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Die Berichterstattung hinkt: Noch hat Deutschland keinen Twitter-Fall.

Warum der Amoklauf kein "Twitter-Fall" war

Bei Unglücken wie dem Amoklauf in Winnenden informieren sich Journalisten oft bei Twitter. Auch, wenn es dort eigentlich keine Neuigkeiten gibt.

Am Mittwoch hatte die Schwäbin Natali Haug ihre sprichwörtlichen 15 Minuten Ruhm. Sie war die erste, die unter dem Namen tontaube bei Twitter vom Amoklauf in Winnenden berichtete.

Die Medien stürzten sich auf die junge Verlagsangestellte und stellten ihr Fragen zu den Vorgängen in dem Ort in der Nähe von Stuttgart. Dabei wusste sie nichts Näheres, hatte von dem Amoklauf über drei Ecken gehört, saß am anderen Ende der Stadt. Wenig Beachtung fand ihr früher Aufruf: "Liebe Presse: ich weiss doch auch nichts von dem Verrückten..." Später sagte sie im Interview mit dem Bayrischen Rundfunk: "Ich habe momentan einfach nichts zu berichten. Ich sitze ja den ganzen Tag hier drinnen."

Aus Mangel an anderen Zeugen wandte man sich an die junge Frau. Um für die Artikel den "Menschen vor Ort" befragen zu können. Um einen deutschen Twitter-Fall zu haben, wie ihn die Inder bei den Anschlägen in Mumbai und die Amerikaner bei der Notlandung im Hudson hatten. Dabei hatten die Nachrichten des Mikrobloggingdienstes keinerlei Mehrwert, findet Spiegel Online. Auch das Netzfeuilleton meint, dass die Nachrichtenflut über Twitter zeitweise eher für Chaos sorgte, weil niemand wusste, welche Quelle nun seriös ist.

Viel Häme steckte der Focus ein, der extra für das Unglück in Winnenden einen Account anmeldete, allerdings unter dem Namen Amoklauf. Pietätlos, schimpften die Nutzer, woraufhin Focus den Account bald löschte. Stefan Niggemeier findet den Aufruhr etwas übertrieben, wundert sich im Allgemeinen aber über die Kurzatmigkeit, die deutsche Journalisten befällt, wenn irgendwo etwas passiert. Die Süddeutsche kritisierte die Jagd nach Details über den Täter, wobei sich Journalisten bei Web-2.0-Seiten wie MySpace und Facebook informieren.

Schon zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs schrieb Lukas Heinser für den Freitag, dass die Medien Nachrichten aus Twitter zitieren, die gar keine Nachrichten sind. Aufregend war es auf jeden Fall für Natali Haug. Ihr Freund schrieb in seinem Blog über den ereignisreichen Tag.

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