+
Ina Schmid von Schmid Alarm in Stockdorf zeigt an der Demo-Wand Sicherungsanlagen, vom Schloss mit Zahlencode bis zur Überwachungskamera. Die Nachfrage hat in den letzten Jahren spürbar zugenommen.

Mehr Sicherung und Versicherung

Würmtaler reagieren auf Einbruchserien

  • schließen

Würmtal - Die Würmtaler reagieren auf die zunehmende Zahl an Einbrüchen. Versicherungen und Alarm-Firmen bemerken verstärkte Nachfragen. Die Planegger Polizei bittet Nachbarn um Mithilfe.

„Es gibt mehr Anrufe und Fragen an uns, das heißt aber nicht, dass der Umsatz in der gleichen Weise steigt“, sagt Tobias Schmid, einer der Geschäftsführer des Stockdorfer Unternehmens Schmid Alarm. „Der Gesprächsbedarf der Leute ist sehr hoch, wenn etwa beim Nachbarn eingebrochen wurde – wenn der erste Schock vorbei ist, sinkt die Bereitschaft zu Investitionen aber wieder“, sagt Schmid aus Erfahrung. „Bei Unternehmen sehe ich überhaupt keine direkte Abhängigkeit zwischen der Anzahl der Einbrüche und den Investitionen dagegen.“

Dabei koste manch sinnvoller Schutz vor Einbrechern nur wenig, sagt Schmid: Viele nutzten es zum Beispiel aus, wenn der Zylinder am Schloss nicht genau mit der Schließfläche abschließt. Das zu ändern, sei „mit wenig finanziellem Aufwand verbunden“. Präventionsmaßnahmen wie jene, während einer Urlaubsreise den Briefkasten durch die Nachbarn regelmäßig leeren zu lassen, kosteten gar nichts. „Und die häufigsten Fehler sind sowieso unspektakulär – etwa weil das Fenster gekippt gelassen wird“, sagt Schmid.

Das Unternehmen ist eine der Firmen, die von der Polizei auf einer Liste mit seriösen Ansprechpartnern geführt werden. Die Stockdorfer haben unter anderem Anlagen im Angebot, die bei einer Firma aufgeschaltet sind, die im Alarm-Fall die Gründe prüft. „Wir empfehlen zudem immer, bei Neubauten bereits während dem Bau an Sicherheitsvorkehrungen zu denken“, sagt Schmid. „Das ist viel günstiger, als später nachzurüsten, wird aber sehr oft vernachlässigt.“

Die Versicherungen zahlen bei Einbrüchen nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. „Es müssen sichtbare Einbruchsspuren vorhanden sein, kein Fenster darf gekippt oder offen sein, und der Wert der Sachen muss nachgewiesen werden“, sagt Helga Amann, Geschäftsführerin des Kraillinger „Amann Versicherungsservice“. Amann, die bereits „einige Einbrüche im Kundenkreis“ hatte, empfiehlt deshalb immer eine genaue Dokumentation: „Etwa bei Schmuck hat man bei Erbstücken oder Geschenken ja meist keine Rechnung, man sollte daher alles immer genau photographieren, um so den Besitz nachweisen zu können.“

Ein Problem könnte auch schon eine „leicht zu öffnende Katzenklappe“ sein, sagt Amann und empfiehlt Klappen, bei denen die Katze nur mit einem Chip reinkommt. „Der Kunde ist aber oft nicht bereit, für einen guten Einbruchsschutz Geld in die Hand zu nehmen“, sagt Horst-Heinrich Schäfer, der eine Allianz-Vertretung in Gräfelfing hat. „Ab 70 000 Euro ist aber etwa ein Tresor Pflicht.“ Die Versicherungen prüften immer, ob der Kunde „nicht etwa grob fahrlässig gehandelt habe“, sagt Schäfer. Dass Bewusstsein dazu müsse man bei manchen Würmtalern noch schärfen.

