Alle bleiben am Leben

- München - "Darf ich heute mein Kind mal alleine in der Klinik lassen?" Die auf Englisch gestellte Frage der Mutter des krebskranken Buben Mohammed (3) aus Bagdad irritiert den Stationsarzt in der Schwabinger Kinderchirurgie zunächst. Denn sonst ist Mohammeds Mutter Yassamin vom Bettchen ihres schwerkranken Kindes kaum weg zu kriegen.Aber dies ist kein Tag wie andere.

<P>Schon gar nicht für die Mutter des kleinen Buben, der dank der Spenden unserer Leser in München behandelt wird. Daheim in der Stadt Bagdad, da fallen Bomben, und Yassamin steht in München Todesangst aus - um ihre elf Monate Tochter, ihren Ehemann, ihre Eltern und die Schwester. Endlich am Abend die erlösende Nachricht: Es geht allen gut.<BR><BR>Mohammeds Onkel in München hat mit der Familie in Bagdad telefoniert. "Dort war es bisher noch nicht so schlimm, es sind keine Bomben auf die Wohnhäuser gefallen", berichtet Abdul Hussain erleichtert. Aber auch er weiß, dass die Situation heute oder morgen ganz anders in Bagdad sein sein kann. Eltern, Schwager, Schwester und Tanten haben sich auf ihre Art auf den Krieg vorbereitet. </P><P>Mit Vorräten und mit Plastik-verklebten Fenstern (zum Schutz gegen Splitter). In der Wohnung, die nahe dem großen Strom Tigris zwischen zwei Brücken liegt, hocken bei Bombenalarm alle in einem Wohnraum zusammen und beten. Außer der Plastikfolie am Fenster gibt es für sie keinen Schutz. Keller haben sie keinen. Nur die Hoffnung, dass Bomben oder Raketen weiterhin nicht auf Wohngebiete fallen werden. </P><P>Aber warum versammeln sich bei Alarm alle, auch die Schwester und dereren Familie, die eigentlich woanders wohnt, in einem Raum bei den Eltern? "Weil für die ganze Familie gilt, entweder überleben alle, oder alle sterben", sagt Mohammeds Onkel.<BR>Der Familiensinn lässt auch in München Bruder und Schwester eng zusammenrücken und hoffen. Hoffen, dass in Bagdad alle überleben, und hoffen, dass im Schwabinger Kinderkrankenhaus auch der kleine Mohammed überlebt.<BR><BR>Er ist am Montag in der Schwabinger Kinderchirurgie von Oberarzt Dr. Juan-Carlos Lenz operiert worden und hat den Eingriff gut überstanden. Als wir Mohammed besuchen und ihm - quasi als Gruß aus der irakischen Heimat - ein Plüschkamel schenken, beginnt er gleich begeistert, die Beine des Tieres zu verdrehen. Mohammeds Mutter lächelt dem Sohn liebevoll zu.<BR><BR>Nächste Woche wird das Kind eine Chemotherapie erhalten und bestrahlt werden. Anders, sagen die Ärzte, seien noch vorhandene kleine Herde dieses aggressiven Krebses nicht in den Griff zu bekommen. In zwei Monaten wird man wissen, ob der Bub gesund wird. Dann könnte er heim. Falls der Krieg aus ist.</P>

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