+
„Wirklich verdienen tun wir eh nichts mehr“: Waltraut Kappler vom gleichnamigen Kraillinger Spielwarengeschäft stand vor Weihnachten früher mit drei Kollegen im Laden. Inzwischen ist sie allein.

Weihnachtsgeschäft

Online-Konkurrenz setzt Einzelhandel zu

  • schließen

Würmtal - Die Online-Konkurrenz macht dem Würmtaler Einzelhandel im diesjährigen Weihnachtsgeschäft schwer zu schaffen. Nur wenige Ladenbesitzer sehen in der zunehmenden Internet-Nutzung auch Vorteile.

„Das Geschäft läuft miserabel“, sagt etwa Waltraut Kappler vom gleichnamigen Kraillinger Spielwarengeschäft. „Viele Leute informieren sich bei uns oder probieren Fahrzeuge wie ein Puky-Rad aus und kaufen dann doch online.“ Viele Kinder hätten auch besondere Weihnachtswünsche wie ein Drachen-Kuscheltier und „andere ausgefallene Artikel, die wir mit unserem Standard-Programm nicht auf Lager haben“, sagt Waltraut Kappler. Lego-Bausets und „Playmobil bis 30 Euro“ ginge nach wie vor gut, berichtet die Kraillingerin. „Doch davon alleine kann man nicht leben – früher waren wir im Weihnachtsgeschäft zu dritt oder zu viert im Laden, heute reicht einer alleine, so wenig ist los.“ Die 88-Jährige könne „im Moment aber nicht aufhören“, sagt sie, „da wir mit dem Laden die Unkosten für unser ganzes Haus reinholen müssen – wirklich verdienen tun wir eh nichts mehr.“

„Eher schlecht“ läuft auch der Verkauf im Neurieder Geschenkeladen „Villa Papillon“, berichtet Inhaberin Heike Knauseder. Die Konkurrenz durch Online-Händler habe sich nochmal „deutlich zugespitzt“. Kleinere Artikel bis zehn Euro wie Armbänder und Jute-Beuteln gingen noch gut. „Viele Kunden haben aber nicht mal mehr Bargeld in der Tasche, wenn sie zu uns kommen und schauen nur“, sagt Knauseder. „Ein Problem ist auch, dass viele, auch Kinder, schon alles haben und sofort bekommen und nicht mehr auf Weihnachten warten müssen.“ Auch in Planegg und Krailling falle ihr oft auf, wie wenige Kunden in den Geschäften seien, sagt Heike Knauseder. Die Situation werde sich auch bis zum Heiligen Abend nicht mehr wesentlich ändern, glaubt die Neuriederin.

„An den Advents-Samstagen stand ich teils bis 16 Uhr im Geschäft, es kam niemand, blieb dann trotzdem noch bis 17 Uhr da, es kam immer noch niemand, und dann bin ich einfach gegangen“, berichtet auch Evi Grundl, Inhaberin des gleichnamigen Gräfelfinger Modehauses. Durch die Stadtnähe fahren viele Würmtaler lieber in die Münchner Innenstadt zum „Familien-Event Weihnachts-Einkauf“, glaubt Grundl. Am besten gingen noch Kaschmir-Sachen wie Schals, berichtet die Gräfelfingerin. Die verbliebenen Weihnachts-Einkäufer kommen erfahrungsgemäß eher Anfang Dezember als kurz vor Weihnachten.

Etwas zufriedener ist man in der Gräfelfinger Bücherstube Pollner: „Das Geschäft hat gut angefangen, könnte aber noch mehr werden“, sagt Filialleiter Florian Rügemer. Den einen Bestseller wie in früheren Jahren gebe es nicht. Während sich Belletristik-Verkäufe in der Weihnachtszeit verdoppeln bis verdreifachen und auch Kinderbücher gut laufen, nehmen etwa Kochbücher oder Reiseführer nur etwas zu“, erzählt der Buchhändler. Spezielle Weihnachts-Bücher seien meist nur bei Kindern nachgefragt. Die Online-Bestellmöglichkeit der Buchhandlung werde viel genutzt.

„Eine Tendenz zur Qualität“ und nicht alleine auf den Preis bemerkt Bettina Graw-Aloni in ihrer Planegger Schmuck-Galerie. „Edle kleine, sorgfältig gearbeitete Kettchen“ gingen etwa in dem Geschäft in den letzten Wochen gut, sagt Bettina Graw-Aloni.

„Unterm Strich zufrieden“ ist bisher das Planegger Inter-Sportgeschäft Haindl. „Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass wir den bisher nicht richtigen Winter bei Winterkleidung nicht spüren. Aber den Umständen entsprechend ist es in Ordnung“, sagt Geschäftsführer Andreas Haindl. Der Umsatz sei ungefähr gleich wie im Vorjahr. Ein gewisser Trend seien Fitness-Artikel wie Hanteln und die sogenannte „Blackroll“-Rolle. Haindl: „Sich schlank und fit zu halten, ist in dieser Jahreszeit immer ein wichtiges Thema.“ Der Intersport-Hauptverband des Sportgeschäftes überarbeitet in den nächsten Monaten den Online-Shop, so dass dort einzelne Geschäfte wie die Planegger Filiale mehr im Fokus stehen werden. „Schon jetzt werden viele Kunden über das Internet auf uns und manche Artikel aufmerksam, viele informieren sich dort“, beobachtet Haindl.

Peter Seybold

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Die Fieberfee braucht Hilfe
Sie umsorgen kranke Kinder, wenn die Eltern dringend zur Arbeit müssen – die Fieberfeen. Um nicht selbst in Not zu geraten, braucht der Würmtaler Verein dringend neue …
Die Fieberfee braucht Hilfe
Koste es, was es wolle
Blitzer an Autobahnen durchzusetzen ist kein leichtes Unterfangen. Diese Erfahrung macht die Gemeinde Gräfelfing derzeit. Nun ist man bei dem teuren Vorhaben einen …
Koste es, was es wolle
Neue Busverbindung nach Pasing
Martinsried bekommt eine direkte Busverbindung zum Pasinger S-Bahnhof. Die Linie 259 soll ab Fahrplanwechsel 2018 verkehren. Die Streckenführung war im Planegger …
Neue Busverbindung nach Pasing
Lebensretter für zwei Wochen
Rene Greiner ist Segler. Üblicherweise zu seinem Vergnügen. Kommende Woche begibt er sich auf See, um Menschenleben zu retten. Er will Flüchtlinge vor der Libyschen …
Lebensretter für zwei Wochen

Kommentare