Die Planegger Polizei fährt zur Zeit verstärkt Streife in den betroffenen Einbruchs-Gebieten im Würmtal: „Es ist aber sehr schwierig, im Vorfeld eines Einbruchs den Tätern die Absicht nachzuweisen“, sagt Planeggs Inspektionsleiter Siegfried Janscha. „Auf frischer Tat jemanden zu erwischen, ist wie ein 6er im Lotto, passiert aber fast nie.“ Kürzlich kontrollierte eine Streife ein Auto mit mehreren Menschen osteuropäischer Herkunft, die teils schon „einiges auf dem Kerbholz hatten“, erzählt Janscha. „So was ist dann schon ein ziemlich eindeutiger Hinweis, aber halt kein Beweis.“

Vor allem in Gräfelfing und Planegg gab es in letzter Zeit eine Reihe von Einbrüchen, erinnert sich Janscha. Dazu kamen einige in Krailling und Neuried. Vor allem in Einfamilien- und Reihenhäusern nutzen Diebe den frühen Einbruch der Dunkelheit aus. „Im Sommer ist ein Einbruch für die Täter wesentlich uninteressanter als jetzt gerade“, sagt Janscha. Die Polizei bittet daher alle Bürger, auf die Häuser ihrer Nachbarn zu achten: „Bei vielen Einbrüchen hat vorher tagsüber schon wenigstens ein Täter das Haus und die Gegend ausgekundschaftet“, erklärt er. Wenn Nachbarn eine entsprechende Person auffalle, sollte dies sofort der Polizei gemeldet werden.

„Grundsätzlich ist der mechanische Schutz etwa bei Fenstern und Türen noch sinnvoller als ein Alarm“, sagt Janscha. Ein optisches oder akustisches Warnsignal könne zwar Einbrecher verschrecken. „Es besteht aber immer die Gefahr des Fehlalarms, der im Würmtal immer wieder ausgelöst wird.“ Rückt die Polizei wegen eines Fehlalarms aus, zum Beispiel weil die Anlage nicht richtig funktioniert, ist der Einsatz für die jeweiligen Besitzer inzwischen kostenpflichtig

Manches deutet darauf hin, dass viele Einbrüche von Serientätern begangen werden. „Wenn es in der gleichen Nacht zwei oder drei gibt, ist das schon recht wahrscheinlich“, sagt Janscha. Möglicherweise sind die gleichen Täter auch einige Tage im Würmtal unterwegs, dann einige Tage in einer anderen Region und dann wieder im Würmtal. „Unsere erhöhte Präsenz kann helfen, die Zahl der Einbrüche zu senken, zu hundert Prozent lassen sie sich aber nie verhindern“, sagt Janscha. „Bei den vielen hunderten Häusern bräuchten wir sonst im Würmtal Hundertschaften an Beamten.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Die Generation der Erkenntnis
Zum 20. Mal erinnert der Verein „Gedenken im Würmtal“ heuer an die Todesmärsche von Dachau. Beim Festakt betonten die Redner die zunehmende Bedeutung der Jugend als …
Die Generation der Erkenntnis
Schul-Erneuerung von Ortsmittenplanung entkoppelt
Ein Teil der Neurieder Grundschule, die „alte Schule“, wurde unlängst als Abbruchgebäude eingestuft und darf nur noch bis einschließlich Dezember 2019 genutzt werden. …
Schul-Erneuerung von Ortsmittenplanung entkoppelt
Sicherheit teuer erkauft
8,2 Millionen Euro investiert der Landkreis München heuer in die Sicherheit von Flüchtlingsunterkünften. Mit der „Kümmererpauschale“ des Bezirks allein wären bisherige …
Sicherheit teuer erkauft
Würmtal-Becher schont die Umwelt
Die Würmtal-Gemeinden starten ein gemeinsames Umwelt-Projekt: Ab Donnerstag gibt es Kaffee zum Mitnehmen in einem Mehrweg-Gefäß - dem „Würmtal-Becher“.
Würmtal-Becher schont die Umwelt

Kommentare