Vom Aschenbrödel zum Leuchtturm

- Das Bild der Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München hat sich seit der Gründung des Instituts vor exakt 80 Jahren (als Institut für Zeitungswissenschaften) drastisch gewandelt. In den ersten Jahrzehnten galt das Studienfach, das von Professor Karl d'Ester am 7. Mai 1924 gegründet wurde, als absolutes Orchideenfach. D'Ester hatte damals die einzige Professur für Zeitungswissenschaften in ganz Deutschland inne.

<P>Mehr als einen Professor genehmigte die Uni den Zeitungswissenschaftlern lange nicht. Über 50 Jahre dauerte es, bis die Universität das Professoren-Personal schließlich erhöhte. In den Gründungszeiten machte man den Studenten oft zum Vorwurf, dass sie "keine richtige Wissenschaft" betrieben. Man schrieb ihnen bald vor, im Nebenfach etwas "Vernünftiges" wie etwa eine Philologie zu erlernen. Lange Zeit schwebte darum auch das Damoklesschwert der Schließung über den Zeitungswissenschaftlern. </P><P>Heute, zum 80. Geburtstag des Instituts, das jetzt idyllisch zwischen Isar und Chinesischem Turm, in der Oettingenstraße 67 liegt, ist von einem Orchideenfach keine Rede mehr. Das Institut hat rund 1700 Studenten. Für den neuen Bachelor-Studiengang, der im Jahr 2003 eingeführt wurde, bewarben sich auf jeden Platz mehr als zehn Studenten. </P><P>"Die wachsende Bedeutung der Medien und der dadurch ausgelöste Drang der Studierenden in die entsprechenden Berufe haben dem Fach einen Boom beschert", erklärt Professor Michael Meyen, geschäftsführender Vorstand des Instituts. Meyen hat zum 80jährigen Bestehen eine Ausstellung konzipiert, die den "Weg vom Aschenbrödel der Universität zu einem ihrer Leuchttürme nachzeichnet." Die Poster-Dokumentation beschreibt die Highlights der Institutsgeschichte. </P><P>Etwa wie 1969 protestierende Studenten den damaligen Lehrstuhlinhaber Otto Roegele und seine vier Mitarbeiter einfach aus dem Institut, das damals noch im Amerika-Haus war, vertrieben. Angestachelt wurden sie von ihren Pariser Kommilitonen, die zeitgleich die Sorbonne besetzten. Die streitbaren Münchner Studenten wollten eine Klausur nicht schreiben und Roegele war ihnen zu verstaubt und konservativ. Nach Roegeles Vertreibung entrollten sie eine rote Vietcong-Fahne und ein Transparent mit der Aufschrift "Erstes befreites Institut der Universität". </P><P>Ob und wie sich die Erfolgsgeschichte der Münchner Kommunikationswissenschaften fortsetzt, ist noch fraglich. Denn die Kürzungen der Universitätsmittel in Bayern treffen auch die Kommunikationswissenschaft. Für das Jahr 2006 befürchten die Professoren und die Studenten den Wegfall einer Professur. </P>

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