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Wer eine besondere Förderung benötigt, muss weite Wege auf sich nehmen.

Sprengelschule liegt in Unterhaching

Weiter Weg für Würmtaler Förderschüler

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Grundschüler aus dem Würmtal müssen weite Strecken zurücklegen, wenn sie zusätzlichen Förderbedarf haben. Der Versuch, das zu ändern, ist gerade gescheitert.

Würmtal – Es könnte so einfach sein. Das nächste Sonderpädagogische Förderzentrum ist in Germering – einen Katzensprung entfernt von Gräfelfing, Planegg und Neuried. Doch Grundschüler der drei Gemeinden müssen nach Unterhaching, wenn sie erhöhten Förderbedarf haben. Das ist rund 20 Kilometer entfernt. „Und das hält viele Eltern davon ab, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen“, erklärt der Rektor der Planegger Grundschule, Sebastian Körber. Im Sommer unternahm er den Versuch, es den Kindern leichter zu machen – und scheiterte. Man könne Kinder auch in Regelklassen inkludieren, sagt er. „Aber wir können nicht auf alle Schwierigkeiten eingehen, dafür gibt es Sonderschullehrer.“

Elf Würmtaler Kinder fahren täglich nach Unterhaching

Derzeit besuchen insgesamt elf Schülerinnen und Schüler aus den genannten Würmtalgemeinden das Sonderpädagogische Förderzentrum in Unterhaching (Gräfelfing sechs, Planegg drei und Neuried zwei). Eine Erhebung, wie viele Schülerinnen und Schüler ein Sonderpädagogisches Förderzentrum potenziell gerne besuchen würden, dies aber aktuell nicht tun, wurde bisher nicht durchgeführt, sagt die Sprecherin des Landratsamtes München, Christina Walzner. Der Landrat des Landkreises München, Christoph Göbel, zeigte aber ein offenes Ohr für das Problem, mit dem ihn Körber konfrontierte. Der Planegger Rektor war auch nicht der Erste, der das Thema auf den Tisch brachte. „Ein langer Schulweg kann für die betroffenen Schülerinnen und Schüler sehr belastend sein. Aus diesem Grund haben wir uns in der Vergangenheit intensiv um Lösungsmöglichkeiten bemüht“, so Walzner.

Dennoch sind die Kinder weiter an Sprengelgrenzen gebunden, und diese sind Deckungsgleich mit denen der Landkreise München und Fürstenfeldbruck. In einem Schreiben an Körber findet es der Landrat „schwer nachzuvollziehen, warum es zu dieser Sprengelung durch die Regierung von Oberbayern gekommen ist. Zwischen den Landkreisen Fürstenfeldbruck und München bestand damals Uneinigkeit bezüglich der Kostenregelung, aber anstatt hier noch einmal in den Dialog zu treten, erfolgte diese sicherlich mehr als unglückliche Sprengelentscheidung“.

Germeringer Schule ausgelastet

Auf Körbers Anstoß hin, trat Göbel jetzt in den Dialog mit seinem Fürstenfeldbrucker Kollegen Thomas Karmasin. Doch es ist nichts zu machen. Die Germeringer Schule ist ausgelastet, die Regierung von Oberbayern würde Sprengelgrenzen nur verschieben, wenn dort noch Kapazitäten bestünden. Mehr Raum ist dort aber nicht zu schaffen, weil für einen Erweiterungsbau der Schule kein Platz ist.

Körber macht diese Antwort nicht glücklich. „Wenn gute Förderung am Weg scheitert, tut es einem für das Kind leid“, sagt er. Und er habe es nicht nur einmal erlebt, dass Eltern vor dem Weg zurückschreckten – obwohl sie für die Busfahrt nicht aufkommen müssen.

Das Landratsamt weist betroffenen Eltern nun den Weg zu einem Hintertürchen: „Unabhängig von der Sprengelregelung kann jeder Förderschüler/jede Förderschülerin des Landkreises München als Sonderregelung ein Gastschulverhältnis aus zwingenden persönlichen Gründen bei einer Schule beantragen, die nicht die jeweilige Pflichtschule ist“, so Walzner. Wer auf diese Weise die Germeringer Schule besuchen darf, muss die Busfahrt dorthin allerdings aus der eigenen Tasche bezahlen.

Seit diesem Schuljahr gelten für den Zeitpunkt der Einschulung übrigens neue Regeln.

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