Jeder serviert seinen guten Stoff: Dr. Kai Reichert bot im Lochhamer’s ohne Termin Corona-Impfungen von Biontech und Johnson & Johnson an, Wirt Klaus Oeding ein Freigetränk von Schorle bis Cappuccino – und die Räumlichkeit.
+
Jeder serviert seinen guten Stoff: Dr. Kai Reichert bot im Lochhamer’s ohne Termin Corona-Impfungen von Biontech und Johnson & Johnson an, Wirt Klaus Oeding ein Freigetränk von Schorle bis Cappuccino – und die Räumlichkeit.

Corona-Kampf mit Freigetränk

Würmtaler Wirtshausimpfen ein Erfolg

  • VonLara Listl
    schließen

Das Gräfelfinger Wirtshaus „Lochhamer’s El Diablo“ und die Hausarztpraxis Dr. Reichert haben gemeinsam das „Würmtaler Wirtshausimpfen“ gestartet. Jeder der 24 Impflinge bekam ein Freigetränk. Das Angebot kam so gut an, dass es in vier Wochen wiederholt werden soll.

Gräfelfing – Jürgen Graf ist einer der ersten Impflinge gewesen, die am Donnerstag zum „Würmtaler Wirtshausimpfen“ in das mexikanische Restaurant „Lochhamer’s El Diablo“ in Gräfelfing kamen. Von 13 bis 16 Uhr konnte sich hier jeder ab zwölf Jahren an einem der hölzernen Wirtshaustische vom Gräfelfinger Hausarzt Dr. Kai Reichert beraten und impfen lassen. Anschließend servierte Wirt Klaus Oeding jedem Geimpften ein Freigetränk. Zur Auswahl standen die Impfstoffe Biontech und Johnson & Johnson.

„Über Facebook habe ich von der Aktion gelesen, und Dr. Reichert vertraue ich“, sagte Jürgen Graf nach dem Pieks gegen das Coronavirus. Impfen lassen wollte er sich sowieso demnächst, und da Dr. Reichert schon lange sein Hausarzt ist und das „El Diablo“ nur zwei Minuten von seiner Wohnung entfernt liegt, kam das Angebot für ihn wie gerufen. „Die Aktion finde ich total super.“ Ausschlaggebend für ihn sei nicht das kostenfreie Spezi, sondern die Nähe zum Wirtshaus gewesen und dass er vorab keinen Termin ausmachen musste.

Marion Domes kam kurz nach Jürgen Graf ins Restaurant. Auf ihrem Arbeitsweg von Pasing nach Gräfelfing hatte sie einige Tage zuvor vor dem Wirtshaus ein Schild mit der Ankündigung der Impfaktion gesehen. „Wegen der vielen Einschränkungen und dem Testaufwand für Ungeimpfte habe ich jetzt beschlossen, mich impfen zu lassen“, sagte Domes. Und da sie auf ihrem Arbeitsweg sowieso täglich beim Wirtshaus vorbei kommt, habe sie sich über das unkomplizierte Impfangebot sehr gefreut.

„Es war auch gar nicht schmerzhaft“, berichtet sie nach dem Pieks mit dem Impfstoff Biontech. Die nötige zweite Impfdosis möchte sie sich dann in etwa drei Wochen in der Hausarztpraxis von Dr. Reichert geben lassen. Die Praxis bietet die Impfung mittlerweile ebenfalls ohne Voranmeldung an.

Die Idee zum „Würmtaler Wirtshausimpfen“ stammt von Klaus Oeding. „Ob man sich impfen lassen möchte oder nicht, muss jeder selbst entscheiden“, sagt Oeding. Dass sein Angebot in die bundesweite Impfwoche fiel, die am Montag begonnen hatte, sei purer Zufall gewesen. Für ihn sei jeder Geimpfte ein guter Geimpfter, und sein Wunsch ist, „dass das Leben bald wieder normal wird“.

Über die 24 Impfwilligen, die am Aktionstag in sein Restaurant kamen, habe er sich sehr gefreut. Zumal er selbst nur mit zwei bis vier Leuten gerechnet habe. „In der Praxis ist der Impfandrang seit August überschaubar“, sagt Dr. Kai Reichert. Er ist der Hausarzt von Klaus Oeding, und die beiden kennen sich seit 23 Jahren. „Die, die jetzt zum Impfen gehen, sind in der Regel Nachzügler, und mobile Angebote wie die Impfbusse liefen in letzter Zeit sehr gut“, sagt der Arzt.

Etwas Gegenwind gegen die Impfaktion gab es auch: „Wir haben sechs Anrufe und eine Mail von Impfgegnern und ehemaligen Gästen bekommen, die meinten, wir würden uns politisch positionieren oder mit dem Impfen Experimente an Kindern durchführen, und die deswegen nicht mehr zu uns kommen wollen“, erzählt Oeding.

Ansonsten sei die gemeinsame Impfaktion von ihm und Dr. Reichert so gut angekommen, dass sie das Angebot in etwa vier Wochen wiederholen möchten. „Dann starten wir voraussichtlich erst ab 15 bis etwa 19 Uhr, damit Berufstätige eine bessere Möglichkeit haben“, sagt Oeding. Auf Facebook sei die Resonanz auf das „Würmtaler Wirtshausimpfen“ ebenfalls überwiegend positiv ausgefallen. Zudem habe Dr. Reichert auch persönlich von einigen Patienten gehört, dass sie das unkomplizierte Angebot sehr gut fänden und dieses auch gerne angenommen hätten, wenn sie nicht schon durchgeimpft wären. „Das Freigetränk hat die Impfwilligen heute gar nicht interessiert. Ich habe jeden gefragt, und die kamen alle wegen der Nähe und weil es unkompliziert für sie war“, berichtete Dr. Reichert.

Auch interessant

Kommentare