Knapp zwei Wochen nach Wiedereröffnung ist die Situation in den Würmtaler Lokalen unterschiedlich. Bei vielen ist es im Moment aber noch recht ruhig – was für die Wirte ein wirtschaftliches Problem ist.
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„Jeder Tag ist im Moment anders“, sagt Ludmila Kaspar (l.) vom Wirtshaus Lorber, hier mit ihr en Mitarbeitern Peter Pusatko und Stephanie Federl vom Service. 

Wirte ziehen erste Bilanz

Gaststätten im Würmtal: Mehr Aufwand für weniger Gäste

  • Peter Seybold
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Knapp zwei Wochen nach Wiedereröffnung ist die Situation in den Würmtaler Lokalen unterschiedlich. Bei vielen ist es im Moment aber noch recht ruhig – was für die Wirte ein wirtschaftliches Problem ist.

Würmtal – „Der Vatertag lief erfreulich, der Rest war leider sehr verhalten“, berichtet Daniela Heide vom Planegger Heide-Volm. Die Zahl der Gäste sei noch weit unter Normalmaß. „Wir können nur 50 Prozent der Plätze verwenden. Wenn von denen wiederum nur 50 Prozent belegt sind, ist das für uns ein massives Problem“, sagt Daniela Heide. Personal und alle anderen Abläufe seien auf die normale Platzzahl ausgerichtet. Auch die Kosten etwa für Gehälter und Lebensmittel sind im Gegensatz zu den Wochen der aufgrund der Corona-Pandemie staatlich angeordneten Schließung wieder vorhanden. Diese Zeit sei für das Gasthaus daher sogar finanziell günstiger gewesen als die Zeit seit der Wiedereröffnung. „Doch ein Gasthaus wie unseres kann nicht ewig zu haben und muss irgendwann wieder laufen. Wir haben natürlich auch eine soziale Verantwortung“, sagt Heide. Gastronomie lebe davon, „dass der Gast sich entspannt und ein Erlebnis hat, bei dem er den Kopf frei machen kann. Das geht jetzt natürlich mit dem Maskentragen und anderen Regelungen nicht genau so wie sonst.“

Problem Sitzkissen

Das Team der Gaststätte Heide-Volm hält sich selbstverständlich an alle Corona-Hygieneregeln wie das Desinfizieren der Karten, sobald sie ein Gast hatte, und das Bereitstellen von Desinfektionsspendern. Manche Regeln seien aber ein Problem: „Ich kann kein Sitzkissen desinfizieren, ohne dass es nass wird. Wir verzichten daher im Moment darauf und haben auch auf den Tischen nichts“, sagt Daniela Heide.

„Eher zögerlich“ ging auch der Betrieb im Lochhamer Pschorrhof wieder los, berichtet Oliver Langemann. Abgesehen vom Vatertag sei ebenfalls „noch sehr wenig“ Betrieb. „Die Leute haben wahrscheinlich Angst oder werden von den neuen Regeln abgeschreckt“, vermutet Langemann. Die Gäste, die kommen, seien „aber alle sehr happy“ und hielten sich meist gut an die Corona-Maßnahmen.

Der Pschorrhof bietet zunächst nur eine verkleinerte Karte mit gut einem halben Dutzend Hauptgerichten an, damit nicht zu viele Lebensmittel eingekauft und eventuell wieder weggeschmissen werden müssen. Das Wirte-Ehepaar Langemann muss zurzeit nur eine reduzierte Pacht zahlen. Trotzdem ist in den letzten knapp drei Monaten und vor allem im Moment ein großer finanzieller Verlust entstanden, „den wir durch Rücklagen kompensieren“, sagt Langemann. „Wenn wir wieder die volle Pacht zahlen müssen, fangen die Probleme aber erst noch richtig an.“

Stammgäste wieder da

„Deutlich weniger los als sonst“ ist auch im Neurieder Wirtshaus Lorber. „Wenn das Wetter schön ist, kommen mehr Leute als an anderen Tagen. Ansonsten ist es natürlich nicht so wie sonst, wenn wir zum Beispiel drinnen nur fünf Tische machen können“, sagt Wirtin Ludmilla Kaspar. „Vor allem unsere Stammgäste kommen aber wieder. 99,9 Prozent freuen sich sehr, dass wir wieder auf haben.“ Insgesamt sei der Aufwand für das Wirtshaus größer, da zum Beispiel natürlich alle Hygiene-Maßnahmen eingehalten werden. Die Speisekarte ist zurzeit etwas, aber nicht viel kleiner. So gibt es das Salat-Buffet im Moment nicht. „Jeder Tag ist im Moment anders. Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen“, sagt Ludmilla Kaspar.

„Eigentlich ganz gut“ ist die Lage in der Kraillinger Brauerei, berichtet Pächter Sabri Konxheli. Die Brauerei hat eine moderne Lüftungsanlage mit getrennter Zu- und Abluft. Auch das W-Lan in der Brauerei ist nach Konxhelis Angaben gut ausgebaut. „Beides hilft uns jetzt. Mit QR-Codes an den Tischen können die Speise- und Getränkekarte gescannt werden. Eine gute Lüftungsanlage ist im Moment sowieso wichtig.“ Konxheli bietet die normale Karte an – besonders die Mittagsmenüs liefen sehr gut. Die Gäste seien insgesamt sensibilisiert und hielten sich an alle Vorschriften.

Ein Problem für die Brauerei sei aber, dass sie im Gegensatz zu anderen Restaurants die ganze Zeit die volle Pacht zahlen mussten. „Wir hatten natürlich nach einer Reduzierung gefragt, doch das konnten unsere Verpächter angeblich nicht.“

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