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Das Pumpenhäuschen im Mühlthal wurde 1898 erbaut. Es versorgt bis heute die Würmtalgemeinden mit Wasser.

Würmtal-Zweckverband

„Wasserschutz agiert unter ferner liefen“

Würmtal - Der „Tag des Wassers“ am 22. März sollte auch die Menschen im Würmtal zum Nachdenken bringen. Dass das Wasser in der Region weiter ausreichend und in guter Qualität sprudelt, scheint nicht selbstverständlich.

Valentinstag, Muttertag, Vatertag – das ist den Menschen ein Begriff. Anders der Tag des Wassers. Dieser werde in Deutschland nicht wahrgenommen, bedauert Josef Mittermayr, stellvertretender Geschäftsführer des „Würmtal-Zweckverbands für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung“. Trinkwasser sei hierzulande eine Selbstverständlichkeit. Doch er und Klaus Krüger, Geschäftsführer des Verbands, machen anlässlich des „Tags des Wassers“ darauf aufmerksam, dass dem nicht so sei. Derzeit fehlt es dem Würmtal-Zweckverband an der Genehmigung für den Bau eines neuen Brunnens westlich der Bahnlinie im Mühlthal.

Um an dieser Stelle Grundwasser zu entnehmen, bräuchte es eine Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberbayern; dies hat eine Untersuchung des Landratsamtes ergeben. Zudem fehlt es dem Verband an einer langfristigen Fördererlaubnis im Königswieser Forst. Der Grund: Das Wasserschutzgebiet wurde vom Landratsamt Starnberg noch nicht neu ausgewiesen. „Da stellt man fest, dass die Interessen von anderen manchmal schwerer wiegen“, sagt Mittermayr. Auch Krüger hat den Eindruck, in Genehmigungsverfahren beim Landratsamt den Kürzeren zu ziehen. Dem widerspricht der Sprecher des Starnberger Landratsamts, Stefan Diebl. Doch Krüger ist überzeugt: „Der Wasserschutz agiert unter ferner liefen.“

Mittermayr und Krüger würden das gerne ändern. Krüger sagt, er wünsche sich, dass der Wert des Wassers erkannt werde, bevor es brenne. Er wünsche sich, dass die Politik andere Grundlagen schaffe, um die Position der Wasserversorgung zu stärken. „Sonst hat das Wasser eines Tages Inhaltsstoffe, die dann nicht einfach rauszuholen sind“, warnt er. „Man muss präventiv was tun“, um den Ist-Zustand zu erhalten. Krüger sagt, der Zweckverband kümmere sich um seine Anlagen. „Wir machen jedes Jahr drei bis vier Kilometer Leitungen neu.“ So sei sein Betrieb für die Zukunft gerüstet. Dazu wünscht er sich, dass Schutzgebietsausweisungen künftig nicht solche „Hängepartien“ sind.

Krüger weiß: „Einschränkungen hat keiner gerne.“ Mit den Betreibern vom Golfplatz Gut Rieden arbeite sein Betrieb aber beispielsweise gut zusammen. Zu Interessenkonflikten war es hingegen mit dem Reit- und Fahrverein Gauting gekommen (wir berichteten), in deren Folge der Zweckverband übergangsweise die auf zwei Jahre befristete Fördererlaubnis für den Königswieser Forst erhielt.

Diebl erklärt, warum sich die Genehmigungsverfahren derzeit so schwierig gestalten: Alte Genehmigungen des Verbands für die Förderung von Wasser im Mühlthal seien nach 30 Jahren ausgelaufen. Jetzt müsse das Wasserschutzgebiet neu ausgewiesen werden. Bis das geschehen sei, genehmige das Landratsamt die Förderung von Wasser nur für kurze Zeiträume. „Die gesetzlichen Anforderungen haben sich ganz wesentlich geändert.“ Damit solle das Wasser unter größeren Schutz gestellt werden, macht Diebl deutlich. Im Hinblick auf die von Krüger angeprangerte Hängepartie, sagt Diebl: Die Ausweisung des Wasserschutzgebietes werde wohl noch eine Weile dauern. „Insgesamt geht es meistens Jahre“, bestätigt er Krügers Kritik.

Derzeit ist das Trinkwasser im Würmtal ausreichend, von guter Qualität und ungechlort. Landratsamt, Krüger und Mittermayr wünschen sich, dass das so bleibt. Aber: „Wir brauchen andere Grundlagen für die Zukunft“, sagt Krüger. Der Tag des Wassers hat für ihn ebensowenig Bedeutung wie für viele andere Menschen – aber aus einem anderen Grund: „Für uns ist jeder Tag ein Tag des Wassers.“

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