Anklage nach Moorhuhn-Bilanzskandal

- Bochum - Eineinhalb Jahre nach dem Skandal am Neuen Markt um das hochgehandelte Softwarehaus Phenomedia hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen frühere "Moorhuhn"-Manager erhoben. Den sechs Angeklagten werde unter anderem Bilanzbetrug und Insiderhandel vorgeworfen, bestätigte die Staatsanwaltschaft am Dienstag einen Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ). Die Manager, die teilweise die 150 Einzeltaten einräumt haben, sollen über Luftbuchungen die Bilanzen des Spieleentwicklers geschönt haben.

<P>Um 15 Millionen Euro sollen der Ex-Vorstandsvorsitzende und der damalige Finanzvorstand Björn Denhard seit dem Börsengang 1999 die Bilanzen gefälscht haben. Während die Popularität von Phenomedia durch die virtuelle Moorhuhnjagd an der Börse einen Höhenflug erlebte, hinkte die reale Geschäftsentwicklung hinterher. "In Essen ist extra eine Tochterfirma gegründet worden, um am Aufsichtsrat vorbei Scheingeschäfte abzuwickeln", sagte der Sprecher der Bochumer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität, Bernd Bienioßek.</P><P>Als die jahrelang getäuschten Bilanzprüfer den Managern auf die Schliche kamen, brach die virtuelle Welt von Phenomedia zusammen wie ein Kartenhaus. Der Aktienkurs stürzte von 14 Euro in den Cent- Bereich ab. Phenomedia musste Insolvenz anmelden. Weil kurz vor Aufdeckung des Betrugs auch noch große Aktienpakete auf dem Markt geworfen wurden, ermittelte die Staatsanwaltschaft mit Hilfe der Börsenaufsicht auch wegen Insiderhandels. Diesen Umstand streiten die Beschuldigten aber ab. "Wenn Insiderhandel nachgewiesen wird, schwebt das Schwert der Gewinnabschöpfung über den Betroffenen", betonte Bienioßek.</P><P>Der einstige Börsenliebling reihte sich damals nahtlos in die Serie von Bilanzskandalen am Neuen Markt ein. Den Vogel schoss allerdings der Telematik-Entwickler ComROAD ab, bei dem fast der gesamte Umsatz über mehrere Jahre gefälscht wurde. Bei Phenomedia sehen die Ermittler durchaus auch Parallelen zum Fall EM.TV, der mit der Verurteilung der Haffa-Brüder seinen Höhepunkt erlebte. Bei beiden Unternehmen sei versucht worden, die Geschäfte in einem besseren Licht darzustellen.</P><P>Das insolvente Softwarehaus Phenomdia hat den Tiefpunkt inzwischen überwunden und arbeitet mit schwarzen Zahlen. Von ehemals über 100 Beschäftigten und 17 Tochterfirmen sind noch 34 Beschäftigte und das Mutterhaus übrig geblieben. "Wir hoffen, den Gläubigern im Januar einen Abschlag von zehn Prozent der bestätigten Forderungen in Höhe von 8,5 Millionen Euro zahlen zu können", sagte Insolvenzverwalter Wulf-Gerd Joneleit. Insgesamt belaufen sich die Forderungen auf 20 Millionen Euro, rund 11,5 Millionen Euro sind noch umstritten.</P><P>Computerspiele werden in Bochum-Wattenscheid weiter fleißig produziert. Sieben Moorhuhn-Versionen stehen mittlerweile in der Entwicklungsbilanz. Für das Weihnachtsgeschäft soll die neueste Version, ein Abenteur-Rätselspiel rund um das virtuelle Huhn auf den Markt kommen. "Es war das produktivste Jahr seit Bestehen", betonte Phenomedia-Sprecher Tom Putzki. Und Insolvenzverwalter Joneleit erwartet für das kommende Jahr 4,7 Millionen Euro Umsatz und erneut schwarze Zahlen. Allerdings soll Phenomedia verkauft werden. "Wir verhandeln nach wie vor mit Interessenten", sagte Joneleit. Es werde aber nicht als börsennotiertes Unternehmen verkauft.</P>

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