Allein gelassene Nachwuchs-Forscher

- Junge Wissenschaftler, die Tag für Tag alleine in Bibliothek oder Labor arbeiten und ihren Professor nur selten zu Gesicht bekommen: Die Rahmenbedingungen einer Promotion sind verbesserungswürdig, befanden Experten auf einer Tagung des Staatsinstituts für Hochschulforschung (IHF) in München.

<P>Ihre Forderung: Doktoranden sollen besser betreut werden und neben ihrer Forschungsarbeit ein strukturiertes Programm an der Universität durchlaufen.<BR>"Wir müssen einen formalisierten Rahmen für die Promotion schaffen", betonte der Bayreuther Universitäts-Präsident Professor Helmut Ruppert. Er sprach sich für ein größeres Angebot an Seminaren aus, in denen Doktoranden mit anderen Nachwuchs-Forschern zusammenkommen und so ihren wissenschaftlichen Horizont erweitern.<BR><BR>Interdisziplinarität statt Über-Spezialisierung<BR> <BR>"Interdisziplinarität ist sehr wichtig", stimmte Professorin Jutta Allmendinger vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zu. Schließlich gehörten Promovierte zu denen, die später gesellschaftliche Verantwortung übernehmen müssten, erklärte Professor Jürgen Enders vom niederländischen "Center for Higher Education Policy Studies". Dafür sei breit gefächertes Wissen dienlicher als eine "Über-Spezialisierung", ergänzte Professor Helmut Altner, Altrektor der Universität Regensburg.<BR><BR>Auch die Doktoranden-Betreuung muss nach Ansicht der Experten verbessert werden. Statt nur einem sollten einem Doktoranden zwei bis drei Ansprechpartner zur Verfügung stehen, meinte Ruppert. Tatsächlich wird laut einer aktuellen Erhebung des IHF unter Professoren und Promovierenden im Freistaat nur knapp die Hälfte der bayerischen Doktoranden von ihrem Doktorvater betreut.<BR><BR>Im Angebot spezieller Lehrveranstaltungen für Jung-Wissenschaftler zeigt die IHF-Untersuchung ebenfalls Defizite auf. So gibt es nur für zwölf Prozent von ihnen eigene Doktoranden-Vorlesungen.<BR><BR>Außerdem verlaufe der Promotions-Prozess derzeit meist unsystematisch und sei von einzelnen Betreuern abhängig, bemängelt die Untersuchung. Wünschenswert sei stattdessen eine wissenschaftliche Nachwuchsförderung, die stärker von den Fakultäten getragen und durch ausgearbeitete Programme begleitet werde.<BR><BR>Bei allen Reform-Überlegungen dürfe freilich nicht über das Ziel hinausgeschossen werden, mahnte Christopher Mues von der Doktorandenvereinigung "Thesis": "Man muss die Promotion strukturieren ohne sie zu verschulen."<BR> </P><P> </P>

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