Würmtaler Schulleiter suchen im Konfliktfall das GEspräch

„Eltern sind offen für Argumente“

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Lehrerverbände verstärken ihre juristischen Abteilungen, um die Lehrer vor Klagen zu schützen. Auch im Würmtal drohen Eltern mit dem Anwalt. Zu einer Klage kam es noch nicht.

Würmtal – Eltern wollen das Beste für ihr Kind, sie glauben fest an sie und wenn sie meinen, dass ihnen Unrecht geschieht, dann werden sie zu Löwen. Lehrer können ein Lied davon singen. Damit die Verteidigung der Kinder durch die Eltern nicht eskaliert, haben sich die Schulen im Würmtal einiges einfallen lassen. Sie verfassen Leitziele und verpflichten die Eltern, diese mitzutragen. Oder sie schließen Verträge ab, die Lehrer, Schüler und Eltern zu Beginn der Schulzeit unterschreiben, um Konflikte zu vermeiden.

Das Wichtigste aber ist Kommunikation. Immer wieder kommt es dazu, dass Eltern den Schulleitern drohen, einen Rechtsanwalt einzuschalten. „Glücklicherweise geht bei uns noch keiner vor Gericht“, sagt der Schulleiter des Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasiums, Hendrik Rehn. Unter den Eltern seiner Schüler seien zahlreiche Rechtsanwälte. „Die schreiben schon mal mit dem Briefkopf“, erzählt er. Aber in der Regel könne man Konflikte durch Gespräche ausräumen.

Ärger mit Eltern gebe es beispielsweise, wenn die Lehrer das Gefühl hätten, ein Kind sei nicht so krank, dass es vorzeitig nach Hause gehen müsse. „Wir sagen schon manchmal nein“, berichtet er. „In aller Regel kommt dann die Nachfrage.“ Auch gebe es Eltern, die einen Verweis der Kinder nicht unterschreiben wollten. „Die Eltern gehen in die Diskussion, wenn sie das Gefühl haben, ihr Kind wird nicht richtig behandelt.“ Rehn begrüßt es, wenn das Gespräch gesucht wird.

In der Gräfelfinger Grundschule wird die Hausordnung von allen Erstklasseltern, -schülern und den Lehrern unterschrieben. In ihrer zehnjährigen Zeit als Schulleiterin ist Angelika Nerz-Lidl dreimal mit einer Klage gedroht worden. Eltern erzählten nebenbei, dass sie einen guten Anwalt hätten. „Es wird halt in den Raum gestellt.“ Aber Nerz-Lidl ist entspannt. „Ich sehe das nicht so tragisch“, meint sie. „Das ist ein erster Impuls.“ Bislang habe sie alle aufgebrachten Eltern beruhigen können. „Eltern sind offen für Argumente“, sagt sie.

Und auch die Kinder, sind für Argumente zu haben. Kraillings Schulleiterin Alexandra Helfrich berichtet, die Regeln an ihrer Schule werden gemeinsam mit den Kindern erarbeitet. Regelmäßig werde eine Regel bei den Schulversammlungen in den Fokus gestellt.

Auch an der Staatlichen Realschule Gauting würden Konflikte über Gespräche geklärt, so Schulleiter Manfred Jahreis. An der Grundschule Martinsried fragten oftmals nicht nur die Schüler, sondern auch die Eltern nach, wie das ein oder andere im Schulvertrag gemeint sei. Schulleiterin Margit Baran-Lander begrüßt dies. Auf diese Weise könne man Fragen klären oder Regeln überdenken. „Wir sind sehr viel mit den Eltern in Kommunikation und sehen uns als Partner.“ 

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