+
Im September trafen Kies abbaugegner und Mitarbeiter der Firma Glück vor dem Planegger Rathaus aufeinander. Beide Lager führten damals Umweltargumente ins Feld. Nun verzichtet die Firma Glück auf das Dickwiesen-Projekt.

Firma Glück will sich auf Forst Kasten konzentrieren

Würmtal: Kein Kiesabbau auf der Dickwiese

  • schließen

Das Kiesabbauprojekt auf der Dickwiese im Planegger Holz ist gestoppt. Die Firma Glück hat ihren Antrag auf landesplanerische Beurteilung bei der Regierung von Oberbayern zurückgezogen. Sie will sich nun auf Forst Kasten konzentrieren.

Würmtal– Das Vorhaben der Gräfelfinger Bernhard Glück Kies-Sand-Hartsteinsplitt GmbH, auf 24,4 Hektar im Planegger Holz, der sogenannten Dickwiese, sukzessive Kies abzubauen und das Gelände anschließend wieder aufzuforsten, war auf heftigen Widerstand gestoßen. Im Raumordnungsverfahren, das zunächst nur klärt, ob ein Projekt raumverträglich ist, hatten die Gemeinden Planegg, auf deren Flur die Dickwiese liegt, Gräfelfing, Krailling und die Stadt Germering ihre Ablehnung kundgetan, ebenso Umweltverbände wie der Landesbund für Vogelschutz oder der Bund Naturschutz. Größte Sorgen waren die Zerstörung einer Naherholungsfläche sowie die Zunahme des Lkw-Verkehrs, bedingt durch den Abtransport des Kieses in Lastwagen. Eines der Argumente gegen den Kiesabbau auf der Dickwiese war auch, dass diese kein Vorranggebiet ist.

Unter dem Motto „Rettet den Würmtaler Wald!“ taten sich Bürgerinitiativen und Privatleute aus dem Würmtal und Germering zusammen. Bis Ende November sammelten sie laut eigener Aussage 12 500 Unterschriften gegen „Kahlschlag und Kiesabbau in Forst Kasten und Planegger Holz“. Der Ausschuss für Energiewende, Landwirtschafts- und Umweltfragen des Münchner Kreistags lehnte das Projekt Anfang Oktober ebenfalls ab.


Bis zum Jahresende war eine Entscheidung der Regierung von Oberbayern erwartet worden, ob ein Genehmigungsverfahren gestartet wird. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Gestern ging ein Schreiben an sämtliche Träger öffentlicher Belange. Darin informiert die zuständige Abteilung der Behörde, dass das Raumordnungsverfahren eingestellt wurde – auf Initiative der Firma Glück. Diese hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass die Planungen für einen Kiesabbau im Bereich der Dickwiese „in der Form nicht weiterverfolgt würden“.

Markus Wahl, Geschäftsführer des Unternehmens, bestätigte dies gestern auf Merkur-Anfrage. Die Aufmerksamkeit der Firma Glück gelte jetzt dem Kiesabbau im Forst Kasten. „Wir glauben, dass wir dort relativ gute Chancen haben.“ Derzeit sei die Dickwiese kein Thema mehr, ein endgültiges Aus mochte er nicht bestätigen. „Es wäre schön, wenn man wüsste, was in 1000 Jahren ist.“

Parallel zur Diskussion um die Dickwiese im Westen Planeggs treibt die Kiesabbaugegner der Plan der Heiliggeistspital-Stiftung der Landeshauptstadt München um, im 42 Hektar großen Vorranggebiet 804 in Forst Kasten auf einer Fläche von 9,5 Hektar Kies abbauen zu lassen. Die Firma Glück war bei der laufenden Ausschreibung faktisch ausgeschlossen worden, weswegen Stiftung und Unternehmen einen Rechtsstreit ausfechten. „Wir glauben, dass die Stadt München sich wieder mit uns an den Verhandlungstisch setzt“, sagte Wahl. „Wir denken, dass wir eine relativ gute Chance haben.“

Sichtweise des Landratsamtes spricht für Glück

Mit ein Argument, das für Glück spricht, ist die Sichtweise des Landratsamtes München. Er halte nicht für genehmigungsfähig, so Landrat Christoph Göbel, wenn für den Kiesabbau in Forst Kasten „eine Erschließungsstraße durch den Bannwald“ gebaut werden muss. Glück verfügt zum einen über ein unterirdisches Förderband, das Kiestransport durch Lkw zum Kieswerk überflüssig macht. Zudem kann auch der Transport des Verfüllmaterials über Trassen erfolgen, die bereits vorhanden sind, anderen Firmen aber nicht zur Verfügung stehen. Göbel: „Dass das Unternehmen den Antrag zur Dickwiese zurückzieht, ist gut. Alle Seiten können sich nun nach großer Aufregung auf das konzentrieren, was wir seit Jahren anstreben, nämlich den Kiesabbau in Forst Kasten.“

Planeggs Bürgermeister Heinrich Hofmann begrüßt ebenfalls die Entscheidung der Firma: „Wie alle anderen umliegenden Gemeinden und diejenigen, die sonst noch dagegen waren, freut sich die Gemeinde Planegg.“ 

Die Mitglieder von „Rettet den Würmtaler Wald!“ sehen die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. „Es ist eine gute Nachricht. Ich freue mich sehr“, sagte die Planeggerin Astrid Pfeiffer auf Anfrage. „Aber wir wissen noch nicht, was das für Forst Kasten bedeutet.“ Sie bleibt dabei: „Wenn man Kies abbauen möchte, sollte man das da tun, wo kein Wald ist.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tempo 30 in der Germeringer Straße
Tempo 30 in der Germeringer Straße
Kerze setzt Kinderzimmer in Brand
Kleines Missgeschick mit großer Wirkung: Eine umgestoßene Kerze hat am Donnerstagabend binnen Minuten ein Kinderzimmer in Gräfelfing in Vollbrand gesetzt. Verletzt wurde …
Kerze setzt Kinderzimmer in Brand
Weiter Weg für Würmtaler Förderschüler
Grundschüler aus dem Würmtal müssen weite Strecken zurücklegen, wenn sie zusätzlichen Förderbedarf haben. Der Versuch, das zu ändern, ist gerade gescheitert.
Weiter Weg für Würmtaler Förderschüler

Kommentare