In den Würmtaler Reisebüros sind die Buchungen auf nahezu Null zurückgegangen. Auch Reisen innerhalb Deutschlands seien bisher kaum nachgefragt, was für die Reisebüros ein großes wirtschaftliches Problem ist.
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Vermisst seine Kunden: Holger Voigt vom Planegger SWS-Reisebüro. 

Kaum Buchungen, hunderte Stornierungen

Würmtal: Reisebüros kämpfen ums Überleben

  • Peter Seybold
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In den Würmtaler Reisebüros sind die Buchungen auf nahezu Null zurückgegangen. Auch Reisen innerhalb Deutschlands seien bisher kaum nachgefragt, was für die Reisebüros ein großes wirtschaftliches Problem ist.

Würmtal „Seit Mitte Februar bin ich fast nur mit Stornierungen und Umbuchungen beschäftigt. Wir hatten eine dreistellige Zahl an Stornierungen, wodurch ein Auftragsvolumen von 600000 bis 700000 Euro verloren ist“, erzählt Holger Voigt vom Planegger SWS-Reisebüro. „Seit letzter Woche habe ich etwa drei Fahrkarten verkauft, und zwar ein Ferienhaus für 1400 Euro vermietet, aber am gleichen Tag eine Kreuzfahrt für 9000 Euro stornieren müssen. Davon können wir natürlich nicht leben“, so Voigt weiter, der sein Personal in Kurzarbeit geschickt hat und nun von dem Geld lebt, „das ich für schlechte Zeiten zurückgelegt hatte. Ich habe 22 Jahre lang gut gewirtschaftet und habe daher Rücklagen. Auch bei uns wird aber irgendwann der Punkt kommen, wo es nicht mehr geht.“

Erstmals weltweite Krise fürs Reisegeschäft

Das Geschäft mit Reisen erlebe „jedes Jahr eine Krise“, etwa nach Anschlägen wie dem auf das World Trade Center am 11. September 2001, Kriegen, Naturkatastrophen und Rezensionen. „Bisher war aber immer nur ein Land oder eine Region betroffen. Eine solch globale Situation wie jetzt habe ich noch nie erlebt“, sagt Voigt, der auch langfristige Auswirkungen erwartet: „Über 100 Leute in eine Maschine packen zu können, werden wir lange nicht erleben.“ Gerade eben habe ein Flugunternehmen etwa alle Mallorca-Buchungen bis Ende Juni storniert. Thailand sei wohl bis Ende Oktober zu.

Offensiv jetzt schon mit Buchungen für das kommende Jahr zu werben, wie es manch andere Reisebüros machen, wolle Voigt bewusst nicht, auch wenn die Buchungen vielleicht im Herbst wieder möglich sind. „Wir wissen nicht, wie sich die Situation entwickelt. Auch finanziell nützt mir das nichts, denn bei 90 Prozent der Reisen kriege ich meine Provision erst bei Reisebeginn.“

„Eher gering“ sei derzeit auch die Nachfrage im Neurieder „ReiseCenter“ von TUI, berichtet Reiseberaterin Angela Waltner. Bei den Neuriedern gab es ebenfalls eine dreistellige Anzahl von Stornierungen. „Wir sind etwas besser dran, da wir durch die Zugehörigkeit zu TUI abgesichert sind, hängen aber natürlich trotzdem in der Luft“, sagt Waltner.

Deutschlandreisen werden ohne Reisebüro geplant

Das „ReiseCenter“ rät seinen Kunden im Moment eher abzuwarten, bevor eine Reise gebucht wird. Wenn doch jetzt gebucht wird, „empfehlen wir, innerhalb Deutschlands zu verreisen oder nach Österreich oder doch Italien, da man hier notfalls mit dem Auto nach Hause fahren kann, falls zum Beispiel der Flugverkehr ausfällt“, erklärt Waltner.

Urlaube innerhalb Deutschlands seien bisher wenig nachgefragt, da „diese meist am Reisebüro vorbeigehen, weil die Leute mit ihrem eigenen Auto hinfahren und selbst organisieren“. Die vielen Umbuchungen und Stornierungen bedeuten für das Reisebüro natürlich viel Arbeit. Kunden könnten im Moment nur mit Termin in das Center kommen.

„Gar nichts los“ ist auch im Gautinger Reisebüro Arcadia, berichtet Inhaber Günther Weithofer. Es gebe zwar ein wenig Interesse von ein paar Kunden, die sich erkundigen, wann man etwa wieder in die Türkei reisen könnte oder andere Grenzen wieder geöffnet seien. Die allermeisten Anfragen seien dennoch Stornierungen, wovon Weithofer ebenfalls eine dreistellige Anzahl verzeichnete.

Die Reiseveranstalter würden bereits viele Kataloge für 2021 schicken, wohl „um ihre Liquidität wenigstens ein bisschen aufrechtzuerhalten“, meint Weithofer. Reisen für 2021 seien aber dennoch kaum nachgefragt. „Wenn man über einen großen Reiseveranstalter gebucht hat, ist eine Stornierung kein Problem, da man dann relativ problemlos das Geld wieder bekommt. Wenn man sich aber vieles selber organisiert hat, ist es schon schwieriger, weil fraglich ist, ob es das betreffende Flugunternehmen oder das Hotel in einigen Monaten überhaupt noch gibt und man von allen Einzelnen sein Geld wiederbekommt.“ Ferien zu verschieben sei oft wegen der Schulferien der Kinder nicht einfach, erklärt der Gautinger, der hofft, dass im September oder Oktober das Geschäft wieder anzieht. „Ich habe von Kollegen gehört, dass Camping-Geschichten gerade sehr beliebt sind. Bei mir aber nicht, denn darauf bin ich nicht so spezialisiert.“

Andere Branchen haben es leichter im Würmtal.

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