Das Würmtal trauert um Willy Heide

Würmtal - Planegg trauert um seinen Ehrenbürger Willy Heide. Der Großgastronom starb in der Nacht zum Samstag im Alter von 91 Jahren in einer Münchner Klinik. Mit ihm verliert seine Familie einen großherzigen Patriarchen, die Münchner Wirte-Szene und die Wiesn einen ihrer prominentesten Vertreter, seine Heimatgemeinde einen originellen, sozial engagierten Bürger.

Willy Heide mag klein von Gestalt gewesen sein, und doch bleibt er seinen vielen Wegbegleitern als ein ganz Großer im Gedächtnis. Seine Begabung im Umgang mit Menschen, vorzugsweise seinen Gästen, sein Organisationstalent, sein trockener Humor, der auch vor der eigenen Person nicht Halt machte, seine Demut und seine Großherzigkeit stellten stets sicher, dass niemand auf Willy Heide herabsah.

Während seines arbeitsreichen Lebens wurde ihm Anerkennung von vielen Seiten zuteil. Unter den zahlreichen Auszeichnungen freute er sich vor allem über die Ehrenbürgerschaft, die ihm seine Heimatgemeinde 1999 zum 80. Geburtstag verlieh, sowie über die Medaille „München leuchtet“ in Gold, überreicht von seinem Duzfreund Christian Ude - unter anderem wegen Heides Engagement für den Tierpark Hellabrunn, dessen Förderverein er leitete.

Als Krönung seines Lebenswerks sah Willy Heide freilich die Ernennung zum Sprecher der Wiesn-Wirte an - ein Amt, das er mit ruhiger Hand und wohlgewählten Worten von 1984 bis 2001 wahrnahm. „Er sah das als den Olymp der Münchner Wirte an“, sagte Sohn Georg Heide am Montag im Merkur-Gespräch (s. auch München-Teil). Schon traditionell waren seine alljährlichen, kurzen Pilgerfahrten zur Wallfahrtskirche Maria-Eich in Planegg, um eine Riesen-Kerze, fast so groß wie er selbst, für eine friedliche Wiesn zu stiften. Eine Geste, die er sich bis zuletzt nicht nehmen ließ, auch wenn er bereits vor zehn Jahren den Betrieb der „Bräurosl“, des Wiesn-Zeltes der Familie Heide, in die Hände von Sohn Georg und Schwiegertochter Renate Heide gelegt hatte.

Willy Heide kam am 30. Oktober 1919 als Sohn einer Münchner Wirte-Familie im Stadtteil Westend zur Welt. Die Familie zog 1931 nach Planegg, als Vater Georg die Gaststätte Heide-Volm eröffnete. Willy Heide erlebte den Krieg als Hauptfeldwebel unter anderem in Afrika. 1945 begann ein harter Wiederaufbau. Die Decke des Festsaals war unter Bomben eingestürzt; das rare Baumaterial tauschten die Heides gegen Fleisch aus eigener Schlachtung ein. Willy ging bei seinem Vater Georg, der ein begnadeter Gastwirt war, in die Lehre. 1953 rückte Willy zwar neben seinem Vater zum Wiesn-Wirt der Bräurosl auf, doch erst nach dessen Tod 1971 übernahm er das Festzelt und die Ausflugsgaststätte Heide-Volm in Planegg.

Sein Sohn Georg nahm Willy Heide als „dominanten Vater“ wahr, der auch bis zuletzt „gefragt werden wollte“. Zugleich lobt der Junior die „hervorragende“ Eignung seines Vaters als Gastwirt, nicht zuletzt im Umgang mit den Gästen, im Repräsentieren. So bleibt Willy Heide den vielen hundert Besuchern, die er stets in untadeliger Aufmachung am Eingang des Heide-Volm empfing, wenn einer seiner runden Geburtstage zu feiern war, im Gedächtnis.

Planeggs ehemaliger Bürgermeister Alfred Pfeiffer lobt die soziale Ader Willy Heides. „Die Planegger Vereine hatten in ihm immer einen verlässlichen Gönner“, so Alfred Pfeiffer.Über 100 ältere Mitbürger lud er jährlich auf seine Kosten in die Bräurosl ein.

Zuletzt war es ruhiger geworden um Willy Heide. „Er hatte immer mehr körperliche Gebrechen, doch sein Geist war bis zuletzt hellwach“, sagt Sohn Georg. Doch im Rollstuhl die Gäste in der Gaststätte zu begrüßen - „dazu war er zu eitel“, so Georg Heide. Vor gut einer Woche musste Willy Heide in eine Klinik gebracht werden. Eine Darmspiegelung verlief zunächst gut, bis in der Nacht zum Samstag Blutungen auftraten, die die Ärzte nicht mehr in den Griff bekamen.

Willy Heide wird am Freitag auf dem Planegger Friedhof beigesetzt. Bürgermeisterin Annemarie Detsch unterbricht ihren Urlaub, um dabei zu sein, und Oberbürgermeister Christian Ude wird voraussichtlich das Wort ergreifen. Auf der Wiesn 2011 wird Willy Heide übrigens auch wieder anwesend sein. Georg Heide: „Sein Bild wird in der Hubertus-Box neben dem seines Vaters hängen.“

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