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Organisation und klare Regeln sorgen neben einem relativ geringen Kundenaufkommen dafür, dass bei der Lebensmittelausgabe des Würmtal-Tisches (im Bild die Team-Mitglieder v.l. Joachim Schrader, Emil Knies und Petra Schaber) solche Probleme wie bei der Essener Tafel gar nicht erst aufkommen.

Lebensmittelausgabe am Würmtal-Tisch

Um Gelassenheit bemüht

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Die Essener Tafel sorgte mit ihrem Aufnahmestopp für Ausländer für viel Wirbel. Zum Würmtal-Tisch kommen mehr Flüchtlinge als sogenannte Stammkunden. Probleme wie in Essen gibt es hier aber nicht.

Würmtal – Überforderung, ein Hilfeschrei. So sieht Petra Schaber vom Würmtal-Tisch den viel diskutierten Ausländerstopp der Essener Tafel. Anders als in Essen habe man bei der in Gräfelfing angesiedelten Lebensmittel-Ausgabe für Menschen aus Gräfelfing, Krailling, Neuried und Planegg jedoch viel Platz und seit jeher klare Regeln.

Zu ihren Kunden, für die die Ausgabe immer mittwochs geöffnet ist, gehören mehr Flüchtlinge als sogenannte Stammkunden. Als Flüchtlinge bezeichnet Schaber die Kunden, die in den Flüchtlingsunterkünften leben, Stammkunden hätten eine eigene Wohnung. Als die Kundenzahl mit der Eröffnung der Flüchtlingsunterkünfte explodierte, reagierten Schaber und ihre Kollegen und führten ein Regelsystem ein. Das hätten alle Kunden verstanden und es funktioniere gut, sagt Schaber.

Insgesamt kommen derzeit nur noch 40 bis 50 Menschen zum Würmtal-Tisch. Die Menschen aus den Unterkünften, die eine zeitlang nur einmal pro Monat zum Würmtal-Tisch kommen durften, bekommen jetzt immerhin zweimal monatlich Lebensmittel. Grundsätzlich habe man genug Ware, sagt Schaber, aber man schaffe es nicht, „alle Flüchtlinge an einem Mittwoch zu versorgen“.

Auf dem Parkplatz des TSV Gräfelfing herrschen bei der Warenausgabe strenge Regeln. „Wir wünschen uns eine englische Schlange, aber das klappt nicht immer“, sagt Schaber. Jeder müsse seine Berechtigung nachweisen und bekomme eine Ziffer, die besagt, wann er mit der Ausgabe an der Reihe sei. Damit es gerecht zugehe, bekommen Erwachsene vom Würmtal-Tisch eine weiße, Kinder eine kleinere schwarze Tüte zugeteilt. Natürlich gebe es Drängler. Flüchtlinge seien meist jünger und wendiger als die Stammkunden. Aber „auch Deutsche, die anstehen, können schrecklich nervig sein“.

Die Mischung der Leute gefällt Schaber, weil sie sich so kennenlernten. Eifersucht sei kein Problem. „Manchmal gibt es für die Letzten in der Schlange nichts Gescheites mehr, aber die Leute sind nicht sauer. Manchmal dürfen sie auch zweimal kommen.“ Eine Ration sollte einer Familie für ein bis zwei Tage reichen, so laute die Devise des Würmtal-Tischs. Aber „wir haben nicht für jeden Butter“. Mal gebe es viel Obst und Gemüse, mal müsse der Blumenkohl geviertelt werden. „Wir sind bemüht, es gelassen anzugehen.“

Und sowieso ist nichts beständiger als der Wandel. Die Kundenstruktur des Würmtal-Tischs ändert sich gerade. „Es ist interessant zu beobachten, dass die Flüchtlinge weniger werden.“ Sie fänden Arbeit und Wohnung, nähmen ihr Leben in die Hand und bräuchten die Tafel nicht mehr.

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