Wahlkampf in Hessen

Wahlkampf im Netz: Persönliches von Schäfer-Gümbel

Hessens SPD-Spitzenkandidat nutzt den Microblogging-Dienst Twitter, um über den Alltag auf seiner Wahlkampftour zu informieren

„Im kürzesten Wahlkampf aller Zeiten ist die Kommunikation mit euch noch wichtiger als je zuvor. Und deswegen werde ich ab sofort mit euch twittern. Tschüss.“ Der Beitrag ist kurz, doch der Mann meint es ernst. Und kommt dabei erstaunlich locker daher: SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel macht Wahlkampf im Netz.

18 Sekunden dauert der Clip, aufgenommen in irgendeiner Teeküche, wahrscheinlich in Wiesbaden. Um die Ecke kommt TSG, wie er sich selbst gern nennt. Anzug und Krawatte am Leib, Kaffeekanne und –tasse rechts und links in der Hand. Er geht auf die Kamera zu, beugt sich vor das Objektiv und spricht seine zwei Sätze, mit einem Lächeln im Gesicht. Das ist nett. Auch die persönliche Anrede kommt nicht anbiedernd daher, sondern entkrampft und sympathisch. TSG geht aus dem Bild. Blende. Und das Schlussbild mit der Aufforderung „Follow twitter.com/tsghessen“.

Twitter ist ein so genannter Microblogging-Dienst: Man registriert sich und kann dann per Handy oder Internet Statements abgeben, was einen gerade bewegt. Auf 140 Zeichen, ähnlich einer SMS. Der Unterschied: Lesen kann das jeder, der dem eigenen Profil folgt. Das waren am Mittwochmorgen bei TSG bereits über 500 Personen. Die erfuhren um sieben Uhr: „-21 Grad und ein langer Tag im Blick. Hoffentlich halten wir den zeitplan.“

Zwei Stunden nach diesem „Tweet“ (so werden die Kurzmitteilungen genannt) erwartet TSG eine Diskussion mit Ministerpräsident Koch im Hessischen Landtag.

Die Internetoffensive des SPD-Kandidaten ist erfrischend. Jüngst hatte erst der künftige US-Präsident Barack Obama die Möglichkeiten des Netzes offensiv ausgenutzt, um Nähe zu den Wählern zu erzeugen. Mit Erfolg. Und natürlich viel mehr Geld.

Deswegen kommt TSG nicht ganz so professionell daher. Aber gerade deswegen auch wirken seine Bemühungen authentisch und sympathisch. Wöchentliche Videobotschaften, Profile bei den sozialen Netzwerken meinVZ, wer-kennt-wen und facebook und jetzt eben Twitter: „Wurde grade von mitreisenden Journalisten gefragt, wie man mit 16stunden Tagen umgeht und mit Stress: Atemübungen“.

Mag sein, dass der CDU-Kontrahent im Wahlkampf ganz andere Schwerpunkte setzt. Aber wenn einer Netzkompetenz beweist, schärft das ohne Frage sein Profil. Insbesondere in Zeiten, in denen selbiges auch geklaut werden kann. So geschehen bei Roland Koch. Dessen Namen hat sich ein Nutzer angeeignet, um als geschäftsführender Ministerpräsident fröhlich Sätze zu tweeten wie: „So langsam wird mir ganz Rot und Grün vor Neid.“

Dann doch lieber den echten TSG. Gestern um zehn, nach dem Duell mit Koch, zieht er per Twitter ein persönliches Fazit: „Spitzenkandidatenduell: koch hat wieder kreide geschluckt. Agentur hat viel arbeit.“

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