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Zeitumstellung in der Uhrenmanufaktur Sattler: Zweimal jährlich müssen Mitarbeiter wie hier Heiko Kassebaum sämtliche Ausstellungsuhren händisch neu einstellen.

Zeitumstellung

Noch wird an der Uhr gedreht

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Halbjährlich wird die Uhr umgestellt. Für Mensch und Tier bedeutet das, sich immer wieder umzugewöhnen. Viele Menschen empfinden die Zeitumstellung deshalb als Kraftakt. Jetzt könnte damit Schluss sein.

Würmtal– Es könnte der Anfang vom Ende der Sommerzeit sein. Das EU-Parlament hat jetzt die EU-Kommission beauftragt, die Vor- und Nachteile der Zeitumstellung zu prüfen. Viele Menschen quälen sich in ganz Europa zweimal jährlich mit der Zeitumstellung. Im Würmtal sind die Meinungen geteilt, ob man die Sommerzeit abschaffen oder beibehalten soll.

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Die Zeitumstellung bringt Hühner total durcheinander.“ Für die sei es schlimmer als für Rinder, sagt Landwirt Rudolf Heidrich aus Frohnloh. Dennoch kümmert ihn das Begehren der EU-Parlamentarier nicht. Vielleicht ist er seiner Zeit ein Stück voraus, denn er sagt: „Wir machen da nicht mit. Wir stellen bei den Hühnern die Zeit nicht um.“ Hühner bräuchten rund 15 Stunden Licht am Tag, um Eier zu legen. Und dieses Licht bekämen seine Tiere jahrein jahraus. Hühner reagierten so stark auf Licht, „dass sie früher im Winter eine natürliche Legepause gemacht haben, weil im Stall kein Licht war“. Also gibt es für den Landwirt und seine Hühner schon jetzt keine Zeitumstellung.

Für die Großuhrenmanufaktur Erwin Sattler in Gräfelfing ist die Zeitumstellung hingegen jedes Mal mit Aufwand verbunden, und so wird ihre Abschaffung dort schon eher herbeigesehnt. Die größte Präzisionspendeluhr der Welt, die sich am Firmengebäude im Gräfelfinger Gewerbegebiet befindet, sei nicht das Problem. „Die lassen wir einfach stehen, bis sie wieder stimmt“, sagt Sprecherin Sabine Müller. Aber ein Uhrmacher müsse zweimal jährlich alle Ausstellungsstücke umstellen. Werde die Sommerzeit abgeschafft, „ist es für uns einfacher“ und das nicht nur in der Manufaktur. Nach jeder Umstellung riefen Kunden an. Machen sie nämlich einen Fehler, „dann schlägt ihre Uhr zweimal, obwohl es drei Uhr ist“. Auch das beschäftigt die Uhrmacher. „Es ist angenehmer“, wenn die Zeit nicht mehr umgestellt werde. Auch privat spricht sich Müller für eine Abschaffung der Sommerzeit aus. „Ich brauche immer ein bisschen, bis ich umgestellt bin.“

Der Kraillinger Arzt Dr. Richard Aulehner erklärt: Medizinische Probleme seien nicht mit der Zeitumstellung verbunden. „Die meisten Menschen gewöhnen sich relativ schnell an das Ganze.“ Es gebe einige Menschen, die sensibler seien, „wenn man denen etwas Gutes tun will, dann ist das okay“. Aulehner erinnert an die Ursprünge der Zeitumstellung: „Das war gedacht, um Strom zu sparen. Da wissen wir, dass das nicht funktioniert hat.“ Er persönlich habe jedoch nichts gegen eine Umstellung. „Ich mag es, wenn es länger hell ist.“

Eine weitere Befürworterin der Umstellung ist die Mesnerin von St. Nikolaus in Frohnloh. Sie ist mit der Zeitumstellung sehr zufrieden, ihr mache sie überhaupt nichts aus. „Es ist am Abend länger hell. Mir ist das sympathisch.“ Und das sagt sie, obgleich ihre Kirche ein Geläut hat. Dieses müsse umgestellt werden, aber das sei „überhaupt kein Problem“.  

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