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Das Martinsrieder Feld als Leuchtturmprojekt: Wo derzeit Kies abgebaut wird, könnte in wenigen Jahren der größte Wärmespeicher der Welt entstehen. Vorausgesetzt, der Planegger Gemeinderat spielt mit.
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Im Herbst soll der Kiesabbau auslaufen. 

Leuchtturmprojekt zwischen Gräfelfing und Martinsried

Platz für den weltgrößten Wärmespeicher

  • Nicole Kalenda
    vonNicole Kalenda
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Das Martinsrieder Feld als Leuchtturmprojekt: Wo derzeit Kies abgebaut wird, könnte in wenigen Jahren der größte Wärmespeicher der Welt entstehen. Vorausgesetzt, der Planegger Gemeinderat spielt mit.

Würmtal – Die Bernhard Glück Kies-Sand-Hartsteinsplitt GmbH begann Anfang 2019 damit, auf einer 5,84 Hektar großen Fläche zwischen Martinsried und Gräfelfing Kies abzubauen, insgesamt 700 000 Kubikmeter. Im Herbst soll Schluss sein. Glück verpflichtete sich in einem privatrechtlichen Vertrag mit der Gemeinde Planegg, die Wiederverfüllung der Kiesgrube innerhalb von fünf Jahren und die Rekultivierung innerhalb von sechs Jahren sicherzustellen. „In Kleinbereichen wird schon verfüllt“, sagt Geschäftsführer Markus Wahl. Die grüne Gruppe 21 (gG21) hat nun im Planegger Gemeinderat den Antrag gestellt, die Auflagenfrist zur Wiederverfüllung auszusetzen. Zunächst soll über die Durchführung einer Machbarkeitsstudie für einen sogenannten Erdbeckenspeicher entschieden werden.

Gemeinschaftsprojekt von grüner Gruppe 21 und Gräfelfinger Grünen

Der Antrag für die Studie liegt ebenfalls seit Mitte Mai vor, sowohl in Planegg als auch in Gräfelfing. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt von gG21 und den Gräfelfinger Grünen. Die Gruppierungen arbeiten bei dem Thema eng zusammen. Sie möchten prüfen lassen, ob die Grube zum Erdbeckenspeicher für Solarwärme ausgebaut werden kann. Die meisten Erfahrungen wurden laut Antrag bisher mit reinen Wasserspeichern gesammelt. Dabei wird Wasser in eine mit Folie ausgekleidete Grube gefüllt und etwa über Sonnenkollektoren erhitzt. Die im Sommer zu viel gewonnene Sonnenenergie wird in dem Becken gespeichert und kann im Winter genutzt werden. Das über der Grube angebrachte Blechdach kann begrünt werden und ist begehbar.

Die Abbaufläche liegt größtenteils in Gräfelfinger Gemarkung, in Blickweite der Martinsrieder Wohnbebauung. Die Nachbargemeinden sollen in Abstimmung ein geeignetes Planungsbüro mit der Machbarkeitsanalyse beauftragen. „Alle sind informiert. Wir hoffen, dass wir dafür Mehrheiten bekommen“, sagt Angelika Lawo (gG21).

Idee stammt von Herbert Stepp

Die Idee zum Wärmespeicher hatte Herbert Stepp, von 2002 bis 2020 gG21-Gemeinderat in Planegg. Sein Gedanke war, eine Wärmeversorgung für die Gemeinde zu finden, „die nix verbrennt“. Mit Solaranlagen wie auf dem eigenen Hausdach „hat man im Sommer einen Überschuss und im Winter reicht’s nicht“. Also überlegte Stepp weiter: „Man bräuchte einen Wärmespeicher.“ Und als er im vergangenen Herbst auf seinem Weg zur Arbeit wieder einmal am Martinsrieder Feld vorbeifuhr, „habe ich statt einer Kiesgrube einen Wärmespeicher vor mir gesehen“.

Die Gräfelfinger Grünen standen dem Projekt nicht nur offen gegenüber, mit Gerhard Mengedoht, Professor für Energie- und Gebäudetechnik, verfügen sie auch über einen Spezialisten für Solarthermie in ihren Reihen. Anfang März war er einer der Referenten bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung zum Thema Erdbeckenspeicher im Gräfelfinger Bürgerhaus. Unter den Zuhörern saß neben Mitarbeitern der Planegger Gemeindeverwaltung auch Glück-Geschäftsführer Wahl. Die Firma baut nicht nur den Kies ab, sie ist selbst der Grundeigentümer. „Wir haben signalisiert, dass wir offen sind, wenn es sinnvolle Möglichkeiten gibt, die Grube zu nutzen“, sagt Wahl. „Es muss natürlich relativ schnell gehen, zu sehen, ob etwas dran ist.“ Bevor die Auffüllung zu weit fortgeschritten ist.

Gespräche mit Bürgermeistern und Landrat

„An den Anträgen haben wir ein Vierteljahr gearbeitet“, sagt Martin Feldner, grüner Gemeinderat und 3. Bürgermeister in Gräfelfing. „Wir hatten vorher Signale, dass wir nicht gegen Wände rennen.“ Mit den Bürgermeistern der beiden Gemeinden habe man gesprochen, auch Landrat Christoph Göbel miteinbezogen. „Im Landkreis München gibt es Geld, Platz und nachhaltiges Denken über alle Parteigrenzen hinweg“, stellt Feldner fest. „Dass das die Gemeinden nicht finanzieren können, ist klar. Wir hoffen auf Bundes- und Landesmittel.“ Nicht nur zur Förderung nachhaltiger Energie, sondern auch im Rahmen eines Konjunkturpaketes zur Belebung der Wirtschaft angesichts der Corona-Krise.

„Wir sehen das als Keimzelle eines Wärmenetzes im Würmtal“, sagt Feldner über den anvisierten Erdbecken-Wärmespeicher. Unterstützung bekommen sein Ortsverband und die grüne Gruppe 21 von den Neurieder Grünen, die bei diesem Würmtal-Projekt von Beginn an mit dabei sein wollen, auch wenn ihre Gemeinde vorerst nicht involviert ist.

Geld für eine Machbarkeitsstudie wäre in Planegg vorhanden.

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