Alkohol lässt Gehirn schrumpfen

- Was wir alle schon immer wussten, die Wissenschaft bestätigt es uns von Zeit zu Zeit mal wieder: Alkohol in Maßen ist gesundheitsfördernd. Doch regelmäßiger Alkoholkonsum schrumpft das Gehirn. Warum das selbst bei geringem Alkoholgenuss so ist, haben jetzt erstmals Psychiater der Universität Erlangen beschrieben, die einen Zusammenhang zwischen alkoholbedingtem Hirnschwund (Hirnatrophie) und der Aminosäure Homocystein festgestellt haben.

Homocystein entsteht als giftiges Zwischenprodukt beim Abbau der Aminosäure Methionin im Körper und schädigt die Gefäße. Ein erhöhter Homocystein-Spiegel gilt deshalb als Risikofaktor für Herzinfarkt und Gehirnversagen. Experten schätzen, dass 40 Prozent aller Erkrankungen des Gefäßsytems im Gehirn, die meisten Konzentrations- und Denkstörungen, sowie viele Formen von Depressionen und Demenzen auf überhöhten Homocystein-Werten beruhen. <BR>Gedächtnisstörungen und Hirnleistungsabbau sind auch Folge von regelmäßigem Alkoholkonsum. Im Extremfall schrumpft das Gehirn sogar messbar, was als Hirnatrophie bezeichnet wird. <BR> Vor diesem Hintergrund verglichen Erlanger Wissenschaftler um die Psychiater Privatdozent Dr. Stefan Bleich und Prof. Johannes Kornhuber die Hirnvolumen alkoholkranker Menschen mit deren Homocystein-Spiegeln. <BR>Erste Erkenntnis: Je größer der Hirnschwund um so höher die Werte. Zweite Erkenntnis: Beim Alkoholentzug krampften nur jene Betroffenen, deren Homocystein-Spiegel besonders hoch war. "Daraus schlossen wir auf einen Zusammenhang zwischen alkoholbedingtem Hirnschwund und Homocystein, so wie er bereits für die Alzheimer und altersbedingte Hirnatrophie gesichert ist", erklärt Kornhuber. <BR>Für die nachteilige Wirkung des Homocysteins auf die Nervenzellen hat die Erlanger Forschergruppe eine Erklärung parat. "Die Aminosäure bindet an den sogenannten NMDA-Rezeptor von Gehirnzellen, der normalerweise von Glutamat besetzt wird. Dadurch wird die Zelle übererregt und geht zugrunde", sagt Kornhuber und Bleich fasst zusammen: "Homocystein wirkt im Gehirn also wie ein falscher Botenstoff und schädigt letztlich das Organ. Ein Prozess, der möglicherweise aufgehalten und sogar umgekehrt werden kann: Durch Folsäure."<BR> Alkohol senkt diesen zum Vitamin B-Komplex gehörenden natürlichen Gegenspieler des Homocysteins, das sich so anreichern kann. Deshalb wollen die Forscher nun in weiterführenden Studien Folsäure als Gehirn schützendes Medikament einsetzen und dem Organ die Möglichkeit zur Regenerierung geben. <BR>Kornhuber rät schon jetzt: "Wer unbedingt Alkohol trinken muss, sollte viel Salat dazu essen." Der enthält Folsäure in ausreichender Menge. Und schmunzelnd fügt er hinzu: "Denkbar wäre natürlich auch, Bieren Folsäure als Nahrungsergänzungsmittel beizumengen. Doch das scheitert sicher am Deutschen Reinheitsgebot." 

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