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Der Fidget-Spinner ist heiß begehrt. Spielwarenhändler fahren hunderte Kilometer, um ihn für ihre Kunden zu besorgen

Großer Andrang in Würmtaler Spielzeugläden

Wirbel um den „Fidget Spinner“

Sie wirbeln auf dem Schulhof, in der U-Bahn und sogar in Büros herum: Der „Fidget Spinner“ ist besonders unter Jugendlichen sehr begehrt. In den Würmtaler Spielwarenläden ist er bereits Mangelware.

Würmtal – Die Kriminalpolizei Ludwigsburg staunte nicht schlecht, als sie kürzlich einen geplünderten LKW in Augenschein nahm. Vom gesamten Transportgut hatten Diebe nichts als einige leere Kartons übrig gelassen. Dabei hatte der LKW ausschließlich Kinderspielzeug geladen. Allerdings nicht irgendein Spielzeug, sondern den heiß begehrten Fidget Spinner, der auch für Würmtaler Spielzeughändler derzeit nur schwer zu beschaffen ist.

Der LKW hatte unter anderem auch die Bestellung für den Spielwarenladen Kappler in Krailling geladen. Die Betreiber konnten die Fidget Spinner deshalb zehn Tage lang nicht anbieten. „Als die Ware wieder erhältlich war, standen die Leute Schlange“, erzählt Waltraud Kappler, die den Laden in der Pentenrieder Straße gemeinsam mit ihrem Mann führt.

Der Trend um das neue Spielzeug ist für die Spielwarenläden stressig. Häufig gibt es Engpässe und Probleme mit den Zulieferern. Auch Wolfgang Schmid von Lutter Spielwaren in Gauting verkauft täglich rund 50 Stück. Nachschub bekommt er nur dank guter Beziehungen. Für die Ware musste er jedoch 400 Kilometer weit fahren. Selbst dem kleinen Laden „Moppelfritz“ in Gauting werden die Türen eingerannt. „Primär kaufen Kinder und Jugendliche zwischen acht und achtzehn Jahren einen Fidget Spinner. Aber auch die Erwachsenen sind begeistert“, meint die Besitzerin Irma Fahle. Im Büro kommt der Finger Spinner ebenfalls zum Einsatz. Deshalb bekommt er vom englischsprachigen Wirtschaftsmagazin „Forbes“ den Titel „Must-have Büro-Spielzeug 2017“.

Trotzdem haben viele Leute noch nie von dem Fidget Toy gehört. Der Begriff „fidget“ bedeutet so viel wie Zappelphilipp, „to spin“ kann mit „wirbeln“ oder „kreiseln“ übersetzt werden. Das Spielzeug hat ein Kugellager in der Mitte und besitzt zwei oder drei Flügel. Das Design fällt sehr unterschiedlich aus. Es gibt sie in bunten Farben, mit LED-Beleuchtung und vielen weiteren Extras. Ein einfaches Modell kostet ungefähr fünfzehn Euro, nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

Der Fidget Spinner muss mit zwei Fingern gehalten und in Rotation versetzt werden. Wenn man den „Dreh“ raus hat, kann man versuchen, ihn zu werfen und wieder aufzufangen, in die Balance zu bringen oder besonders lange Drehzeiten zu erzielen. Einmal in Bewegung versetzt, kann sich das Spielzeug bis zu vier Minuten lang drehen.

Doch was ist der genaue Sinngehalt dahinter? Die Hersteller werben damit, dass die Nervosität der Kinder abnimmt und sie sich besser konzentrieren können. Es soll sogar einen therapeutischen Nutzen bei Erkrankungen wie dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom oder Autismus haben. Ob das wirklich stimmt, wurde noch nicht wissenschaftlich erforscht. Ein Vorteil ist jedoch, dass viele Leute statt Fingernägel zu kauen oder auf der Tischplatte zu trommeln, lieber mit einem Fidget Spinner spielen.

Andreas Trenkle vom Buch- und Spielwarenladen Phantásia in der Planegger Bahnhofstraße bezeichnet den Fidget Spinner als ein „interessantes Spielzeug, das die Motorik fördert“. Er ist der Meinung, dass der Wirbel darum bald nachlassen, aber nicht gänzlich verschwinden wird. Sinnvolle Spielzeuge behalten auch nach einer Trendwelle ihren Stellenwert und geraten nicht sofort in Vergessenheit. Nach Jo-Jo und Fingerskateboard ist nun also der Fidget Spinner ein Bestseller.

Sabrina Graf

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