Aids-Entdecker warten bis heute auf den Nobelpreis

- München - Seit 20 Jahren streiten zwei berühmte Virologen, der Franzose Luc Montagnier vom Pasteur-Institut in Paris und der Amerikaner Robert Gallo, Humanvirologie der Universität von Maryland, Baltimore, erbittert um die Ehre, der Entdecker des HIV zu sein, des Erregers, der die Immunschwäche Aids verursacht. Der Streit hat verhindert, dass es bisher für die Entdeckung von HIV den Nobelpreis gab.

Die Forschungsgeschichte gibt aber heute eher Montagnier Recht, denn er war der erste, der 1982 aus Blutproben, die ihm aus den USA geschickt worden waren, ein Virus isolierte, das er LAV nannte. Er berichtetete auch Gallo davon.<BR><BR>Der Amerikaner, der zunächst veränderte T-Zell-Leukämieviren (HTLV 3) für die Immunkrankheit verantwortlich machte, verkündete jedoch 1984 als erster auf einer viel beachteten Pressekonferenz mit der damaligen US-Gesundheitsministerin Margaret Heckler, dass der Erreger von Aids entdeckt sei. Die Ministerin meinte - von Gallo, der an einem Test arbeitete, bestärkt - optimistisch: "In wenigen Jahren wird es einen Impfstoff geben und Aids wird heilbar sein."<BR><BR>Auf beides wartet die Medizinwelt noch heute. Obwohl seit 1986 endgültig feststeht, dass der inzwischen HIV genannte Erreger Aids auslöst, ist ihm und seinen Untergruppen nur schwer der Garaus zu machen.<BR>Immerhin aber kann die einst sicher tödliche Immunschäche heute durch virushemmende Medikamentenkombinationen so gut in Schach gehalten werden, dass sich die Überlebenszeiten um Jahrzehnte verlängert haben. Wenn auch mit dem Preis vieler sozialer Probleme. Und ohne, dass Kranke in den armen Ländern die gleichen Chancen haben.<BR><BR>Der Teufelskreis aus Armut und Krankheit könnte alle in 20 Jahren gemachte Fortschritte zunichte machen, sagte kürzlich auch Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin auf einer Veranstaltung mit Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp, dem Vorsitzenden einer weltweiten Vereinigung der Geschäftswelt gegen Aids. Schröder forderte, was in den letzten Jahren viele Politiker immer wieder fordern: Die Bündelung aller staatlichen und nicht-staatlichen Mittel im gemeinsamen Kampf aller Länder.<BR><BR>Tatsächlich ist dies eines der brennendsten Probleme: Wird die Versorgung mit wirksamen Medikamenten in den ärmsten Ländern nicht rasch verbessert, könnte Aids das Überleben der Bevölkerung ganzer Staaten gefährden, vor allem in Afrika, warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO.<BR><BR>Die Geschichte von Aids begann vermutlich auch in Afrika. Bekannt ist aber bis heute nicht das Wie, sondern nur, dass man 1981 erstmals in Los Angeles die Infektion bei Schwulen wahr nahm. 1982 wurden auch Fälle bei Frauen und nicht homosexuellen Blutern bekannt, dennoch sprach man noch lange von "Schwulenseuche". Heute weiß man, dass Aids auch Kinder treffen kann, wenn ihre Mütter infiziert sind. Und man weiß, dass die größte Seuche des 20. und 21. Jahrhunderts noch lange nicht besiegt sein wird.<BR>

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