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Emir-Usein Kuku sitzt seit drei Jahren auf der Krim in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess. 

Amnesty-Gruppe

Würmtaler kämpfen für politische Gefangene

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Die Würmtaler Amnesty-Gruppe kümmert sich um das Schicksal politischer Gefangener in Weißrussland und auf der Krim. Die Ehrenamtlichen schreiben Briefe an die Häftlinge, versuchen auf die Fälle aufmerksam zu machen – und planen eine Postkarten-Aktion.

Würmtal– Der 23-jährige Dzmitry Paliyenka saß über zwei Jahre wegen „Gewalt oder Gewaltandrohung gegen Mitarbeiterinnen der Strafverfolgungsbehörden“ und „Produktion oder Verbreitung von pornografischem Material“ in Weißrussland im Gefängnis. Tatsächlich waren die Anklagen konstruiert, „Paliyenka hat nur Demonstrationen organisiert, etwa friedlich gegen Einschränkungen für Radfahrer demonstriert, und wurde dabei im Februar 2016 verhaftet“, erzählt Ursula Kreis-Schaffert, Sprecherin der Würmtaler Gruppe von Amnesty International.

Immer wieder gab es Berichte, dass Paliyenka unverhältnismäßig behandelt wurde. Er verbrachte jeden Monat zehn Tage in Einzelhaft. Die Würmtaler Amnesty-Gruppe hat daher Briefe an den Gefangenen geschrieben – und Antwort von Paliyenka bekommen. „Er hat sich für unsere Unterstützung bedankt und geschrieben, dass unsere Freiheit auch seine sei“, erzählt Kreis-Schaffert. „Für uns ein Beleg, dass unsere Briefe auch wirklich etwas bringen.“ Im Oktober wurde Dzmitry Paliyenka aus dem Gefängnis entlassen,

Einmal im Monat trifft sich die Würmtaler Gruppe im Gemeindehaus der Planegger Waldkirche, berät, um welche Fälle sie sich kümmert, und plant Info-Stände. Ein Mitglied der Gruppe formuliert einen Brief an den oder die Betreffenden aus, die anderen übernehmen diesen und schicken ihn mit ihrer eigenen Adresse und Namen los. „Denn wir glauben, dass viele Briefe mehr bringen als einer, zum Beispiel, wenn wir an Behörden schreiben“, sagt Kreis-Schaffert. Neben dem Fall von Paliyenka beschäftigt sich die Gruppe auch mit der Todesstrafe, die es in Weißrussland als einzigem europäischen Land noch gibt, und der beinahe jedes Jahr Gefangene zum Opfer fallen.

Bereits seit drei Jahren sitzt Emir-Usein Kuku auf der Krim in Untersuchungshaft, ohne dass er einen Prozess bekommt. Kuku schloss sich 2014 der Menschenrechtsorganisation „Crimean Human Rights Contact Group“ an und dokumentierte die Menschenrechtsverletzungen, die im Zuge der russischen Besetzung der Krim geschahen. 2016 wurde er wegen des unbegründeten Vorwurfs, angeblich Teil einer extremistischen Gruppe zu sein, verhaftet. „Auch hier schreiben wir Briefe, um Kuku zu unterstützen“, sagt Kreis-Schaffert. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm 25 Jahre Haft.

Die Würmtal-Gruppe kümmert sich derzeit außerdem um Fälle im Nahostkonflikt. Neben den Briefen bereiten die Ehrenamtlichen regelmäßig Stände vor, zum Beispiel auf dem Gräfelfinger und Gautinger Weihnachtsmarkt, dem Kraillinger Kult-Art-Festival sowie als nächsten Termin auf dem Kraillinger Frühlingsmarkt am Sonntag, 12. Mai. „Wir verkaufen dort selbst gemachte Marmeladen, Foto-Postkarten und veranstalten einen Bücher-Flohmarkt“, erzählt Kreis-Schaffert. Mit dem Erlös und Spenden der Bürger werden die Aktivitäten der Würmtaler und des gesamten Vereins finanziert. „Denn wir brauchen über die Fälle fundierte Informationen, weswegen Amnesty einiges in die Recherche investiert.“ An den Ständen informieren die Ehrenamtlichen über die aktuellen Fälle und starten Postkarten-Aktionen, etwa für Emir-Usein Kuku, in deren Rahmen Bürger Postkarten schreiben sollen. Alle zwei bis drei Jahre gibt es große Veranstaltungen, zuletzt das „Konzert für Menschenrechte“ im Planegger Kupferhaus im Oktober 2017.

Rund zehn bis 15 Aktive bilden den harten Kern der Würmtaler Gruppe. Jugendliche und Studenten sind derzeit keine dabei, dafür viele Berufstätige, die sich in ihrer Freizeit engagieren, und Rentner. Etwa ein Drittel sind Männer. „Wir können auch immer Leute gut gebrauchen, die für einige Stunden Dienst an einem unserer Stände übernehmen. Andere entwerfen vielleicht lieber einen Appellbrief“, sagt Ursula Kreis-Schaffert. „Jeder Interessent ist zu unseren Treffen herzlich willkommen, am besten mit Anmeldung an info@amnesty-wuermtal.de“, so Kreis-Schaffert. „Wir freuen uns natürlich auch über alle, die sich erst einmal die Gruppe anschauen und nicht gleich mit richtigen Arbeiten loslegen möchten.“

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