Große Pflasterflächen, schmale Asphaltbänder, mehr Bäume: So soll der Gräfelfinger Rathausvorplatz nach der Sanierung aussehen, die nun beginnt. Plan: Büro Molenaar

Zoff trotz Billigangebots

Gräfelfing - Wenige Tage vor Baubeginn haben einige Gräfelfinger Gemeinderäte noch Änderungswünsche für den neuen Rathausvorplatz angemeldet.

Die gute Nachricht des Tages ging im Streit fast unter: Die Firma Richard Schulz aus Neuburg an der Donau sandte mit 443 400 Euro das günstigste von drei Angeboten ein. Das sind gerade mal 44 % der von der Verwaltung errechneten Kosten von gut 1 Million Euro für die Neugestaltung des Gräfelfinger Rathausvorplatzes - ein Schnäppchen. In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause sollte der Gemeinderat folglich diesen ausnehmend günstigen Auftrag vergeben. Das tat er auch - allerdings mit unschönen Nachwehen.

Franz Lang (SPD) war der Einzige, der vor der Abstimmung schon auf einen Schönheitsfehler des Verfahrens hinwies: Er sei überrascht, heute bereits die Vergabe beschließen zu sollen, da der Gemeinderat die abschließende Detailplanung noch gar nicht gesehen habe. Deshalb beantragte Lang, heuer den Rathausvorplatz zurückzustellen und stattdessen den Neurieder Weg auszubauen.

Bürgermeisterin Uta Wüst wies darauf hin, dass die Planung sehr wohl schon detailliert vorgestellt, besprochen und auch beschlossen worden sei. Und in dem Ausschreibungsbeschluss stehe nichts von einer nochmaligen Vorlage. Ohne über Langs Antrag abzustimmen, votierte der Gemeinderat sodann bei fünf Gegenstimmen (SPD, BVGL) für die Vergabe an die Firma Richard Schulz.

Später in der Sitzung - es waren inzwischen zwei weitere Tagesordnungspunkte abgehandelt - kam Frauke Schwaiblmair (Grüne/Unabhängige) auf das Thema zurück, und Sitzungsleiterin Uta Wüst ließ sie erstaunlicherweise gewähren. Schwaiblmair erinnerte sich nun ebenfalls, dass Details nochmal vorgelegt werden sollten: „Es gab eine mündliche Zusicherung. Wir können nicht beschließen, was wir nicht gesehen haben.“ Damit war der Damm gebrochen. Michael Langer (SPD) sprach von „grundlegenden Versäumnissen“ der Planung, die „nicht per Mehrheitsbeschluss wegzuwischen“ seien. Jörg Scholler wusste plötzlich, dass die Positionierung der Bushaltestellen unklar gewesen sei, und wetterte gegen den MVV, der hier nicht das letzte Wort habe, sondern die Kommune. Bauamtschefin Elisabeth Breiter sagte, die Positionierung sei in Abstimmung zwischen MVV und Kommune geschehen, und die Wünsche aus dem Gemeinderat seien bestmöglich berücksichtigt worden.

Die Bürgermeisterin machte ein Angebot zur Güte: Die Fraktionen sollten sich die Details nochmals anschauen und etwaige Änderungswünsche „zeitnah“ vorbringen. Die würden in die Umsetzung „nach Möglichkeit“ einfließen. Elisabeth Breiter sagte, kleine Änderungen seien durchaus machbar. Doch ließ sie keinen Zweifel daran, dass der Baubeginn am 10. August feststehe und der Auftrag auf Grundlage der Planung verbindlich vergeben sei.

Tatsächlich kamen die Einwände der Gemeinderäte nicht nur Minuten, sondern Monate zu spät: Aus vergaberechtlichen Gründen war der Zug für Änderungen am Projekt bereits mit Beginn der Ausschreibung abgefahren.

Wie berichtet, sehen die Bauarbeiten, die bis November dauern sollen, eine urbane Umgestaltung des Platzes und eine Verkehrsberuhigung vor. Ebene Pflasterflächen werden dominieren, Bordsteine verschwinden. Der Verkehr fließt mit einem Tempolimit von 20 km/h auf schmalen Asphaltbändern, Fußgänger dürfen überall queren.

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