Arbeit im Rhythmus der Nacht

- Der Nebenjob ist für Studenten fast eine Selbstverständlichkeit. Zwei von drei Hochschülern arbeiten laut der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Sie müssen mit dem verdienten Geld ihren Lebensunterhalt bestreiten, wollen Kontakte für die berufliche Zukunft knüpfen oder einfach nicht auf jeden Cent sehen müssen. Dass sich dieses Ziel nicht nur als Kopier-"Hiwi" oder Bibliotheksaufsicht erreichen lässt, zeigt unsere neue Serie. In den kommenden Wochen schauen wir Münchner Studenten bei ihren Jobs über die Schulter.

Samstagabend, kurz vor Mitternacht. Traian Paduraru zieht den Regler am Mischpult hoch, und der Dancehall-Hit "We Be Burning" von Sean Paul dröhnt aus den Boxen. Binnen Sekunden wackelt ein gutes Dutzend Studenten im Takt auf der Tanzfläche, die kurz zuvor noch leer war. "Sean Paul kommt immer an", sagt der Discjockey zufrieden. Traian muss es wissen. Seit drei Jahren legt der Mechatronik-Student in der "Oly-Disco" im Olympiazentrum auf.

"Ein angenehmer Job", sagt der 27-Jährige: "Ich verdiene ein bisschen Geld, die Atmosphäre ist angenehm, es gibt hier noch spät nachts warmes Essen, und man muss als DJ nicht hart arbeiten." Reich wird man damit allerdings auch nicht. Die Abendgage in der komplett von Studenten geführten Oly-Disco liegt bei etwas über 60 Euro. Ein bis zwei Mal im Monat legt Traian Paduraru hier auf.

Aktuelle Titel aus den Hitlisten bestimmen die Musikauswahl. "House, Black, Latino", fasst Paduraru zusammen. Privat höre er dagegen viel Jazz und "chillige Sachen", eher ruhige Musik. Doch die persönlichen Vorlieben des DJs interessieren das Publikum nicht. "Man muss sich schon bemühen, den Leuten hier gute Stimmung zu machen", sagt der gebürtige Rumäne.

Dazu gehört es auch, Musikwünsche zu erfüllen. "Alles mache ich aber nicht mit", sagt Traian mit Nachdruck. Wer mal wieder um Mitternacht Stevie Wonders "Happy Birthday" hören will, stößt bei ihm auf taube Ohren. Letztendlich bestimmt der DJ, was gespielt wird. Einen Meter über der Tanzfläche, mit der Hand am Regler - ein gewisses Gefühl von Macht komme da schon auf, gibt der Student zu. "Ein guter DJ hat die Leute im Griff", sagt Paduraru mit breitem Grinsen. "Der Reiz an dem Job ist es, die gute Stimmung beizubehalten und gleichzeitig auch ein bisschen Musik nach eigenem Geschmack zu spielen."

Traian Paduraru sieht das Auflegen als Ausgleich zu seinem Studium an. "Mechatronik, das ist so eine materialistische Sache, damit kriegt man einen Job", meint er. Als DJ könne er dagegen seine künstlerische Seite ausleben.

Mit einem Nachteil: Während auf der Tanzfläche getanzt und angebandelt wird, bleibt Traian auf seiner DJ-Kanzel allein. "Dass ein DJ immer viele Frauen hat, ist ein Mythos", betont er. "Bei dem Job muss man sich auf die Musik konzentrieren, da kann man schlecht flirten."

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