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„Bahlo ruck den Schlüssel raus“: Die „unendliche Geschichte“ der Gaststätte MiSu war das Lieblingsthema der Narren im Würmtal.

Würmtaler Faschingszug 2016: Tausende feiern in der Planegger Bahnhofstraße

Motiv-Wagen kritisieren Traditionsverlust

Planegg - Bunt, laut, lang und frech: Der Würmtaler Faschingsumzug 2016 hatte es in sich. Tausende jubelten den Motiv-Wagen in der Planegger Bahnhofstraße zu. Und die Narren im Zug sparten an Kritik nicht.

„Und wenn’s sonst koan interessiert, mia ham an Mattl als Ehrenvorsitzenden nominiert.“ Zum Finale waren es dann doch 36 Wagen, die sich am diesjährigen Würmtaler Faschingsumzug beteiligten. Weitaus mehr als von Matthias Niedermair befürchtet. Um den amtsmüden Organisator bei der Stange zu halten, hatten Gräfelfinger Narren „den Mattl“ einfach zum Ehrenvorsitzenden des bunten Treibens gekürt.

Beste Stimmung: Bei milder, trockener Witterung säumten viele Tausend Faschingsfans die überfüllte, gesperrte Bahnhofstraße. Am Wendeplatz vor St. Elisabeth flogen jede Menge Kamellen in die lachlustige Menge hinter den Absperrrungen. „Alles ist friedlich“, versicherte Polizeibeamter Udo Wenisch. Zum Disco-Sound legte die Tanzgruppe vom Wagen „funlimited“ eine astreine Showeinlage hin: Auf den Schultern ihrer Partner, balancierten zwei Tänzerinnen vor dem Kirchturm. Eifrig fingen Kinder die geworfenen Bonbons auf. „I’ schwimm’ zu dir rüber, weil I di mog“ tönte es vom blau-violetten Show-Wagen der Würmesia-Jugend. „D’Fasching muss weida geh’n“, forderten die Stockdorfer Maibaumfreunde. Muntere Mafiosi und Araber beleuchteten wiederum den Fifa-Schmiergeld-Skandal.

Auch die Kommunalpolitik bekam ihr Fett ab: „Komm auf die dunkle Seite der Pacht“, lästerte die weiß-blaue CSU über die Querelen ums Planegger „MiSu“, das auch fünf weitere Wagen als Motiv aufgriffen und somit Hauptaufreger dieses Faschingszugs war. Der Dauerstreit „lähmt die Gastronomie“, skandierten auch Narren vom Karren „Planegg steht still“. Und verkleidete weiße Schlafmützen der örtlichen Feuerwehr lästerten über ihre „Schlafstadt“ ab. Ein „Sparkassen-Fahrdienst“ mit Geldscheinen war zu bewundern: Mit Bobby Car, Roller oder Rollator ging’s „zügig“ zur letzten Zweigstelle im Würmtal: Denn die Stockdorfer Filiale wird noch heuer schließen.

Doch es gab noch Hoffnung für die Vereine im Würmtal: Mit Flower-Power-Kostümen, Rock-Musik und Trommeln warben Narren fürs Kulturfestival Gräfelfing. Mit einer Super-Idee begeisterte wiederum die katholische Jugend St. Elisabeth: Im Apotheker-Wagen warb der weiß gekleidete Mediziner-Nachwuchs fürs Präparat „Menschlichkeit“. Bei „saumäßigem bis starkem“ Hass empfahlen verkleidete junge Apotheker und Krankenschwestern „24 Hostien“.

Ein schwarz verhängter Wagen verkündete den Tod der Planegger Pumpenparty. Aber auch den Untergang der Traditionen Stammtisch und Fasching. „Nix is, wias amoi war“, klagten Engel, Nikolaus und Furcht einflößender, wilder Krampus. Mit schwarzem Sarg „in memoriam Fasching“ endete der Zug: Bleibt zu hoffen, dass sich der frisch gekürte „Ehrenvorsitzende“ Matthias Niedermair gestern schon für den Faschingsumzug 2017 motivieren ließ.

Würmtaler Faschingszug 2016: Die schönsten Bilder

Christine Cless-Wesle

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