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Apple-Chef Steve Jobbs.

Apple macht Druck im Video-Geschäft

San Francisco - Apple will tiefer ins Videogeschäft vorstoßen. Konzernchef Steve Jobs stellte am Mittwoch in San Francisco eine neue Version der Wohnzimmer-Box Apple TV vor, die in den USA nur noch 99 Dollar kosten soll.

Der Vorgänger war mehr als doppelt so teuer. In Deutschland wurde der Preis ähnlich stark auf 119 Euro gesenkt.

Apple geht auch auf den Trend zu Online-Netzwerken ein und integriert in die neue Version seiner Mediensoftware iTunes ein Musik-Netzwerk mit dem Namen Ping. Darüber können sich Nutzer mit ihren Freunden austauschen oder Neuigkeiten von ihren Lieblingskünstlern sehen.

Die Zahl der iTunes-Kunden gibt Apple mit 160 Millionen an. Damit bekommt Ping gleich eine solide Nutzerbasis. Aus dem iTunes-Store sind künftig Episoden von TV-Serien in hoher Auflösung für 99 US-Cent abrufbar. Zu diesem Preis kann man die Serienfolgen leihen, nicht kaufen. Allerdings machen bei der Preissenkung nur die Senderketten ABC und Fox mit. Andere wollten bisher nicht mitziehen, räumte Jobs ein. Darüber hinaus bekommen die Fernsehzuschauer über die kleine Kiste Zugriff auf die in Amerika beliebte Online-Videothek Netflix.

Derzeit versuchen immer mehr Anbieter, beim Zusammenwachsen von Fernsehen und Online-Video eine Schlüsselposition zu gewinnen. Unmittelbar nach dem Apple-Event entdeckten US-Blogger auf der amerikanischen Website des weltgrößten Einzelhändlers Amazon ebenfalls Serien-Episoden von ABC und Fox zu 99 US-Cent - und dafür kann man sie dort kaufen statt leihen wie bei Apple. Allerdings preschte Amazon offenbar auf eigene Rechnung vor, wie das “Wall Street Journal“ herausfand. Die Preissenkung sei nicht mit den Sendern abgesprochen, berichtete das Blatt online unter Berufung auf informierte Personen. Der Internet-Händler könne mit Pech auch auf der Differenz sitzenbleiben.

Stunden zuvor kündigte Sony auf der Funkausstellung IFA in Berlin einen neuen Musik- und Videodienst an. Dabei sollen die Songs und Filme nicht auf die Geräte heruntergeladen, sondern nur direkt aus dem Netz abgespielt werden. Apple demonstrierte mit der Live-Übertragung des Jobs-Auftritts auf Apple-Geräte, dass das für sie technisch auch kein Problem ist.

Google will im Herbst eine eigene Hybrid-Plattform für Fernsehen und Online-Video mit dem Namen Google TV starten. Damit gewinnt der Wandel der TV-Branche vor allem im größten Fernsehwerbemarkt USA an Schwung. Die Sender sind bisher sehr vorsichtig bei Online-Angeboten. Sie befürchten, dass diese ihre Werbeerlöse schmälern könnten. Das Werbegeschäft ist nach den Einbußen in der Wirtschaftskrise gerade erst wieder angelaufen.

Apple zeigt sich auch entschlossen, die Spitzenposition im weltweiten Musikgeschäft zu verteidigen. Der Konzern geht mit einer runderneuerten Palette seiner iPod-Player ins Weihnachtsgeschäft. Die größte Veränderung gibt es beim “Brot-und-Butter“-Modell iPod nano, das einen berührungsempfindlichen Bildschirm bekommt und mit seinem schwarzen Rahmen künftig wie eine quadratische Mini-Version des Tablet-Computers iPad aussieht. Der größere Bruder iPod touch bekommt wie erwartet eine Kamera für Videotelefonie über WLAN-Netze sowie das verbesserte Display des iPhone 4.

Der billigste Player, der iPod shuffle, kostet nur noch 49 Dollar. Apple ist der Marktführer beim Online-Musikverkauf und bei mobilen Multimedia-Spielern. Der boomende Bereich lockt jedoch verstärkt Konkurrenten an. Der Konzern versucht deshalb, seine iPhones und iPods noch stärker als mobile Spielgeräte zu positionieren. Mit der neuen Plattform “Game Center“ sollen Spieler einfacher gegeneinander antreten können. In diesem Jahr soll es zwei neue Versionen des Betriebssystems iOS geben, mit dem die iPods, iPads und die iPhone-Handys laufen. Pro Tag werden rund 230 000 neue iOS-Geräte registriert, wie Jobs sagte. Insgesamt seien inzwischen 120 Millionen von ihnen im Markt.

dpa

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