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Offline wie online protestieren die Menschen gegen die Pegida-Bewegung.

Eine Million sind das Ziel

Hunderttausende unterstützen Anti-Pegida-Petition

Hannover/Dresden - Pegida mobilisiert online wie offline Menschen. Mit einem Mausklick hat Karl Lempert (49) der Debatte um die anti-islamische Bewegung eine neue Wendung gegeben.

Der enorme Zuspruch seiner Online-Petition gegen das islamfeindliche Bündnis stellt im Netz alles in den Schatten, was die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz Pegida, selber an Onlinemobilisierung vermocht haben. „Ich hatte die Bilder aus Dresden gesehen und ich war fassungslos und entsetzt“, berichtet Lempert. „Unerträglich“ sei es für ihn gewesen, dass die Pegida-Teilnehmer Weihnachtslieder anstimmten und das Fest der Liebe so zur musikalischen Basis für fremdenfeindliche Hetze machten.

Lempert setzt sich am 23. Dezember an seinen Rechner und formuliert einen Aufruf gegen „dieses unmenschliche und unverantwortliche Konglomerat zwischen dem rechten Rand und der bürgerlichen Mitte“. Es habe ihn einfach nicht losgelassen, dass es in Dresden fast 20.000 Menschen auf die Straße zieht, vieles an den Motiven dabei im Unklaren liegt - aber das rechtsextreme Spektrum diese Bewegung für sich vereinnahmt.

"Ähnliche Stimmung wie 1933"

Lempert denkt, dass Pegida vielen als Ventil gerade recht kam. „Ich glaube, eine ähnliche Stimmung hat 1933 auch geherrscht.“ In jenem Jahr kam Adolf Hitler an die Macht. Sündenböcke wie Herkunft, Hautfarbe oder Religion seien immer schnell zur Hand, meint der Initiator der Petition.

In Dresden vereinte Pegida zuletzt 17.500 Menschen, wenige Tausend protestierten dagegen. Bundesweit war das Verhältnis zwar anderes. Doch auch im Netz ist die Pegida-Zugkraft enorm. In ihrem zentralen Kommunikationskanal Facebook zählte das Bündnis zuletzt rund 94.000 Unterstützer. Die Gegenbewegung Pegida#watch kommt bisher nur auf knapp 29.000.

"Eine Million ist das Ziel"

Umso bemerkenswerter ist der Erfolg von Karl Lemperts Petition unter change.org, die seit Heiligabend Zehntausende Unterstützer sammelt und am Montagnachmittag schon auf eine Viertelmillion Unterschriften zusteuerte. Viermal soviel sollen es einmal sein. „Eine Million ist das Ziel, weil das auch eine symbolische Zahl ist“, sagt Lempert.

Der Deutschland-Chef von change.org, Gregor Hackmack, sagt: „Es ist die Petition mit dem bisher höchsten Tageszuwachs überhaupt.“ Eine ähnlich starke Mobilisierung „gibt es bei uns nur einmal im Quartal“. Die hierzulande bisher größte change.org-Petition von Bianca Kasting fand 432.490 Unterstützer. Es ging um Haftpflichtkosten für Hebammen.

Am Montag schien es, dass Lempert diese Marke knackt. Er selber hat bei change.org bereits eine andere große Petition laufen, in der bisher 260.000 Unterzeichner das Bundesverdienstkreuz für Tugçe A. fordern - die mutige Streitschlichterin hatte ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlt. Inzwischen prüft die Politik eine posthume Ehrung.

Hackmack hält Lemperts Millionenziel angesichts der jüngsten Zahlen für realistisch. „Gerade, weil uns die Pegida-Debatte im Januar ja noch oft begleiten wird“.

dpa

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