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"Beam": Simsen in Echtzeit

App überträgt die Gedanken des SMS-Schreibers

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München - Wer hat nicht schon einmal eine wütende SMS geschrieben und sie vor dem Abschicken gelöscht? Bei einem neuen Handy-Messenger droht Unheil, denn mit Beam kann man es sich nicht mehr anders überlegen.

Unbedachte oder unglücklich formulierte Worte kommen einem schon mal über die Lippen, da bedarf es dann im Nachhinein oft mühsamer Entschuldigungen, um das Gesagte zurückzunehmen. Davon können cholerische Menschen genauso ein Lied singen wie betrunkene oder frisch Verliebte. Beim Simsen ist das einfacher: Da ist es möglich, sich noch einmal genau zu überlegen, ob man das wirklich so meint, was man da gerade geschrieben hat. Zur Not löscht man die Nachricht einfach wieder, bevor man auf den "Senden"-Knopf drückt. Dafür nimmt man gerne in Kauf, dass sich die andere Seite vor Ungeduld auf eine ersehnte Antwort eventuell derweil die Fingernägel abknabbert.

Bei einer neuen Gratis-App ist das Löschen vor dem Abschicken aber zwecklos: Der Messenger "Beam" überträgt das Getippel an den Empfänger, noch während die Finger über den Bildschirm flitzen. Der Adressat erfährt quasi die Gedanken des anderen, während er sie denkt - ungefiltert und 1:1. Natürlich nur, wenn beide die "Beam"-App installiert haben.

Wer den zweiten Haken bei WhatsApp nicht mochte, der nicht nur anzeigt, dass eine Nachricht gelesen wurde, sondern auch wann, den wird diese neue Dimension der Transparenz in der digitalen Kommunikation ziemlich erschrecken. Schließlich zwingt das Simsen in Echtzeit zur "brutalen Ehrlichkeit", wie der "Business Insider" schreibt, und dürfte zu manch peinlicher Situation führen - von der unangenehmen Offenbarung etwaiger Rechtschreibschwächen mal ganz abgesehen.

Die Macher der App sehen das naturgemäß ganz anders und schwärmen von der "Nähe, Dynamik und Verbundenheit" der Kommunikation. Das Simsen in Echtzeit und ohne Wartezeiten fühle sich wie eine echte Unterhaltung an: Jetzt könne man den anderen etwa mitten im Satz unterbrechen, wenn der zum Beispiel etwas sagen will, was man schon längst weiß.

WhatsApp setzt übrigens zur Rolle rückwärts an und will die "Gelesen"-Funktion, über die sich viele Nutzer beschwert hatten, in einem Update lediglich als Option anbieten. Dort hat man offensichtlich verstanden, dass größtmögliche Transparenz beim Simsen nichts für jeden ist. 

Beam gibt es zum Download bereits für Android und bald auch fürs iPhone.

hn

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