Bluttat vor Neuraum: Polizei fasst weitere Täter

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Würmtaler Polizeibeamte zu den Ausschreitungen in Hamburg

„In München wäre das so nicht passiert“

Brennende Autos, fliegende Steine, verwüstete Stadtviertel: Wäre der G20-Gipfel in München anders verlaufen als in Hamburg? Ja, meint die Polizei im Würmtal.

Würmtal – Der G20-Gipfel ist vorbei. Im Nachgang beschäftigt die ausufernde Gewalt auf Hamburgs Straßen auch die Dienststellenleiter der Polizei im Würmtal. „Das war wie ein Bürgerkrieg. Das war von Mord nicht mehr weit weg“, sagt Gautings Inspektionsleiter Ernst Wiedemann immer noch entsetzt über die Ausschreitungen. Er selbst war an der Organisation des G7-Gipfels in Elmau vor zwei Jahren beteiligt. Dass die Polizei jetzt mit Pflastersteinen, Gehwegplatten und Molotowcocktails beworfen wurde, findet er untragbar. „Unter den Polizeibeamten sind auch Familienväter.“

Auch sein Planegger Kollege Siegfried Janscha, der in der Vergangenheit unter anderem Erfahrungen bei den Münchner Sicherheitskonferenzen sammeln konnte, sagt: „Ich muss mich wundern, dass da nicht Schlimmeres passiert ist“, dass keine Polizisten im Einsatz gestorben seien. „Es ist eine Frechheit, was die sich da rausnehmen“, sagt er in Richtung der gewaltbereiten Menschen, die in Hamburg wüteten. „Was ich schlimm finde ist, dass die Polizei Schuld daran sein soll, wie es gelaufen ist“, sagt Wiedemann. „Zu behaupten, dass die Polizei das provoziert hat, ist eine Unverschämtheit“, meint auch Janscha. Vermummte hätten Pyrotechnik und Brandsätze mit sich geführt. „Das haben die nicht zufällig dabei gehabt“, macht Janscha deutlich. Und auch Wiedemann sagt: „Schuld hat nicht die Politik oder die Polizei, sondern der linke Mob.“

Ob es in Hamburg hätte anders laufen können, möchten beide aus der Distanz nicht beurteilen. Aber sie sind der Meinung, dass es in München anders gekommen wäre. Zum einen wirke die Stärke der bayerischen Polizei deeskalierend, meint Wiedemann. Janscha ergänzt, in Bayern sei das linke Spektrum nicht so vertreten, wie im norddeutschen Raum. „Da ist vielleicht in der Vergangenheit schon etwas versäumt worden“, meint er. „Ob G20 bei uns auch so abgelaufen wäre wie G7, weiß ich nicht.“ Aber er könne sich nicht vorstellen, dass G20 so abgelaufen wäre wie in Hamburg.

Zum G7-Gipfel vor zwei Jahren in Elmau seien Camps für Demonstranten beispielsweise strikt untersagt gewesen. „Das hat auch Hamburg verbieten wollen, aber die Gerichte haben es erlaubt.“ Wiedemann zieht einen weiteren Vergleich zu G7: „Die Anreise nach Elmau war für Demonstranten viel schwerer.“

Dennoch halten beide nichts davon, Gipfeltreffen grundsätzlich aus Städten zu verbannen. „Deswegen den Gipfel auf eine einsame Insel zu verlegen, wäre klar am einfachsten, aber damit hätten die gewonnen“, findet Janscha. „Wenn wir uns soweit nötigen lassen, dass wir sowas nicht mehr veranstalten können, ist es sehr weit gekommen.“

Und Ernst Wiedemann meint, es könne nicht sein, dass Politiker sich verstecken müssten. „Man darf vor dem Mob nicht zurückschrecken.“ Der Beamte rechnet damit, dass die Polizei im Zusammenhang mit den Ausschreitungen noch einige Täter überführen wird. Dafür war am Montag eine Sonderkommission gebildet worden.

Victoria Strachwitz

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