Arzt begleitet Kinder beim Sterben

- Erkrankt ein Kind an einem tödlichen Leiden, ist das einer der schlimmsten Schicksalsschläge für die Familie. Auch für die Ärzte ist der Umgang mit den Patienten und deren Angehören eine schwierige Aufgabe, die viel Einfühlungsvermögen verlangt. Die Kinder-Palliativ-Medizin erfordert daher eine spezielle Ausbildung.

An den Universitäten lernt man allerdings kaum etwas darüber. In München soll sich das ändern: Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung an der Ludwig-Maximilians-Universität richtet die erste Professur für Kinder-Palliativmedizin ein. Das Berufungsverfahren ist noch im Gange. Über die Aufgaben, die auf die Mediziner zukommen, berichtet Prof. Gian Domenico Borasio, vom Lehrstuhl für Palliativmedizin der LMU.

Welche Betreuung brauchen Kinder, die palliativ behandelt werden?

Borasio: Am wichtigsten ist es, auf die ganz individuellen Bedürfnisse und Nöte der Kinder und ihrer Familien einzugehen. Hier spielen Alter und Reife der Betroffenen eine besonders große Rolle. Gerade Kinder, die schon lange an einer chronischen Erkrankung leiden, wirken oft sehr reif in ihren Entscheidungen. Ziel der Betreuung ist es, dass die Kinder möglichst viel Zeit zu Hause verbringen können. Daher auch der Name unseres Kinderprojekts: HOME - Hospiz ohne Mauern.

Welche Rolle muss der Arzt den Eltern gegenüber einnehmen?

Borasio: Für Eltern gibt es nichts Schlimmeres als den Tod des eigenen Kindes. Das ist eine Situation, die bei den Ärzten oft Ängste verursacht. Wir bieten deshalb im Juli hier in Großhadern einen speziellen Kurs in Palliativmedizin für Kinderärzte an.

Gibt es Unterschiede in der Betreuung, je nach Erkrankung des Kindes?

Borasio: Das ist definitiv so. Nur jedes achte Kind stirbt an Krebs. Es gibt auch viele andere Krankheiten, die nicht so bekannt sind, insbesondere aus dem Bereich der angeborenen Fehlbildungen, der Stoffwechselkrankheiten oder der neurologischen Erkrankungen. Das gilt auch für die Erwachsenen-Palliativmedizin. Auch hier müssen wir auf die neuen Herausforderungen reagieren wie etwa auf Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Alzheimer.

Liegen hier Ihre wichtigsten Forschungsaufgaben?

Borasio: Ja, wir versuchen herauszufinden, wie die guten Betreuungsansätze, die es in der Krebs-Palliativmedizin gibt, auf andere Erkrankungen übertragen werden können.

An der LMU ist die Palliativ-Medizin Pflichtfach. Wie sieht die Ausbildung der Studenten aus?

Borasio: In den ersten Semestern werden Rollenspiele zur Arzt-Patienten-Kommunikation durchgeführt. Dann gibt es Seminare von Sozialarbeitern, Psychologen, Seelsorgern, und schließlich die medizinische Ausbildung wie zum Beispiel die Schmerztherapie. Ziel ist es, allen Studenten die Grundlagen des Fachs nahe zu bringen, denn Palliativmedizin ist Aufgabe aller Ärzte.

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