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Die Kohlmeise ist aktuell der zweithäufigste Vogel im Würmtal – nach der Amsel.

Aktuelle LBV-Zählung in den Gärten

Weniger Wintervögel im Würmtal

Die Zahl der Wintervögel ist stark gesunken – auch im Würmtal. Das hat der Landesbund für Vogelschutz jetzt ermittelt. Am häufigsten zu sehen sind Amseln und Kohlmeisen.

Würmtal – Die „Stunde der Wintervögel“ erfreut sich großer Beliebtheit. Zahlreiche Naturfreunde folgen jedes Jahr dem Ruf des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) und halten in den heimischen Gärten, Parks oder auf dem Balkon Ausschau nach verschiedenen Vogelarten. Die diesjährige Zählung hat ergeben, dass der Bestand deutlich zurückgegangen ist.

Im Landkreis Starnberg hatten sich heuer 522 Teilnehmer auf die Suche gemacht – und damit 37 mehr als im letzten Jahr. Laut LBV zählten sie 10 161 Vögel. Im Jahr zuvor waren es noch 12 333, was einen Rückgang von 17,6 Prozent ausmacht. Mit insgesamt 1614 Nennungen und einem Zuwachs von 29 Prozent war die Amsel heuer Spitzenreiter. Vergangenes Jahr verteidigte diesen Titel die Kohlmeise, die heuer mit 1198 Meldungen auf Platz zwei landete. Ihr Rückgang beläuft sich auf 35 Prozent. Der Feldsperling kletterte heuer zwar vom vierten auf den dritten Platz, wurde aber seltener beobachtet als im Vorjahr (2017: 1037; 2016: 1053 mal).

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Landkreis München, auch wenn hier die Zahlen insgesamt höher sind. So zählten die 880 Freiwilligen 16 575 Vögel, was einem Rückgang von 24,4 Prozent entspricht. Waren vergangenes Jahr pro Garten noch durchschnittlich 31 Tiere zu sehen, waren es heuer nur noch 25. Auch im Landkreis München liegt die Amsel mit 3057 Nennungen und einem Zuwachs von 16,4 Prozent auf Platz eins. Die Kohlmeise stieg auf Platz zwei ab (2166/-34,5 Prozent), der Feldsperling belegt Platz drei (1962/-16,3 Prozent).

„Dieser Trend ist in ganz Bayern zu erkennen“, sagt Horst Guckelsberger, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Starnberg. Auch jetzt noch seien deutlich weniger Vögel an den Futterstellen zu sehen. Grund zur Beunruhigung sieht der Fachmann nicht. „Man darf diese einmalige Sache nicht überbewerten“, so Guckelsberger. Die Aktion sei in erster Linie darauf angelegt, nach einem bestimmten Zeitraum Bilanz zu ziehen. Bedenklich werde es erst, wenn der diesjährige Negativtrend weiter anhalte.

Der Kraillinger Naturschützerin und FBK-Gemeinderätin Dietlind Freyer-Zacherl hingegen bereitet diese Entwicklung schon seit Jahren große Sorge. Sie sieht die Ursache in erster Linie beim Menschen. „Wir müssen besser auf unsere Umwelt achten, sonst gibt es irgendwann überhaupt keine Vögel mehr“, so Freyer-Zacherl. Schon jetzt gebe es im Würmtal keine blühenden Wiesen mehr, auf denen sich Insekten halten könnten. Und auch die Kraillinger Sanatoriumswiese werde mittlerweile komplett gemäht. Bärenklau und Brennessel würden ebenfalls vernichtet, und die Maisfelder hätten für Insekten und die Vogelwelt keinen Nutzen.

Und auch die Gärten tragen laut Dietlind Freyer-Zacherl immer mehr zum Negativtrend bei. Sie würden nicht nur kleiner, sondern oft auch mit pflegeleichtem Rasen und Thujenhecken ausgestattet. Naturhecken und Obstbäume hingegen gebe es kaum noch, obwohl gerade sie Lebensraum für diverse Vogelarten schaffen würden. Selbst ein kleiner Laubhaufen, der den Winter über liegen bleibt, könne den Amseln beim Überwintern helfen. „Wir bauen zwar ohne Ende, schaffen aber keine Ausgleichsflächen“, so Freyer-Zacherl.

Und tatsächlich sind die Zahlen vor allem in den Großstädten besonders niedrig. Laut LBV ist München, mit durchschnittlich 20 Vögeln pro Garten, sogar die vogelfeindlichste Stadt Deutschlands. Vor allem der Bauboom und die ungebremste Nachverdichtung würden ihren Tribut fordern.

Karin Priehler

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