Ärzte-Traum vom Knochen aus der Tube

- Berlin - Bei starken Rauchern heilen Wunden und Knochenbrüche schlecht. Darauf wiesen Mediziner in Berlin beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie hin. Nach Untersuchungen in den USA heilen Weichteilverletzungen bei den Rauchern doppelt so langsam wie bei Nichtrauchern, Knochenbrüche brauchen sogar die dreifache Zeit.

Man versuche zwar, mit durchblutungsfördernden Maßnahmen die Heilung etwas zu beschleunigen, dennoch müssten sich die Raucher auf längere Behandlungszeiten einrichten, sagte Prof. Gerd Ruhr von der Berufsgenossenschaftlichen Klinik Bergmannsheil Bochum.<BR><BR>Die Heilung sehr großer Knochendefekte ist jedoch bei allen Patienten ein besonderes Problem. Denn wenn große Knochenareale zerstört sind, müssen sie irgendwie ersetzt werden. Meist werde ein Knochentransplantat in den Defekt eingesetzt. Vorzugsweise sind es Knochenstücke, die den Patienten selbst aus dem Beckenkamm oder einer unteren Rippe entnommen wurden. Doch für die Zukunft träumen Chirurgen und Orthopäden in aller Welt vom Knochenersatz aus der Tube, also von einer Substanz, aus der neuer, fester Knochen entsteht, und die ohne Operation, nur durch kleine Injektionslöcher auf den Knochendefekt aufgebracht werden kann.<BR><BR>Seit Jahren wird in großen Klinikzentren und Pharmafirmen bereits mit Knochenersatzmitteln aller Art experimentiert. In den Operationssälen werden zunehmend synthetische Kalziumphosphatkeramiken, Kalziumphosphat-Zemente und die Knochenneubildung fördernde Wachstumsfaktoren (es sind zwei gentechnisch hergestellte Proteine) erprobt. 15 solcher Produkte werden schon auf dem Markt angeboten.<BR><BR>Der Ersatz aus der Tube ist in greifbare Nähe gerückt, zieht denn auch recht optimistisch Prof. Johannes M. Rueger (Uniklinikum Hamburg-Eppendorf) ein Fazit der bisherigen Entwicklungen. Er favorisiert einen Kalziumphosphat-Zement, kombiniert mit Wachstumsfaktoren. Allerdings räumt er ein, dass kein Knochenersatzmittel für alle Probleme taugt und dass die Knochenneubildung nicht ohne stützende stabile Strukturen gelingt. In manchen Kliniken laufen Versuche mit Trägermaterialien, auf denen Knochenbildungsfaktoren direkt aufgetragen werden.<BR><BR>Vielleicht wird aber in zehn Jahren auch die Gewebezüchtung (Fachleute sprechen vom "Tissue Engineering") aus körpereigenen Zellen des Patienten dem Knochenersatz aus der Tube den Rang ablaufen. Schon gibt es in Deutschland und der Schweiz vielversprechende Experimente mit angezüchteten, lebenden Knochenzellen, die auf künstlichen Knochenzement oder auf resorbierbare Trägerstützen aufgebracht werden. <BR>

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