Nach Urteil des Bundesgeritchshofs

Würmtaler Apotheker uneins

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Traubenzucker gibt es in der Apotheke. Das weiß jedes Kind. Damit ist jetzt Schluss. Apotheker dürfen Kunden keine Geschenke mehr machen. Im Würmtal gehen die Meinungen dazu stark auseinander.

Würmtal– „Das ist eine Farce“, sagt Apothekerin Elisabeth Zehetbauer über das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofes. Dass ihre Kunden jetzt keine Werbegeschenke mehr bekommen dürfen, wenn sie rezeptpflichtige Medikamente bei ihr kaufen, findet die Inhaberin der Stockdorfer Katharinen-Apotheke absurd. „Ich habe gedacht, die machen Spaß.“

Zehetbauer hat schon als Kind Traubenzucker geschenkt bekommen. „Traubenzucker in der Apotheke hat Tradition.“ Taschentücher kosteten rund zehn Cent. „Da geht es nicht um viel Geld.“ Es gehe um die Geste. Zehetbauer hat kein Verständnis. Auch ihre Kunden schütteln den Kopf.

Albrecht Gierl, Inhaber der Gräfelfinger Löwen-Apotheke, kann hingegen gut mit der neuen Regelung Leben. „Ich finde es im Prinzip nicht schlecht.“ Jedes Medikament solle überall gleich viel kosten. „Das ist vernünftig.“ Er meint, die Regelung ziele gegen die Versandapotheken, die Kunden bei einem Einkauf die Rezeptgebühr erstatteten oder Gutscheine für den nächsten Einkauf gewährten. „Der Versandhandel tut der Apotheke vor Ort nicht besonders gut“, erklärt er. Durch die neue Regelung würden die Apotheken vor Ort gestärkt. Dafür nehme er gerne in Kauf, dass er künftig keine Taschentücher verschenken dürfe. Dazu, dass er denen, die beispielsweise nicht verschreibungspflichtiges Aspirin kaufen, immer noch Geschenke mitgeben darf, meint er: „So verrückt ist die Welt.“ Denn für Kunden, die auf eigene Kosten kaufen, ändert sich nichts. Preise für Arzneimittel, für die kein Rezept erforderlich ist, dürfen die Apotheken seit 2004 frei festlegen, eine kleine Beigabe ist also durchaus möglich, während verschreibungspflichtige Arzneimitte deutschlandweit einheitlich kosten müssen, was Werbegeschenke ausschließt.

Isabelle Schuon von „Mary’s Apotheke“ in Neuried bedauert es in erster Linie, dass sie nun keine Proben mehr an Erwachsene und keinen Traubenzucker an Kinder herausgeben darf. Aber insgesamt findet sie die neue Regelung auch nicht schlecht. Ihre Gründe sind ganz anders als die Gierls: „Viele Leute sind recht fordernd“, sagt sie. Einige, die für 100 Euro einkauften, hätten selbstverständlich Geschenke verlangt. Sie gingen davon aus, dass Apotheken einen großen Reibach machten. Aber „die fetten Jahre sind vorbei“. Beim Edeka an der Kasse schenke einem auch keiner etwas.

Florian Max von der Planegger „Würmtal Apotheke“ erklärt: „An einem Rezept verdient der Apotheker 8,35 Euro. Egal ob das verschriebene Medikament fünf oder 20 000 Euro kostet.“ Ihn stört die neue Regelung daher auch nicht sehr. Außerdem sagt er: „Die meisten kaufen nebenbei noch ein rezeptfreies Produkt, und dann ist man auf der sicheren Seite.“

Zehetbauer weiß das. Aber: „Wir werden immer mehr reguliert und gemaßregelt. Das stört mich.“ Sauer will sie nicht sein, stattdessen findet sie: „Es ist schade, dass der BGH sich die Zeit nehmen muss, so etwas zu entscheiden.“

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