel liegen.“

In der Regel lagern die Würmtal-Gemeinden die gefundenen und abgegebenen Gegenstände ein halbes Jahr lang. Dann freuen sich soziale Einrichtungen oder die ehrlichen Finder darüber. „Handys und andere Kommunikationsgeräte werden vor Abgabe an den Finder auf dessen Kosten von einer Fachfirma auf Werkseinstellung zurückgesetzt, persönliche Daten gelöscht“, erklärt Gautings Sprecherin Fritsch-Lange. Andere Gemeinden lassen Telefone lieber verschrotten.

Karin Greber aus der Kraillinger Rathaus ist sehr bemüht, die Eigentümer der Fundsachen ausfindig zu machen. Sie leistet wahre Detektivarbeit. Wird bei ihr ein Mobiltelefon der Marke Apple abgegeben, schickt sie die Seriennummer des Gerätes an Apple, und die Firma findet dann heraus, wem das Gerät gehört. So konnte sie bislang fast alle Geräte dieser Marke den Eigentümern übergeben. „Alle bis auf eines, das war ein gestohlenes“, erzählt sie. Wird bei ihr ein Sicherheitsschlüssel abgegeben, kontaktiert sie ebenfalls die Herstellerfirma, sofern ersichtlich. Aber bei Schlüsseln sei es nicht ganz so einfach, die Eigentümer ausfindig zu machen. Greber zeigt diesen Einsatz aus gutem Grund. „Ich würde mir das auch wünschen, wenn ich etwas verliere“, sagt sie.

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