Apple will neues iPhone massentauglich machen

San Francisco - "Doppelt so schnell - halber Preis." Die Kernaussage von Apple-Chef Steve Jobs zur Präsentation des neuen Smarthandys "iPhone 3G" hinterließ am Montag in den USA äußerst widersprüchliche Reaktionen.

Während die Software-Entwickler in San Francisco dem Apple-CEO im schwarzen Rollkragen-Pullover auf der Bühne des Moscone Centers zujubelten, schickten die Finanzinvestoren am New Yorker Handelsplatz Nasdaq die Aktie von Apple zunächst auf eine heftige Talfahrt bevor sich dann der Kurs bei minus 2,2 Prozent stabilisierte.

Die Programmierer an der US-Westküste erhoffen sich für ihre Software-Produkte einen größeren Absatzmarkt, wenn das iPhone durch den drastischen Preisabschlag von Apple tatsächlich massentauglich werden sollte. Nur noch 199 Dollar soll in den USA das neue iPhone-Modell mit acht Gigabyte Speicher kosten. Für das alte iPhone dieser Größe verlangte Apple immerhin noch 399 Dollar. Das größere "iPhone 3G" mit 16 Gigabyte Speicher schlägt nur noch mit 299 Dollar zu Buche (statt 499 Dollar für die 16-GB-Version des ersten iPhones). Die Preise von T-Mobile in Deutschland stehen noch nicht fest und werden vermutlich erst kurz vor dem Marktstart am 11. Juli 2008 veröffentlicht.

Die Börsianer fragen sich unterdessen, wie Apple mit diesem Preiskampf seine traditionell hohe Marge halten will. Schließlich hat das Unternehmen nicht nur der Preis für das iPhone halbiert, sondern weitgehend seine lukrative Beteiligung am Monatsumsatz der iPhone-Kunden bei den Telkos zur Disposition gestellt. Immerhin erhält Apple nach Angaben von Geschäftsführer (COO) Timothy Cook mehr als den Ladenpreis des iPhones von AT&T. Die Höhe der Quersubventionierung behandeln Apple und AT&T als vertrauliches Betriebsgeheimnis. Um den weltweiten Graumarkt mit unregistrierten Geräten aus den USA auszutrocknen, müssen die iPhone-Käufer künftig auch in den Apple-Läden die Aktivierung des Handys vornehmen, sagte Ralph de la Vega, Chef der Mobilfunkabteilung von AT&T.

In den USA erzielte Apple seit dem Verkaufsstart des iPhones am 29. Juni 2007 in der Klasse der so genannten Smartphones trotz des hohen Einstiegspreises einen Marktanteil von rund 20 Prozent hinter RIM ("BlackBerry"). Weltweit spielt aber vor allem Nokia eine dominante Rolle. Das iPhone kommt hier nicht über fünf Prozent Marktanteil. Das soll sich nach dem Willen von Steve Jobs nun ändern. Die Masse soll es machen. Dazu bringt Apple das iPhone in quasi allen relevanten Mobilfunk-Ländern rund um den Globus auf den Markt. In über 70 Ländern soll bis zum Jahresende das iPhone angeboten werden. Nur China bleibt vorläufig außen vor.

Mit der Unterstützung der dritten Mobilfunkgeneration UMTS wird das iPhone vor allem außerhalb der USA attraktiver. Während in den Vereinigten Staaten das 3G-Netzwerk von Apple-Partner AT&T noch große Löcher ausweist, sind in Europa und Asien dicht ausgebaute UMTS-Netze eine Selbstverständlichkeit. Allerdings haben Apple-Konkurrenten wie Nokia, Samsung und HTC schon vorgelegt und bieten in ihren Top-Handys bereits die Turbo-Varianten von UMTS.

Apple baut auf die hohe Zufriedenheit der Kunden, die sich bislang ein iPhone gekauft haben und nach Umfragen vor allem von der leichten Bedienbarkeit ihres Handys schwärmen. Mit zusätzlichen Software-Angeboten soll das iPhone vor allem business-tauglich gemacht werden. Künftig unterstützt die zweite Generation der iPhone-Software, die auf den alten Geräten kostenlos nachgerüstet werden kann, etwa die Exchange-Architektur von Microsoft für E-Mails, Kalendereinträge und Kontaktinformationen. Auf der anderen Seite setzt Apple aber auch auf den Spaßfaktor. Etliche Games verwandeln das iPhone in ein Spielgerät, das es durchaus mit anderen kleinen tragbaren Konsolen aufnehmen kann.

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