Alleine bratschen statt gemeinsam essen

- Was zuerst auffällt beim Gang durch Treppenhaus und Flure ist die Stille. Immerhin leben im Studentenwohnheim an der Volksgarten- und Notburgastraße ausschließlich Musikstudenten. Doch von Klavier- und Geigenklängen oder gar Gesang kein Hauch. "Das ist nicht immer so", sagt Bratscherin Josefine Pauler. "Aber zu Ferienbeginn haben viele erst einmal aufgehört zu üben."

Lang wird die Abstinenz vom Üben freilich bei den meisten nicht sein. "Wenn man das Instrument drei Wochen nicht in der Hand gehabt hat, ist es, als hätte man es nie in der Hand gehabt", betont die 24-Jährige. Vier bis sechs Stunden steht die gebürtige Wasserburgerin fast jeden Tag in ihrem hellen Zimmer und streicht die Saiten ihrer Bratsche.

Von den Nachbarn - einem Pianisten, der "zum Glück nicht ganz so viel übt", und einem Trompeter - bekommt sie dabei nicht viel mit. Die Wände seien so dick, dass außer dem voluminösen Klang eines Klaviers kaum etwas in die Nebenzimmer dringe.

Dass im Altbau an der Notburgastraße und dem 1984 erbauten "Fraundorfer-Haus" an der Volksgartenstraße die Musikstudenten unter sich sind, geht auf die Münchnerin Therese Herbert zurück. Sie überließ den Altbau 1973 dem Studentenwerk und wohnte selbst noch einige Jahre zusammen mit Studenten darin. Der Neubau wurde nach Herberts Vater Georg Fraundorfer benannt. Als Herbert 1986 starb, vererbte sie dem Studentenwerk den Bau unter der Bedingung, dass er der Förderung von Musikstudenten dienen solle.

Neben Josefine Pauler wohnen im westlichen Flur auf dem zweiten Stock neun weitere Studenten, mit denen sie sich die Küche teilt. Zu einem Schwätzchen mit den Nachbarn am Esstisch komme es leider selten, wie Pauler bedauert: "Dafür, dass wir in einem Studentenwohnheim leben, ist der Kontakt zwischen uns schon dürftig", sagt sie. "Jeder muss eben sehr viel für sich allein üben."

Doch wenn laut Hausordnung täglich ab 22 Uhr nicht mehr musiziert werden darf, gebe es im hauseigenen Partykeller schon ab und an studentische Feiern, versichert Pauler. Auch um die Grills, die zur Mittagszeit verwaist im Hinterhof bei den Fahrrädern stehen, versammelten sich im Sommer oftmals einige der 81 Bewohner.

Ansonsten findet auch das Miteinander in dem Wohnheim nahe des Romanplatzes hauptsächlich auf musikalischer Ebene statt. Im dritten Stock, direkt unter dem Dach, hat das Wohnheim einen eigenen Kammermusik-Saal. "Der ist ganz praktisch, wenn man hier Leute kennen gelernt hat, mit denen man Kammermusik machen möchte", so Pauler. Sie selbst hat während ihrer Zeit im Wohnheim erst in einem Quartett, dann in einem Trio und schließlich im Duett mit einer Cellistin gespielt.

In welchem Ensemble Josefine Pauler künftig ihre Bratsche erklingen lassen wird, steht noch nicht fest. Ihr Diplom hat sie gerade erst gemacht. Nach der zweijährigen Aufbauklasse, die sie ab Herbst besucht, will sich Pauler um eine Stelle in einem Orchester bewerben. Auf einem Kleiderbügel in ihrem Zimmer hängt schon das passende lange Kleid fürs Spiel vor Publikum.

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