Arbeitslose versteigern sich im Internet

- Essen - Ein alter Gartenstuhl, eine kitschige Lampe, ein abgetragenes Sakko - es gibt kaum etwas, das bei den populären Internet-Auktionen keinen Käufer findet. Der Erfolg der virtuellen Marktplätze hat Mirko Mandzel auf eine Idee gebracht. Seit Monaten hatte der Arbeitslose sich und sein Können auf herkömmlichen Wegen vergeblich feilgeboten: "Warum nicht auch die eigene Arbeitskraft versteigern?", fragte sich der Essener und schritt zur Tat.

<P>Der 28-jährige Bürokaufmann stellt seine Bewerbung ins Netz und setzte das Mindestgebot fest: 2700 Euro brutto im Monat. "Ich suche Tätigkeiten aller Art", sagt Mandzel, "nur keine Zeitarbeit, denn damit habe ich schlechte Erfahrungen gemacht." Weder Arbeitsamt noch Stellengesuche hatten ihm zuvor geholfen. Die Auktion beim Online- Auktionator eBay sei eine zusätzliche Chance, die er nutzen müsse, sagte sich Mandzel.</P><P>Am Ende der virtuellen Veranstaltung folgte dann die Enttäuschung. Für Mandzel, einen der mehr als 4,3 Millionen Arbeitslosen in Deutschland, wurde kein einziges Gebot abgegeben. "Ich habe vielleicht den Preis zu hoch gesetzt", mutmaßt der Kaufmann.</P><P>Er ist nicht als Einziger auf die Idee gekommen, den großen Marktplatz von eBay zur Arbeitssuche zu nutzen und sich zwischen mehr als einer Million Artikeln selbst zu versteigern. Den Mitarbeitern der Online-Handelsplattform seien seit einigen Wochen immer wieder Anbieter aufgefallen, die ihre Arbeitskraft anböten, bestätigt Unternehmenssprecher Martin Guentert.</P><P>Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr versuchte Peter Lincker aus Mecklenburg-Vorpommern über das Auktionshaus, einem potenziellen Arbeitgeber aufzufallen. "Ich gebe nicht auf", betitelte der seit einem Jahr arbeitslose Speditionskaufmann sein eBay-Angebot. Auf seine "Artikelbeschreibung" (55 Jahre Lebenserfahrung und 37 Jahre Berufserfahrung) seien einige Antworten per E-Mail gefolgt. "Allerdings nur wenig Seriöses", sagt Lincker. Finnische Holzhäuser sollte er zum Beispiel verkaufen. Allerdings sollte er dabei mit seinem Ersparten gerade stehen, falls etwas schief läuft.</P><P>"Auf die Dauer fühlt man sich als Kasper", gibt Lincker zu. Immer wieder präsentiere er sich so vielen Menschen und dabei käme nichts heraus. Das nagt am Selbstbewusstsein. "Aber was soll ich sonst machen?", fragt Lincker - "mit einem Flugzeug und einem Spruchband über Deutschland fliegen?"</P>

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