Beherbergungsverbot

Würmtaler Hoteliers sind jetzt Kontrolleure

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Menschen aus Risikogebieten dürfen nicht mehr ohne Weiteres in Hotels im Würmtal übernachten. In Bayern gilt nun ein Beherbergungsverbot. Die Hoteliers stellt das vor Probleme.

„Das kann ja jeder sagen“: Würmtaler Hoteliers wie Valeria Bianco vom La Terrazza in Planegg müssen dieser Tage am Telefon viel klären, bevor sie jemanden aufnehmen dürfen.

Würmtal – Jeden Tag kommt ein neues Risikogebiet hinzu. Wirte dürfen jetzt nicht den Überblick verlieren. Seit gestern gilt in Bayern das Beherbergungsverbot für Menschen, die aus einem Corona-Hotspot stammen. „Man ist in der Verantwortung, dass man immer auf dem neuesten Stand ist, wo jetzt ein Risikogebiet ist“, sagt Valeria Bianco vom Hotel La Terrazza in Planegg.

Bei Buchungen im Internet ist die Heimatadresse des Gastes nicht bekannt

Und das ist nicht das einzige Problem der Hoteliers im Würmtal. Gäste, die direkt im Hotel buchen, fragt Bianco nach der Herkunft und weist sie auf die Problematik hin. „Wir bekommen aber auch Buchungen über Portale im Internet. Da gibt der Gast nur seine E-Mail-Adresse an. Es kann also sein, dass plötzlich einer vor mir steht, der aus Hamm kommt, und dann muss ich ihn wegschicken.“ Hamm ist aktuell ein Hotspot mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von einer Woche. Einen Gast aus Hamm könnte ein negatives Corona-Testergebnis retten, nicht älter als 48 Stunden. Dann dürfte er übernachten. Was Bianco verwirrt: Auch dringende geschäftliche oder familiäre Angelegenheiten könnten ihm Einlass gewähren. „Das kann ja jeder sagen.“

Im Hotel Asemann in Planegg wohne regelmäßig ein Gast aus einer Gegend, die als Hochrisikogebiet gilt, erklärt Mitarbeiterin Honge Lor. „Der macht jeden zweiten Tag einen Test.“ Er wolle Kunden und Kollegen schützen. Die neue Regelung bringt den Hoteliers Arbeit. Angela Weißenfeld vom Würmtaler Gästehaus in Gräfelfing: „Ich bin den ganzen Tag am Telefon, weil die Leute verunsichert sind.“ Immer wieder muss sie die neue Regel erklären. „Es geht auch um Stornogebühren“, sagt sie. Was Weißenfeld kniffelig findet, ist, dass nicht ganz Berlin als Risikogebiet gilt. „Wenn Buchungen kommen, müssen wir fragen, aus welchem Bezirk die Menschen stammen.“ Sie wisse schon in München nicht, welche Straße in welchem Stadtteil liege, das gelte erst recht für Berlin. Bianco ergänzt: „Wir haben eigentlich nicht das Recht, einen Ausweis zu kontrollieren, jetzt werden wir dazu gezwungen, ihn zu checken.“

Die Branche im Würmtal ist ohnehin hart getroffen

Die Branche im Würmtal ist hart getroffen, Messen und Oktoberfest fehlen. Und: „Man merkt, dass viele Firmen noch im Homeoffice und nicht so viel unterwegs sind“, sagt Bianco. Diesen Eindruck hat auch Andreas Weißenfeld. Nur im Montagebereich tue sich etwas. Schulungen fänden teils ebenfalls wieder statt. Das Würmtaler Gästehaus erwartet in Kürze Gäste aus Amerika, die bereits im März hätten kommen sollen. Sie wollen ein halbes Jahr lang eine Schulung in Gräfelfing besuchen. Andreas Weißenfeld hat sich viele Gedanken gemacht. Er meint, die Amerikaner müssten direkt nach ihrer Ankunft am Flughafen München einen Corona-Test machen. „Dann müssen sie 14 Tage in Quarantäne. Die bleiben dann auf den Zimmern und müssen sich bei Lieferando Essen bestellen.“

Über den Aufwand, den Corona mit sich bringt, will Weißenfeld sich nicht ärgern: „Damit werden wir noch länger leben müssen.“

Rubriklistenbild: © Dagmar Rutt

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