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„Wir haben einen guten Standort“: die Gräfelfinger Buchhändlerin Julia Sauerbrey.  

Welttag des Buches

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Auf die Schönheit des Lesens möchte der Welttag des Buches am 23. April aufmerksam machen. Die Würmtaler Buchhändler bemerken Veränderungen, sind für die Zukunft aber optimistisch. Die Nachfrage nach Jugendliteratur sei jedoch eingebrochen.

Würmtal – Noch 2013 kauften laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels 36 Millionen Deutsche mindestens ein Buch. 2017 waren es nur noch 29,7 Millionen. Die Zahl der verkauften Bücher pro Jahr ging innerhalb von zehn Jahren um 37 auf 367 Millionen zurück. Auch die Würmtaler Buchhändler „spüren unbestreitbar die Veränderungen in unserer Branche“, wie Jutta Pfundstein von der Gräfelfinger Bücherstube Pollner sagt.

Die Umsätze gehen bei einigen zurück, „insgesamt sind wir im Würmtal aber auf einer Insel der Glückseligen, es gibt bei uns viele Vielleser“, so Sonja Hornfeck von der Gautinger Buchhandlung Kirchheim. Die Buchhändler blicken daher optimistisch in die Zukunft, auch wenn sie in den nächsten Jahrzehnten weitere Veränderungen erwarten.

Belletristik, Reise- und Kochbücher gehen im Würmtal am besten. Einen deutlichen Unterschied merken alle bei jungen Lesern. „Wir haben bei Kinderbüchern steigende Umsätze, Jugendbücher ab 14 Jahren sind aber völlig weggebrochen, wir haben die daher fast komplett aussortiert“, erzählt Susanne Trenkle, Geschäftsführerin der Phantasia-Buchhandlung in Planegg. Smartphones und Streaming-Dienste wie Netflix raubten den Jugendlichen die Zeit zum Bücher lesen. Auch Ratgeber „laufen weniger, weil dazu viele im Internet nachschauen“, so Hornfleck. Und weiter: „In der Belletristik geht es von Massentiteln hin zu mehr Klasse.“ In der Gräfelfinger Buchhandlung Wortschatz gehen Karten nach wie vor sehr gut, „obwohl ich eigentlich dachte, die brauchen die Leute wegen den Navis nicht mehr“, so Inhaberin Julia Sauerbrey.

Alle Würmtaler Buchhandlungen verfügen über eigene Homepages, auf denen die Kunden recherchieren und bestellen können. Die Nutzung der Online-Shops steigt, macht aber weiter einen sehr kleinen Anteil am Gesamtumsatz aus. In der Phantasia-Buchhandlung zum Beispiel rund fünf Prozent. Auch die Nachfrage nach E-Books, die auf den Websites erhältlich sind, sei „viel, viel weniger, als wir alle das vor einigen Jahren gedacht haben“, sagt Hornfeck. In der Bücherstube Pollner fragt „so gut wie nie jemand danach“, erzählt Jutta Pfundstein.

In den nächsten Jahren werden der „Non-Book-Bereich“ mit etwa Papeterie und Geschenkartikeln wichtiger, so die gängige Meinung. Veranstaltungen wie Lesungen, um Kunden in die Geschäfte zu holen, werden an Bedeutung gewinnen. Auch die Bestellungen über die Websites werden wohl zunehmen, die gesamten Umsätze schrumpfen.

Die Gräfelfinger Bücherstube Pollner baut im Mai um. „Die bisherige Einrichtung ist 40 Jahre alt. Die Buchhandlung soll für die Zukunft heller, moderner und übersichtlicher werden“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Kohler. Dazu gibt es neue Fenster, Böden, Beleuchtung und neue Regale, die anders als bisher angeordnet werden.

Alle Buchhändler sind überzeugt, dass es auch in 20 Jahren gedruckte Bücher und stationäre Buchhändler geben wird. „Ich beobachte im Moment eine Gegenbewegung, dass viele Leute bewusst bei uns einkaufen und zum Beispiel einen Amazon-Ausdruck zeigen, was sie gerne hätten“, berichtet Sauerbrey. „Es wird wahrscheinlich für einige Buchhandlungen schwierig, wir im Würmtal haben aber einen guten Standort und wohl bessere Chancen“, so Sauerbrey.

Phantasia-Geschäftsführerin Trenkle glaubt, dass die „Beschaffungsmentalität vorbei ist. Die Zeiten, wo wir alle Neuerscheinungen für insgesamt tausende Euro da haben mussten, sind passé. Stattdessen liegt unsere Chance in einer Auswahl, von der wir auch wissen, wie gut sie sind und für wen geeignet. Das kann das Internet nicht.“

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