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Wahlbeteiligung über 80 %: Die Würmtaler strömten in großer Zahl zu den Urnen, hier Peter Tschochner aus Krailling und Wahlhelferin Bettina Siebler.  

Differenziert und pointiert zugleich: Würmtaler Politiker zur Landtagswahl

„Die Leute hatten das Theater satt“

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Grüner Höhenflug, Fiasko für die SPD, herber Denkzettel für die CSU: Über die turbulente Landtagswahl äußern sich Parteien-Vertreter im Würmtal am Tag danach differenziert und pointiert gleichermaßen.

Würmtal– „Ich dachte an einen Auszählungsfehler, als ich den Monitor sah“, sagt Frank Sommer, Grünen-Gemeinderat aus Gräfelfing. Das Ergebnis seiner Partei, die in Gräfelfing sogar 30,3 % erreichte, zeige, dass die Grünen jemand seien, „den man wählen kann“, dem man mehr zutraue als noch vor wenigen Jahren. Gleichwohl sei das Ergebnis im Licht der Gesamtsituation zu betrachten: einer „tief sitzenden Unzufriedenheit“ mit dem Agieren der CSU auf Landes- und Bundesebene. Beim Umgang mit der Kanzlerin, mit Flüchtlingspolitik oder Ausländermaut sei das Vertrauen in eine verlässliche Politik verspielt worden. Sommer: „Viele Leute haben jetzt gesagt: Wir haben das Theater satt.“ Die CSU sei gut beraten, dieses Signal ernst zu nehmen. Besonders erfreulich an diesem Wahltag sei die Feststellung, dass die Wähler „interessiert, differenziert und gezielt“ abgestimmt hätten, und das in hoher Zahl.

Sommers Ratskollege Peter Köstler (CSU) gibt zu, die Grünen hätten ihn „doch ein wenig überrascht“. Viele Wähler hätten sie als einzig verbliebene Alternative gesehen. Grundsätzlich sei es jedoch seit Jahren abzulesen, dass die Zeiten des „50 plus X“ vorbei seien, weil die Zahl politischer Optionen zugenommen habe.

Seiner Partei riet Köstler, ernste Sondierungsgespräche auch mit den Grünen zu führen, selbst wenn sich am Ende zeigen könnte, dass es „noch ein paar Jahre zu früh ist für Schwarz-Grün“ und man sich für die Freien Wähler als Koalitionspartner entscheiden werde. Auch wenn die Grünen eher mit allgemeinen Themen als mit konkreter Landespolitik gepunktet hätten, seien sie unbestritten gerade für junge, gebildete Leute aus dem städtischen Milieu eine attraktive Wahl gewesen. Belehrungen aus anderen Bundesländern, etwa vom schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) an die Adresse der CSU seien im Übrigen „mit Blick auf das Gesamtergebnis nicht angemessen“, so Köstler.

Felix Kempf, SPD-Chef von Planegg, spricht von einem „noch ein bisschen schlechteren Ergebnis als befürchtet“ für seine Partei. Die Wahl sei stark durch die Bundespolitik beeinflusst gewesen, die der „Kern des Problems“ sei. Kempf: „Die GroKo zwingt die SPD zu Kompromissen“, die die Grünen nicht belasten würden. Zudem habe man sich „nicht besonders gut verkauft“ und keine klare Linie erkennen lassen.

Die Große Koalition nun Knall auf Fall zu verlassen, sei zwar nicht ratsam. Doch müsse man dazu bereit sein, „beim nächsten echten Anlass“ wie der Causa Maaßen. Jetzt müsse die SPD jedenfalls einen „inhaltlichen Erneuerungsprozess“ starten, gerne auch mit Natascha Kohnen, an der es nicht gelegen habe. Die SPD werde sich wohl nicht so schnell erholen können. Auch, weil sie ein ähnliches Problem wie die CSU habe – „den Verlust der großen Stammwählermilieus in einem breiteren Parteien-Spektrum als früher“.

„Auch wenn es knapp war: drin ist drin“, sagt Sebastian Sefzig, FDP-Gemeinderat in Krailling. Auch aus der Opposition heraus könne seine Partei ihre Themen setzen und sei nun jedenfalls wieder sichtbarer als die letzten fünf Jahre, als sie nicht im Landtag vertreten war.

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