+
Bei illegalen Handlungen im Netz lässt sich die IP-Adresse leicht zurückverfolgen. Doch nicht immer haftet der Inhaber des Internetanschlusses. Foto: Jens Büttner

Anschlussinhaber haftet nicht automatisch bei Missbrauch durch Dritte

Koblenz (dpa/tmn) - Werden über den eigenen Netzanschluss illegal geschützte Inhalte verbreitet, haftet dafür in der Regel der Anschlussinhaber. Es gibt aber Wege, sich davor zu schützen, für die Taten anderer geradestehen zu müssen.

Werden von einem Internetanschluss aus illegale Handlungen begangen, haftet dafür in der Regel der Anschlussinhaber. Denn bei der illegalen Nutzung von Internettauschbörsen oder dem kostenlosen Download urheberrechtlich geschützter Inhalte, lässt sich die IP-Adresse eines Netzanschlusses recht leicht ermitteln. Dann drohen Schadenersatz- und Unterlassungsansprüche. Ob und in welchem Umfang ein Anschlussinhaber aber haften muss, hängt davon ab, wie er sich gegen Angriffe von außen geschützt hat.

Kann nämlich nachgewiesen werden, dass die Tat nicht mit dem eigenen Computer begangen wurde, etwa weil dieser zum Tatzeitpunkt an einem anderen Ort oder ausgeschaltet in einem verschlossenen Raum war, ist der Anschlussinhaber nach Angaben der Rechtsanwaltskammer Koblenz entlastet. Das gilt auch für Urlaubsabwesenheiten und wenn ein vorhandenes Drahtlosnetzwerk gegen unberechtigten Zugriff geschützt war. Zum Schutz des WLAN vor unerwünschten Mitsurfern reicht es schon aus, das Netzwerk zu verschlüsseln und mit einem Code zu sichern. Experten raten dazu, mindestens die WPA-Technik zu nutzen und nicht das veraltete WEP-Protokoll. Maßgeblich ist aber, welcher Schutz zum Kaufzeitpunkt des Routers aktuell war. Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (Az.: I ZR 128/08) gibt es keine Verpflichtung, den Schutz des Routers regelmäßig zu aktualisieren.

Auch wenn minderjährige Kinder den Internetanschluss ihrer Eltern für illegale Zwecke verwenden, haften die Erwachsenen nicht automatisch. Ein mündlich ausgesprochenes Verbot reiche den Angaben nach aus, wenn dieses vom Kind anerkannt wurde und die Eltern auf dessen Einhaltung achten. Allerdings müssen Eltern dem Alter des Kindes entsprechende Regeln aufstellen und für eine angemessene Kontrolle sorgen (Az.: I ZR 74/12).

Um eine Haftung für irrtümlich begangene Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden, sollten Inhaber eines Internetanschlusses sicherstellen, dass ihnen alle Nutzer bekannt sind und dass diese darüber belehrt wurden, illegalen Zugriff zu unterlassen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Alle Info zur Wahl mit Push-Nachrichten der Merkur.de-App
München - Sie wollen auch zur Bundestagswahl lokal und national topaktuell informiert sein? Kein Problem mit der kostenfreien App von Merkur.de. Aktivieren Sie …
Alle Info zur Wahl mit Push-Nachrichten der Merkur.de-App
iPhone 8: Verkaufsstart in München - Kunde mit überraschender Aussage
Ab heute ist das iPhone 8 in den Läden erhältlich, so auch in den Apple-Stores in München. Wir zeigen, wie der Verkaufsstart lief. 
iPhone 8: Verkaufsstart in München - Kunde mit überraschender Aussage
Bixby-Taste von Samsung Galaxy S8 und Note 8 deaktivierbar
Der digitale Smartphone-Assistent Bixby der neuen Galaxys öffnet sich standardmäßig nach kurzem Tastendruck. Dies ist manchen Nutzen ungewollt öfters passiert: mit dem …
Bixby-Taste von Samsung Galaxy S8 und Note 8 deaktivierbar
Drei Tipps für mehr Browser-Sicherheit
Updates einschalten, Passwörter nicht im Klartext speichern und gefährliche Inhalte blockieren. Schon mit wenigen Handgriffen und Mausklicks lässt sich der Browser …
Drei Tipps für mehr Browser-Sicherheit

Kommentare