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Wirtschaft beklagt Preisexplosion und Lieferengpässe

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Von: Victoria Strachwitz

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Managerin Hannah Betz (Betz-Chrom) am Wasserbecken, rechts das Becken mit verdünnter Salzsäure: Preissteigerungen von 50 bis über 400 Prozent.
Managerin Hannah Betz (Betz-Chrom) am Wasserbecken, rechts das Becken mit verdünnter Salzsäure: Preissteigerungen von 50 bis über 400 Prozent. © Dagmar Rutt

Unternehmen im Würmtal haben mit Preisexplosionen und Lieferengpässen zu kämpfen. Dazu kommen jetzt Sorgen um die Gasversorgung.

Würmtal – Privatleute merken es, Firmen ebenfalls: Nicht alles ist aktuell lieferbar, und vieles ist teurer geworden. Als der Würmtal-Zweckverband den Preis für Trinkwasser zum Jahresbeginn um 52 Prozent erhöhte, platzte Miriam Betz der Kragen. Die geschäftsführende Gesellschafterin der Gräfelfinger Firma Betz-Chrom für die Veredelung und mechanische Bearbeitung von Metallloberflächen fragt: „Wie sollen wir denn solche Preissteigerungen irgendwie auch nur annähernd auffangen?“ Der gestiegene Preis für Wasser ist nicht ihr einziges Problem. Salzsäure beispielsweise koste 443 Prozent mehr als im Vorjahr. Ihre Tochter Hannah Betz, Managerin für Strategie und Innovation in der Firma, sagt: „Es kommen immer weiter Preissteigerungen herein.“

Wasserspreis steigt für ein Würmtaler Unternehmen um 52 Prozent

Auch Rainer Dollinger, Geschäftsführer der Kraillinger Firma radotec für Präzisionsmechanik, stellt fest, dass Aluminium nicht mehr drei Euro pro Kilogramm, sondern 13 bis 14 Euro koste. Seine speziellen Öle hätten gerade einen Preissprung von 15 Prozent hinter sich. Von Seiten des Automobilzulieferers Webasto aus Stockdorf heißt es: „Die Entwicklung der Energiepreise beobachten wir mit Sorge.“ Die Lage auf dem Energiemarkt verschärfe sich zunehmend, bestätigt Hannah Betz – auch durch die Ukraine-Krise. „Wir haben schon beim Gasversorger nachgefragt, wie es ausschaut mit den Gasvorräten.“ Die Antwort: Deutschlands größter Gasspeicher werde von der Firma Gazprom betrieben und sei mit einem Füllstand von 3,64 Prozent quasi leer. Käme es zu Engpässen in der Versorgung, seien Haushalte geschützt, energieintensive Firmen würden abgeschaltet.

Die Firma Betz-Chrom sei erst im vergangenen Jahr von Öl auf Gas umgestiegen – aus Umweltschutzgründen. „Seit zwei Jahren rutscht man von einer Krise in die nächste“, sagt Betz. Dass ihr Unternehmen sich einmal beim Gasversorger erkundigen würde, ob das Gas reiche, „das hätten wir nie im Leben gedacht“. Insgesamt sagt sie: „Für uns war der Einkauf immer etwas Untergeordnetes.“ Man habe bestellt, was gebraucht wurde, und alles sei immer verfügbar gewesen. „Jetzt legen wir Vorräte an“, sagt sie. Außerdem werde ständig verhandelt. „Man merkt jetzt auch, wie abhängig man von China ist.“ Zwar bestelle Betz-Chrom bei deutschen Firmen, aber die bezögen ihre Rohstoffe aus China. „Da waren wir überrascht.“

Würmtaler Unternehmen kämpfen mit Lieferengpässen, Preissteigerungen und Sorgen um die Gasversorgung

Rainer Dollinger sagt, das Umfeld sei aktuell hart. Auch er hat nicht nur mit Preissteigerungen, sondern auch mit Lieferengpässen zu kämpfen. Stangen aus Metall könne er nur mit erhöhtem Aufwand beschaffen. „Durch die Verknappung langen die Lieferanten auch preislich zu.“ Philipp Hartung, Geschäftsführer der Kraillinger Firma KVH Hartung, die Kunststoffe verarbeitet, erklärt, Rohstoffe, Lieferanten, Zukaufteile seien alle teurer geworden – im Durchschnitt um zehn Prozent. „Lange Lieferzeiten sind auch ein Problem. Wir mussten viel im Voraus einkaufen, um unsere Preise zu halten.“ Doch ganz ist ihm das nicht gelungen. „Im Durchschnitt zahlt der Kunde zehn Prozent mehr. Im Endeffekt werden die Kosten umgelegt.“

Veronika Kerle, zuständig für die Unternehmensentwicklung des Neurieder Cafés Vorort, berichtet: „Lieferanten haben heuer zum Teil schon zum zweiten Mal die Preise erhöht.“ Das erste Mal habe das Unternehmen die Erhöhungen noch abfedern können, beim zweiten Mal nicht mehr. Entsprechend wurden vergangene Woche teilweise auch die Preise im Café Vorort erhöht. „Es ging leider nicht mehr“, sagt sie bedauernd.

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