Akupunktur sticht Medikamente aus

- Bei Patienten mit chronischen Schmerzen wirkt Akupunktur zum Teil besser als die anerkannte Medikamenten- Therapie. Dies hat in Deutschland die Gerac-Studie (German Acupuncture Trials), die bisher größte Akupunktur- Studie weltweit, gezeigt. Jetzt muss der Gemeinsame Bundesausschuss, der den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen festlegt, reagieren. Im Frühjahr wird er entscheiden, ob Akupunktur zur Regelleistung wird. Die Chancen stehen gut.

"Die Akupunktur war bei Rücken- und Knieschmerzen der Standardtherapie überlegen. Daraus müssen Konsequenzen gezogen werden", sagt Dr. Bernhard Egger, Leiter des Stabsbereichs Medizin beim AOK-Bundesverband. Für Akupunkteure bedeutete das Ergebnis der Gerac- Studie Freude und Staunen zugleich. Einerseits belegten sie die Wirkung der feinen Nadeln, andererseits rüttelten die Ergebnisse an den Grundlagen der traditionellen chinesischen Medizin.

Denn wurde bewusst nicht an den traditionellen Punkten gestochen, wirkte die Akupunktur dennoch. "Wir müssen mit ganz neuem Blick beurteilen, was wirkt und auch wie", sagt der zweite Vorsitzende der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur, Helmut Rüdinger. Auch er sei über die Ergebnisse "erschrocken" gewesen. Doch überwiegt für ihn das Positive. "Akupunktur wirkt, das wird nicht bestritten." Mit Placebo-Effekten seien die Ergebnisse nicht zu erklären. Nicht geklärt werden konnte durch die Studie allerdings, warum die feinen Nadelstiche überhaupt wirken. Für die Aufnahme in den Katalog der Regelleistungen der Kassen dürfte dies aber keinen Einfluss haben. So spricht sich die AOK dafür aus, künftig die nebenwirkungsarme Schmerztherapie zu bezahlen.

Auch andere Krankenkassen sehen das so: "Es wäre nur konsequent, die Akupunktur zur Regelleistung zu machen", sagt DAK-Sprecher Frank Meiners. Schließlich sei das das Ziel der Modellversuche gewesen. Zahlen wollen die Kassen zunächst allerdings nur bei den vier Indikationen, die sich gemäß der Studie durch Akupunktur erfolgreich behandeln lassen. Laut Rüdinger sind dies aber bei weitem nicht die einzigen Beschwerden, die mit Akupunktur äußerst erfolgreich behandelt werden können. "Auch bei Allergie und Asthma gibt es eine Studie", sagt Rüdinger. Eine schnelle und zuverlässige Besserung bringe die Behandlung überdies bei akuten Schmerzen wie Hexenschuss und Schiefhals.

Lexikon aktuell

Akupunktur ist die bekannteste Methode der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Mit dünnen Nadeln wird in festgelegte Punkte der Körperoberfläche gestochen. Die meisten der mehr als 700 Punkte liegen auf so genannten Meridianen. Nach Vorstellung der TCM zirkuliert in ihnen die Kraft Qi, die Körperfunktionen aufrechterhält. Störungen des Qi und anderer Lebenssubstanzen äußern sich in Krankheiten. Akupunktur soll den gestörten Fluss des Qi regulieren.

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