Katholischer Gottesdienst im Livestream aus der Hauskapelle auf YouTube: Pfarrer Markus Zurl (Foto) und Kaplan Gregor Schweizer von St. Stefan waren mit ihrem digitalen Angebot an die Gläubigen Vorreiter. Die Einschaltquote bestätigt sie. screenshot: mm

Gottesdienste im Würmtal

Livestream aus der Hauskapelle

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Von Texten auf der Homepage über das im Gotteshaus ausgelegte Bibelwort bis hin zur Predigt im Livestream: Die Kirchen im Würmtal setzen alles daran, trotz der Absage der öffentlichen Gottesdienste den Gläubigen nahe zu sein.

Würmtal „Als die E-Mail vom Ordinariat kam, war unser erster Gedanke, wir müssen etwas mit Livestream machen“, sagt Markus Zurl, Pfarrer des Pfarrverbandes St. Stefan - St. Johannes in Gräfelfing. Kaplan Gregor Schweizer erwies sich als technikaffin. Er organisierte einen YouTube-Kanal, gleichzeitig änderten Schweizer und Zurl ihren Whatsapp-Status und informierten über ihr Projekt. Am Sonntag feierten sie in der Hauskapelle im Pfarrheim St. Stefan, wo es WLAN gibt, die Messe, gefilmt von der Kamera ihres Computers. Später konnten sie sehen, dass 189 Rechner zugeschaltet waren, manche auch im Ausland. „Vermutlich weil wir mit die Ersten waren“, sagt Zurl. Inzwischen haben Pfarrer und Kaplan eine externe Webcam angeschafft. Zweimal täglich übertragen sie aus der Kapelle, auf der Homepage der Pfarrei gibt es einen Liturgieplan, versehen mit YouTube-Link.

Noch keine Lösung für die Beichte

„Es ist eindeutig das Notfallprogramm. Gerade die, die es zurzeit am meisten trifft, die Älteren, die einsam zu Hause sind, haben oft kein Internet“, sagt Zurl. Zudem glaubten Katholiken sehr stark die Realpräsenz, die Gegenwart Jesu, seinen Leib und sein Blut in Brot und Wein bei der Eucharistiefeier. „Wenn man sich im Wohnzimmer die Messe anschaut, ist die Realpräsenz weit weg.“ Trotzdem sei er momentan froh über die neuen Kommunikationsformen. Zurl: „Was hätten wir vor 20 Jahren gemacht?“ Nur für die Beichte hat er noch keine Lösung gefunden. Telefonseelsorge sei schon bisher erlaubt gewesen, nicht aber die Beichte am Telefon. Zurl überlegt, am Samstagvormittag bei gutem Wetter zwei Stühle mit gebührendem Abstand voneinander auf der Pfarrwiese aufzustellen.

„Es ist sehr seltsam, wie ein großes Loch in meinem Herzen“, sagt Bernd Reichert, Pfarrer der Michaelskirche in Lochham. Bisher nehme man Abstand von einem Videostream, wegen der mäßigen Qualität und „es ist nicht schön, wenn nicht mitgesungen wird“. Wie alle Kirchen ist auch seine weiterhin tagsüber geöffnet. Reichert überlegt, jeden Sonntag ein Bibelwort für die Woche zu schreiben und auszulegen, damit es sich abholen kann, wer möchte.

„Wir müssen umdenken, ohne Versammlung, ohne Gesellschaft auskommen“, so Reichert. „Kirchentum hält viel bereit für die stille Einkehr.“ Gespräche und Trost biete er weiter an. „Ich bin voll im Dienst. Rufen Sie mich einfach an.“

Kirchengemeinden arbeiten an gemeinsamen Konzept

Auch Bernhard Liess, Pfarrer der Waldkirche in Planegg, sagt: „Wir können nicht besuchen, können keine Sozialkontakte haben. Die Menschen müssen uns anrufen.“ Er sei dabei, mit Pfarrer Johannes von Bonhorst von der Kirche St. Elisabeth in Planegg und Pater Matthäus Klein vom Augustinerkonvent Maria Eich ein gemeinsames Konzept zu überlegen. Konfessionsübergreifend solle der dem Coronavirus geschuldeten Situation begegnet werden. Begeistert habe ihn die Idee, wie sie schon im Januar in China und nun auch in Italien praktiziert wird, gemeinsam zu singen. „Um 12 Uhr läuten bei uns die Glocken. Um diese Zeit können wir gemeinsam, jeder für sich, einen Impuls lesen.“ Die Texte sollen vorab auf den Homepages der Kirchen veröffentlicht werden.

Der Augustinerorden, zu dem auch die Pater von Maria Eich gehören, hat für heute einen weltweiten Gebetstag initiiert. Der Ablauf sowie Psalm, Lesung und Gebete sind unter maria-eich.de abrufbar. Ziel ist, so Pater Matthäus Klein, Prior des Augustinerklosters und Wallfahrtskurat von Maria Eich, „dass wir im Gebet ein Stück verbunden sind“. Die Gläubigen seien außerdem eingeladen zur geistlichen Mitfeier, sowohl der Konventsmesse als auch der Stundengebete. „Es ist eine schwere Zeit, auch für mich sehr deprimierend, aber wir müssen herzlich und vernünftig handeln.“

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