Aphrodites kleine Helfer

Potenzmittel: - Cleopatra hat Cäsar zum Abendmahl damit verführt. Casanova machte nach eigenen Angaben erst bei 50 Stück halt und Ludwig XIV. soll sich vor der Hochzeitsnacht mit Maria Theresia mit mehreren hundert dieser Eiweißbomben gestärkt haben. Die Auster gilt, wie Ingwer, Zimt und Spargel, als ein Mittel, das die erotische Kraft stärkt. Doch wie wirksam sind die Helfer in der Liebe? Sie reizen entweder die Geschlechtsorgane, bauen Hemmungen ab oder regen die Fantasie an.

Einen anderen Wirkmechanismus hat Claus Priesner parat: "Wenn ich an die erotisierende Wirkung einer Substanz glaube, dann ist es auch ein Aphrodisiakum." Der Chemiker und Historiker an der Ludwig-Maximilians-Universität München beschäftigt sich mit der Geschichte der Drogen im Mittelalter und der Alchemie. Aphrodisiaka sind definiert als Mittel, die die Lust anregen. Aber: "Erotik spielt sich im Kopf ab, nicht im Unterleib", betont der 59-Jährige.

Ein Lustmittel, das tatsächlich im Unterleib wirkt, ist Sildenafil, besser bekannt unter dem Namen Viagra. Der potenzsteigernde Stoff verstärkt eine Erektion. Ohne sexuelle Stimulation wirkt jedoch auch Viagra nicht. "Eine Idealvorstellung wäre ein Aphrodisiakum, das beides kann: die Phantasie und den Körper anregen", sagt Priesner. Wenn es ein solches Aphrodisiakum gäbe, "dann würden die Leute nichts anderes mehr machen, als dieses Mittel nehmen", sagt Priesner lachend.

Auch das Altertum kannte sein Viagra: Das Alkaloid Yohimbin aus der Rinde des westafrikanischen Yohimbe-Baumes. Es ist das einzige von der Schulmedizin anerkannte Aphrodisiakum. Ähnlich wie Viagra erweitert Yohimbin die Gefäße und erregt zudem die Nerven der Geschlechtsorgane. Andere wirksame Aphrodisiaka kamen im 15. Jahrhundert zum Einsatz. "Männer haben den Frauen Stechapfelextrakt in ein Getränk gekippt, um sie gefügig zu machen", erzählt Priesner. Der Grat zwischen berauschender Wirkung und tödlicher Dosis ist jedoch sehr schmal. Lange bekannt ist auch der Alkohol. "Er baut nur Hemmschwellen ab", sagt Priesner. Doch mit ihm verhalte es sich wie mit Austern, Zimt, Ingwer, Spargel und Co: "Wenn ich daran glaube, dann hilft es auch."

Dennoch, bestimmte Stoffe in Liebesmitteln wirken auf unseren Körper. So die Aminosäure Arginin aus Kürbisgewächsen und Algen. Unser Körper bildet aus ihr Stickstoffmonoxid. Das erweitert die Gefäße und bringt den roten Saft dorthin, wo bei Mann und Frau eine lustvolle Schwellung erwartet wird.

Nicht nur eingenommene Substanzen, auch magische Prozeduren waren in früheren Jahrhunderten verbreitet. Überliefert sind die Bräuche im Rahmen der Hexenprozesse. "Eine typische Anschuldigung war das Nestelknüpfen", sagt Priesner. Ein negativer Liebeszauber, der Männern angeblich einen Knoten ins Glied und sie so impotent machte.

Magieglaube und Drogenwirkung vermischen sich bei der Alraune. Wie der Stechapfel stammt sie aus der Familie der Nachtschattengewächse und war der Liebesgöttin Aphrodite geweiht. Im Mittelalter grub man die Alraune mit Hilfe eines Hundes aus. Denn für Menschen galt dies als tödliches Risiko.

Die giftige Alraune löst erotische Halluzinationen aus

Heute weiß man, dass die Alkaloide in den Wurzeln erotische Halluzinationen auslösen. Christian Rätsch und Claudia Müller-Ebeling schreiben im "Lexikon der Liebesmittel" zur Alraune: "Ihr Verzehr ist unbedenklich." In einem Selbsttest hat das Pärchen Wein aus den Früchten genossen. Laut Priesner lähmt die Alraune aber in zu hohen Dosen die Atemmuskeln. Cäsars und Casanovas Austern sind da eher zu empfehlen. Und auch Aphrodite soll ja einer Muschel entsprungen sein.

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