Angeblicher Staatsanwalt am Telefon: Kontrollrückruf wichtig

Wenn sich am Telefon jemand als Staatsanwalt vorstellt, sind viele erst einmal eingeschüchtert. Dabei ist das Ganze nur eine Betrugsmasche. Wie erkennen Betroffene den Bluff?

Berlin (dpa/tmn) - Verbraucher sollten derzeit skeptisch sein, wenn sich ein angeblicher Staatsanwalt am Telefon meldet. Das gilt auch, wenn die im Telefondisplay angezeigte Rufnummer mit der einer Staatsanwaltschaft übereinstimmt.

Die Telefonnummer kann relativ leicht gefälscht werden, was derzeit verstärkt von Kriminellen ausgenutzt wird, warnt der Opferhilfeverein Weisser Ring. Fachleute sprechen von Call-ID-Spoofing. Die Betrüger überrumpelten Verbraucher am Telefon mit frei erfundenen staatsanwaltlichen Ermittlungen und raten, in dieser Angelegenheit einen Rechtsanwalt zu konsultieren, um die Sache außergerichtlich zu klären.

Tatsächlich ruft kurz nach dem Telefonat mit der falschen Staatsanwaltschaft ein angeblicher Anwalt das Opfer an und nennt ihm ein Konto, auf das es Geld überweisen soll, um dem vermeintlichen Strafverfahren zu entgehen. Es kann auch sein, dass der falsche Anwalt zur Herausgabe der Kontoverbindung oder anderer Zahlungsinformationen drängt. Solche sensiblen Daten sollte man keinesfalls preisgeben, warnt der Verein. Denn natürlich handele es sich bei dem Anrufer um einen Komplizen des falschen Staatsanwaltes.

Fatal: In aller Regel existieren die Nummern, die die Kriminellen mit technischen Tricks ins Display geschmuggelt haben, wirklich - und auch die Staats- und Rechtsanwälte, deren Namen missbraucht wurden. Wer also nicht zur Kontrolle den jeweiligen Staats- oder Rechtsanwalt zurückruft, sondern nur die Nummern nachschaut, wird den Betrug vielleicht nicht bemerken und im schlimmsten Falle zahlen.

Wichtig ist es den Experten zufolge, bei einem Kontrolltelefonat nicht die im Telefon zwischengespeicherten Nummern zurückzurufen, sondern selbst zu wählen - und zwar nur die Nummern, die man im Netz oder im Telefonbuch zu der jeweiligen Staatsanwaltschaft oder Kanzlei gefunden hat.

Hilfreich sei es auch immer, mit Freunden oder Familienmitgliedern über die Geschehnisse zu sprechen. Das erhöht dem Weissen Ring zufolge die Chancen, misstrauisch zu werden, die Ereignisse kritisch zu hinterfragen, diese richtig einzuordnen und dann auch richtig zu handeln. Die Masche beschränkt sich nicht nur auf Staats- oder Rechtsanwälte: Die Betrüger missbrauchen etwa die Namen der Polizei und anderer Behörden ebenso wie die von Unternehmen.

Das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen hat vor einer Betrugsmasche mit vorgetäuschten Telefonnummern gewarnt. Dabei gaukeln Unbekannte ihren Opfern am Telefon vor, Polizisten, Richter, Staatsanwälte oder Geschäftsleute zu sein. Um glaubwürdig zu wirken, sorgen die Täter mit Hilfe von Computerprogrammen dafür, dass auf dem Telefondisplay der Angerufenen die Nummern der entsprechenden Ämter, Behörden oder Firmen angezeigt werden. Unter Vorwänden versuchten die Unbekannten dann ihre Opfer zu Geldzahlungen oder zur Preisgabe von Kontodaten zu bewegen, sagte ein LKA-Sprecher. Beim jüngsten Fall dieser Call ID Spoofing genannten Betrugsmasche büßte ein 85-Jähriger aus dem Landkreis Schaumburg knapp 30 000 Euro ein. Er war davon ausgegangen, mit einem Gericht zu telefonieren.

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