Die Corona-Krise bringt auch im Würmtal Menschen finanziell in Bedrängnis. Der Förderverein Martinsrieder Christkindlmarkt verzeichnet eine Zunahme an Hilfesuchenden, bei sinkenden Einnahmen. Der Miteinander e. V. ist in einer vergleichsweise komfortablen Situation.
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Das Entenrennen auf der Würm fällt heuer coronabedingt aus.

In Not geraten in der Corona-Krise

Würmtal: Die Zahl der Hilfesuchenden steigt

  • Nicole Kalenda
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Die Corona-Krise bringt auch im Würmtal Menschen finanziell in Bedrängnis. Der Förderverein Martinsrieder Christkindlmarkt verzeichnet eine Zunahme an Hilfesuchenden, bei sinkenden Einnahmen. Der Miteinander e. V. ist in einer vergleichsweise komfortablen Situation.

Würmtal– Als der Förderverein Martinsrieder Christkindlmarkt 1981 erstmals Geld für soziale Zwecke verteilte, waren dies 3800 Euro. Heute gibt er jährlich rund 70 000 Euro aus, um alten Menschen mit Essen auf Rädern einmal am Tag ein warmes Essen zu ermöglichen, für Strom, Miete oder Medikamente. Er übernimmt die Kosten eines Schullandheim-Aufenthaltes für Kinder, deren Familien das nicht stemmen können, und finanziert Fahrkarten. „Dieses Jahr könnte der Bedarf über 70 000 Euro liegen. Aber wenn wir kein Geld haben, können wir nichts ausgeben“, sagt Elfriede Kalkühler, Gründungsmitglied des Christkindlmarktes. In den vergangenen Jahren waren bis Ende Mai in der Regel zwischen 6000 und 7000 Euro weg. „Jetzt sind wir bei 12 000“, so Kalkühler.

Im Jahr komme man auf 600 bis 650 Familienkontakte. „Das wird sicherlich dieses Jahr mehr.“ Das Gros der neuen Hilfesuchenden erhalte entweder Kurzarbeitergeld, das kaum reicht, oder hat coronabedingt seine 450-Euro-Stelle verloren und keine Aussicht auf staatliche Hilfeleistungen. „Das ist sehr stark zu spüren.“

Größtenteils Spenden

Der Nettogewinn des Christkindlmarkts, der dem Verein den Namen gegeben hat, macht längst nicht mehr den Großteil der Einnahmen aus. Kalkühler spricht von „in guten Jahren 11 000 bis 12 000 Euro“. Hinzu kommen Veranstaltungen wie etwa Benefizkonzerte. Anfang Oktober sollte die Band „Lehrer haben Freizeit“ auftreten. Die Veranstaltung wurde abgesagt. „Wir haben wenig Möglichkeiten, öffentlichkeitswirksam aktiv zu werden“, sagt der Vereinsvorsitzende Bernhard Detsch.

Die Haupteinnahmequelle sind Spenden, von Firmen und Privatleuten. Detsch befürchtet, dass sich die Corona-Krise „vielleicht langfristig auf die Spendebereitschaft auswirkt“. Kalkühler stellt jetzt schon fest: „Die Spenden sind ein bisschen weniger geworden.“ Genau beziffern lässt sich das erst am Jahresende, denn erfahrungsgemäß gehen die meisten Spenden im letzten Quartal ein, in der Vorweihnachtszeit. Um weiter helfen zu können, begann der Verein „heuer wesentlich früher als sonst, auf Spender zuzugehen“, so Kalkühler. Dank der Aktion „Ein Herz für Helfer“ der Sparda-Bank München, konnten jetzt Lebensmittelgutscheine bei Rewe und Edeka geordert werde.

Der Verein Miteinander wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, die volle Diakonstelle der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Gräfelfing zu erhalten. Die Landeskirche hatte diese 2003 um 50 Prozent gekürzt. Miteinander veranstaltet einmal im Jahr ein Entenrennen auf der Würm sowie im Frühling und Herbst jeweils eine Ü30-Party im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Martinsried. Die Einnahmen fließen in die Finanzierung der Diakonstelle. Diese war zwischen Juli 2018 und Mai 2020 vakant. Inzwischen hat Stefanie Hollitzer die Aufgaben der Jugend-Diakonin übernommen.

Miteinander e.V. sucht neues Projekt

In der fast zweijährigen Pause fanden die Veranstaltungen von Miteinander weiter statt, das Geld wurde zurückgelegt, ebenso die Spenden, die eingingen. Ein fünfstelliger Betrag, so Rebecca Baur vom Vereinsvorstand, habe sich angesammelt. Da Hollitzer aus familiären Gründen keine Vollzeitstelle wollte, arbeitet sie 26 Stunden pro Woche. Miteinander übernimmt somit keine 50 Prozent des Gehalts, sondern nur das, was über einer halben Stelle liegt. „Das ist eine Erleichterung“, sagt Baur in Anbetracht der Tatsache, dass das eigentlich am 4. Juli geplante Entenrennen ebenso ausfallen muss wie schon die Ü30-Party im Frühjahr. Weil wegen Hollitzers Teilzeitstelle genug vom angesammelten Geld übrig bleibt, sucht Miteinander nach einem dauerhaften Projekt der Jugendförderung, vor Ort im Würmtal und konfessionsübergreifend. „Wir würden gerne mehr Geld ausgeben“, sagt Baur. Außerdem laufen Überlegungen, wie trotz Corona-Pandemie „eine Aktion mit Enten“ laufen kann.

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